Afrika - Politische Übersicht

Afrika - Staaten und Bevölkerung
978-3-14-100371-0 | Seite 122 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 36000000

Überblick

Vor dem Ersten Weltkrieg wurde fast jedes heutige Land in Afrika von einer europäischen Kolonialmacht verwaltet (vgl. Karte 123.4 „Afrika – Kolonialismus“). Die europäischen Mächte hatten diese Gebiete erobert, gekauft oder gepachtet. Dies geschah hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen und im Rahmen eines rassistischen Verständnisses afrikanischer Völker und Kulturen seitens der Europäer. Die Kolonialverwaltungen festigten sich rasch, wobei die Briten dem System der indirekten Herrschaft Vorrang gaben und einheimischen Fürsten eine begrenzte Macht ließen. Die Kolonialverwaltungen der europäisch-imperialen Mächte gründeten Schulen und erschlossen die angeeigneten Territorien wirtschaftlich, meist unter hohen Opfern der afrikanischen Bevölkerung. Dennoch entwickelte sich allmählich eine neue Bildungselite, die nach der Schwächung der Kolonialmächte durch zwei Weltkriege Mitte des 20.  Jahrhunderts Ansprüche auf die politische Macht anmeldeten.

Entlassung in die Unabhängigkeit

Die rasche Entkolonialisierung Afrikas seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs überließ die koloniale Verwaltung der neuen Elite des jeweiligen Landes. Sie stellte fast überall die Führer der nationalen Befreiungsbewegungen. Diese Führer verhandelten erfolgreich über den Abzug der jeweiligen Kolonialmacht. Nur in Algerien mussten die Franzosen 1954–1962 durch einen blutigen Partisanenkrieg zum Nachgeben gezwungen werden. Andere Aufstände scheiterten, so in Kenia (Mau-Mau 1952–1954) und Kamerun. Die beiden großen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien verfolgten bei der Entkolonialisierung unterschiedliche Konzepte und Ziele. Großbritanniens Strategie sah eine schrittweise Annäherung an die staatliche Autonomie durch Verfassungsreformen und die Gründung von Parteien und Parlamenten vor. Frankreich dagegen verfolgte die Idee einer „Union Française“ freier und gleichberechtigter Bürger, die dieselbe Sprache (Französisch) sprechen und dieselben Rechte genießen sollten. Beide Kolonialreiche lösten sich im Laufe der 1960er-Jahre auf.

Konflikte in den jungen Staaten

Belgien entließ seine Kongokolonie 1960 überstürzt in die Freiheit. Die Folge waren chaotische Wirren und Spaltungstendenzen, die erst nach 1965 abflauten, sich aber bis heute in der wechselvollen Geschichte der Demokratischen Republik Kongo widerspiegeln.

Portugal hingegen versuchte, seine Kolonien als Überseeprovinzen noch enger an das Mutterland zu binden. Erst nach der Revolution im Mutterland von 1974 verzichtete es ebenfalls überstürzt auf seine kolonialen Ansprüche. In Angola entwickelte sich in der Folge ein Bürgerkrieg.

Südafrika geriet aufgrund seiner Apartheidpolitik, mit der die weiße Minderheit die schwarze Majorität jahrzehntelang unterdrückte, unter Druck der Weltöffentlichkeit. Dem Entzug der Mandatsverwaltung über Südwestafrika (Namibia) durch die Vereinten Nationen kam Südafrika lange Zeit nicht nach. Nach blutigen Unruhen in den 1980er-Jahren wurde 1990 die Aufhebung der Apartheid verkündet und Namibia in die Unabhängigkeit entlassen. 1994 wurde Nelson Mandela nach den ersten freien Wahlen zum ersten schwarzen Staatspräsidenten.

Äthiopien musste 1993 die Abspaltung Eritreas akzeptieren, was in der Folge zu auf- und abflauenden kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endeten auch die blutigen Stellvertreterkonflikte, die zwischen 1960 und 1989 seitens der USA und UdSSR in Afrika geführt worden waren. Dadurch konnte es in den 1990er-Jahren zu Demokratisierungstendenzen in einigen afrikanischen Ländern kommen.

Der jüngste Staat ist die Republik Südsudan, die 2011 nach einem jahrzehntelangen Sezessionskrieg die Unabhängigkeit vom Sudan erlangte. Ungeklärt ist derzeit der politische Status des Territoriums Westsahara. Die Vereinten Nationen drängen auf ein Referendum, bei dem über Unabhängigkeit oder Zugehörigkeit zu Marokko entschieden werden soll. Relikte der Kolonialzeit sind die spanischen Städte Ceuta und Melilla in Nordafrika, die von den einzigen hochgesicherten Landgrenzen der Europäischen Union mit afrikanischen Staaten umgeben sind. In Afrika gibt es heute über 3000 indigene Völker. Dies sind Bevölkerungsgruppen, die meist am Rande der Gesellschaft leben und sich selbst als eigenständige Völker verstehen. Unter oftmals schwierigen politischen Bedingungen versuchen sie ihre eigenen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebensweisen und Traditionen zu erhalten.

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