Alpentransit - Straßengütertransport
Überblick
Im alpenquerenden Transitverkehr hat das Transportvolumen in den letzten Jahrzehnten – vor allem infolge der voranschreitenden Integration des EU-Binnenmarktes – stark zugenommen. In der Schweiz beispielsweise hat das Frachtaufkommen im Straßengüterverkehr seit dem Jahr 2000 um mehr als die Hälfte zugenommen, im Schienenverkehr sind die Zuwächse geringer, erreichen aber auch rund 15 Prozent. Das höchste Verkehrsaufkommen in und um die Alpen erreichen die Verbindungen zwischen den großen wirtschaftlichen Zentren, etwa von Mailand über Verona bis nach Venedig und Triest, von Mailand über Bologna und Florenz Richtung Süden (Rom) oder von Stuttgart (außerhalb der Karte) über München, Salzburg und Wien nach Bratislava sowie von Norden aus dem Oberrheintal kommend Richtung Basel und Zürich. Weitere wichtige Trassen sind im Westen die Route von Florenz über Genua nach Nizza und Marseille und im Osten die Alpenrandstrecke von Wien über Graz und Villach nach Venedig und Triest. Die wichtigsten alpenquerenden Routen, welche diese Strecken miteinander verbinden, sind der Gotthard von Basel nach Mailand und der Brenner von München über Innsbruck nach Verona. Wie das Diagramm in der Karte zeigt, muss Österreich den mit Abstand größten Teil des alpenquerenden Transitverkehrs bewältigen, gefolgt von Frankreich und der Schweiz, die jedoch nur ein knappes Drittel des Transportvolumens von Österreich bewältigen. Weil der Ausbau der Verkehrswege über die Alpen nur mit großem finanziellem und technischem Aufwand und bei hohen Kosten für Umwelt und ortsansässige Bevölkerung zu erreichen ist, haben Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung, zur Verlagerung des Transports auf die Schiene und zum Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs einen hohen Stellenwert. In der Schweiz ist der Anteil der umweltfreundlichen Bahn am gesamten Güterverkehr bereits überwiegend, in Frankreich dagegen noch geringfügig. Die wichtigsten alpenquerenden Güterverkehrsachsen auf Straßen sind Brenner, Tauern und die östlich davon gelegene Phyrn-Autobahn in Österreich sowie Fréjus in Frankreich. Auf Schienen sind es Gotthard und Lötschberg/Simplon in der Schweiz sowie Brenner und Tauern in Österreich. Der 2016 eröffnete und 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel in der Schweiz ist der längste Eisenbahntunnel der Welt. Hier verkehren täglich rund 250 Güterzüge unter bis zu 2500 Meter mächtigen Gesteinsschichten und erzielen eine Gütertransportleistung von über 15 Mio. Tonnen pro Jahr. Überdies benötigen die Züge für die Strecke Zürich – Mailand derzeit nur noch 3,5 Stunden, in Zukunft werden es sogar nur noch 2,5 Stunden sein. Ähnliche Großprojekte sind der im Bau befindliche, 55 Kilometer lange Brenner-Basistunnel, dessen Inbetriebnahme voraussichtlich 2032 erfolgen wird, sowie der ebenfalls im Bau befindliche Mont-Cenis-Basistunnel, der über eine Länge von sogar 57,5 Kilometer ab 2033 den Fréjus entlasten und die Reisezeit zwischen Lyon und Turin von dreieinhalb auf eineinhalb Stunden verringern soll. Weitere wichtige Schienenverkehrsprojekte in Österreich sind der ebenfalls im Bau befindliche, 27 Kilometer lange Semmering-Basistunnel südlich von Wien, der die Fahrzeit von Wien nach Graz ab 2030 drastisch verkürzen und zugleich die Kapazität deutlich erweitern wird. Ein weiteres Großprojekt ist die Ende 2025 in Betrieb genommene Koralmbahn, die Kärnten durch den 33 Kilometer langen Koralmtunnel an die Fernstrecke Wien – Graz – Maribor anbindet. Durch sie verringert sich die Fahrzeit zwischen Graz und Klagenfurt von 3 Stunden auf nur 40 Minuten.