Klausurtraining – Lösungen
Schulbuch Seite 49
Lösungen der Aufgaben
(49.1) Die Karikatur zu erläutern und dazu einen passenden Untertitel zu entwickeln, verlangt die Sachverhalte der Karikatur im Zusammenhang zu beschreiben und zu erklären (AFB II).
Die Karikatur zeigt US-Präsident Donald Trump, der mit konzentriertem Blick vor einem Computer sitzt. Auf dem Bildschirm ist der Umriss von Grönland zu sehen. Auf diesem ist ein Fadenkreuz erkennbar. Am Bildschirm klebt ein Zettel mit der Aufschrift „MAGA now“, was Trumps Wahlspruch „Make America Great Again“ entspricht. Vor Trump auf dem Tisch liegt ein Zettel mit der Aufschrift „Must have: Grönland, Panama, Kanada“. Der Elefant auf dem Tisch hat die Farben der amerikanischen Flagge. In einer Sprechblase sagt Trump: „Eins, zwei, drei … Meins!“
Die Karikatur deutet auf die geopolitischen Ambitionen des US-Präsidenten nach strategischer Expansion der USA hin. Er möchte Grönland annektieren, um auf diese Weise die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu stärken. Grönland ist außerdem das Tor zum nördlichen Teil des Atlantiks und der Arktis, in der wertvolle Rohstoffvorkommen vermutet werden. Neben den USA machen auch Kanada, Dänemark und Russland Hoheitsansprüche an diesem Gebiet geltend. Der Zettel auf dem Schreibtisch macht außerdem deutlich, dass Trump neben Grönland, auch an Panama und Kanada Interesse hat.
Trumps Idee, Grönland zu kaufen, folgt dem historischen Muster früherer US-Präsidenten, die beispielsweise Florida von Spanien und Alaska von Russland kauften. Grönland ist jedoch autonomes Gebiet Dänemarks und unterliegt dem Selbstbestimmungsrecht seiner eigenen Bevölkerung. Ob der Kauf Grönlands für Trump Utopie bleibt oder Realität wird, wird davon abhängen, ob die USA mit der grönländischen Bevölkerung einen attraktiven Deal aushandeln können, sodass diese gewillt ist, sich durch ein Mehrheitsreferendum den USA anzuschließen.
Ein möglicher Untertitel könnte sein: Grönland im Visier von Donald Trump
(49.2) Die Arktis-Staaten, ihre Gebietsansprüche und ihr Rohstoffpotenzial herauszuarbeiten, erfordert die Sachverhalte aus M2 sowie aus geeigneten Atlaskarten (z. B. Diercke Weltatlas Ausgabe 2023 S. 252 Karte 1 „Nordpolargebiet (Arktis)- Naturraum“ oder S. 252 Karte 2 „Arktis – Nordpol-Entdeckung, Hoheitsansprüche“) zu entnehmen (AFB I).
Gemäß der Karte M2 bzw. dem Diercke Weltatlas S. 252 Karte 2 sind die USA mit Alaska, Kanada, Grönland, Russland (Sibirien) und Norwegen durch Spitzbergen die Anrainerstaaten der Arktis. Norwegen erhebt dabei keinen Gebietsanspruch auf die zentrale Arktis, also dem aktuell teilweise noch zugefrorenen Nordpolarmeer.
Nach M2 bzw. Diercke Weltatlas S. 252 Karte 1 gleicht die Arktis einer Schatzkammer und verfügt über folgende begehrte Rohstoffe:
- Energierohstoffe: Erdöl und Erdgas onshore und offshore in allen Staaten, Ölsandvorkommen vor allem in Kanada, Russland und Skandinavien, Kohle vor allem in Russland
- Bodenschätze:
- Grönland: Seltene Erden, Blei, Zink
- Russland: Eisen, Zinn, Gold
- Alaska: Seltene Erden, Gold
- Kanada: Blei, Zink, Eisen
- Skandinavien: Kupfer, Eisen
(49.3a) Das UN-Seerechtsabkommen zu analysieren und sein Konfliktpotenzial darzustellen, verlangt die Grafik M4 gezielt zu untersuchen und auszuwerten und die inhaltlichen Zusammenhänge im Hinblick auf das Konfliktpotenzial zu verdeutlichen (AFB II).
Das UN-Seerechtsübereinkommen legt die Nutzungsrechte an den Meeren fest und soll die Interessen von Anrainerstaaten friedlich ausgleichen. Dabei gelten folgende Zonen:
- Küstenmeer: Die 12-Seemeilen-Zone, auch Hoheitsgewässer genannt, ist das Territorium eines Küstenstaates. Es erstreckt sich bis zu zwölf Seemeilen von der Basislinie (d. h. der Küste mit 0 m ü. M.) in Meer. In dieser Zone übt der Küstenstaat volle Souveränität aus und kann nationales Recht anwenden (z. B. in der Fischerei oder in der Ausbeutung von maritimen Rohstoffen).
- Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ): Die 200-Seemeilen-Zone ist ein Meeresgebiet, das sich bis ungefähr 370 Kilometer vom Küstenrand eines Landes über dessen Festlandsockel erstreckt. Innerhalb dieser Zone hat der Küstenstaat das Recht, die lebenden und nicht lebenden Ressourcen des Meeresbodens und des Wassers zu erforschen, auszubeuten, zu erhalten bzw. zu bewirtschaften. Neben der Fischerei betrifft dies den Bergbau am Meeresboden und die Offshore-Energieerzeugung durch Windparks bzw. Meeresströmungskraftwerke.
- Die AWZ-Erweiterung: Diese AWZ kann bis auf 350-Seemeilen erweitert werden, falls sie wissenschaftlich belegt mit dem eigenen Festlandsockel verbunden ist.
- Die Hohe See: Ab der 200- bzw. 350-Seemeilen-Zone gehört das Meer über dem Kontinentalabhang bzw. der Tiefsee-Ebene allen Staaten. Das gilt für die Schifffahrt, die Fischerei und die wissenschaftliche Forschung. Es gilt internationales Seerecht.
- Das Gebiet „The Area“: In dieser Zone wurden die nicht lebenden Ressourcen des Meeresbodens zum gemeinsamen Erbe der Menschheit erklärt.
Konfliktpotenzial bergen insbesondere die auf 350 Seemeilen erweiterte AWZ, weil die geologische Zuordnung oftmals schwierig und wenig eindeutig sein kann. Zudem birgt das Gebiet „The Area“ Konfliktpotenzial, wenn autoritäre Machtansprüche z. B. auf Bodenschätze sich über gemeinsame Vereinbarungen hinwegsetzen.
(49.3b) Zu überprüfen, inwiefern die Arktis zum Konfliktraum des 21. Jahrhunderts werden kann, erfordert die Materialien M2 – M4 auf konkrete Hinweise zu untersuchen, welche den Sachverhalt bestätigen bzw. verneinen. Das Ergebnis wird in einem abschließenden Fazit zusammengefasst (AFB III).
Die Arktis könnte im 21. Jahrhundert aus folgenden Gründen zum Konfliktraum werden:
- Die Erweiterungen der nationalen Gewässer auf Basis des sog. Festlandsockels bis zu 350 Seemeilen sind seit 1994 durch das Internationale Seerechtsübereinkommen (SRÜ) geregelt, jedoch von den USA bis heute nicht unterzeichnet.
- Aufgrund des Klimawandels ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Nordpolarmeer zunehmend eisfrei wird und die Durchfahrtsrechte durch die arktischen Seewege wie die Nordostpassage nördlich von Russland und die Nordwestpassage vor der kanadischen Küste geregelt werden müssen.
- Es gibt Regelungslücken in der Fischerei, obwohl 2020 ein Fangstopp-Abkommen ausgehandelt wurde. Dieses untersagt die kommerzielle Fischerei in arktischen Gewässern, bis wissenschaftliche Erkenntnisse über die ökologischen Folgen vorliegen. Zudem ist der Abbau von Tiefseemineralien rund um die Insel Spitzbergen umstritten.
- Nicht nur die nicht umstrittenen Schelfgebiete der Anrainerstaaten zählen zur Schatzkammer Arktis, sondern auch der aktuell noch unter dem Eis des zentralen Nordpolarmeeres liegende 1800 km lange, 60 bis 200 km breite Lomonossow-Rücken. Es handelt sich dabei um einen von einer kontinentalen Platte abgetrennten Festlandsockel, auf den Russland, Kanada, Norwegen (über Spitzbergen) und Dänemark Ansprüche erheben.
Fazit: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Arktis im 21. Jahrhundert zum Konfliktraum werden kann. Der Raum liegt im geopolitischen Spannungsfeld zwischen mindestens vier Anrainerstaaten (wenn man Norwegen außer Acht lässt). Insbesondere die konkurrierenden Weltmächte USA und Russland könnten aufgrund ihrer politisch-militärischen Macht einen Konflikt über die Nutzung neuer Verkehrswege, lebender Meeresressourcen und begehrter Rohstoffe beginnen.