Afrika - Kolonialismus

Afrika - Staaten und Bevölkerung
978-3-14-100371-0 | Seite 123 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 72000000

Überblick

Die Kolonialisierung Afrikas beschränkte sich noch bis weit ins 19.  Jahrhundert im Wesentlichen darauf, europäische Handelsniederlassungen an den Küsten zu gründen. Das Hinterland des Kontinents befand sich hingegen ganz überwiegend unter einheimischer Herrschaft. Eine Ausnahme war das heutige Südafrika. Schon 1652 errichtete die Niederländische Ostindien-Kompanie, eines der größten Handelsunternehmen dieser Zeit, am Kap der Guten Hoffnung eine Versorgungsstation. In der Folgezeit wanderten holländische Siedler in das Gebiet ein. Im restlichen Afrika trieben europäische Handelsgesellschaften an verschiedenen Küstenstützpunkten einen schwunghaften Handel mit afrikanischen Naturprodukten und Sklaven. Dieser Handel war bis 1820 legal, wurde aber nach dem Verbot illegal weiterbetrieben. Das Landesinnere des Kontinents blieb, abgesehen von vereinzelten Forschungsreisen und Missionsvorstößen, weitgehend unberührt.

Wettlauf um Afrika

Einen neuen Höhepunkt erreichte der europäische Kolonialismus in Afrika während der 1880er-Jahre mit einem „Wettlauf“ um afrikanische Kolonien. In einem überstürzten Konkurrenzkampf eigneten sich europäische Mächte innerhalb von nur rund 15 Jahren gewaltsam fast den gesamten Kontinent an. Unabhängig blieben einzig Äthiopien an der Ostküste und das am Atlantik gelegene Liberia. Liberia war 1847 durch den Zusammenschluss mehrerer Ansiedlungen für befreite schwarze Sklaven aus den USA entstanden und wurde 1848/49 von den europäischen Mächten anerkannt. Auf der Kongokonferenz in Berlin ging es 1884/1885 um die Zukunft Afrikas. Hier versammelten sich, auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Bismarck, die Staatsmänner Europas, nachdem die Verteilungskonflikte in Afrika zu eskalieren drohten. Die Konferenz führte zur fast restlosen Aufteilung des Kontinents in Interessensgebiete und zur nachfolgenden Vereinnahmung dieser Gebiete durch die jeweilige Kolonialmacht. Die Grenzziehung erfolgte zumeist willkürlich und berücksichtigte weder ethnische noch kulturelle Traditionen der dort lebenden afrikanischen Völker. Den mit Abstand größten Kolonialbesitz in Afrika hatten Großbritannien und Frankreich. Deutlich weniger Land besaßen das Deutsche Reich, Belgien, Portugal, Italien und Spanien. Der deutsche Reichskanzler Bismarck konnte sich nur schwer dazu entschließen, den Wettkampf um ferne Kolonien aufzunehmen. Das Deutsche Reich erhob schließlich Ansprüche auf Togo, Kamerun, Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika und Sansibar. Doch diese Gebiete waren kolonialwirtschaftlich vergleichsweise uninteressant. Nur Frankreich, Großbritannien und teilweise Portugal besaßen Kolonien, deren Rohstoffe und Produkte als Importwaren für die eigene Wirtschaft einen nicht unerheblichen Gewinn einbrachten.

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