Baden-Württemberg - Energie- und Wasserversorgung

Baden-Württemberg - Wirtschaft und Versorgung
978-3-14-100394-9 | Seite 23 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 1000000

Überblick

Die Karte zeigt die Energie und Wasserversorgung in BadenWürttemberg. Dargestellt sind Anlagen zur Stromerzeugung, wichtige Energietransportleitungen sowie Einrichtungen der Trinkwasserversorgung. Die Stromerzeugung ist nach nicht erneuerbaren und erneuerbaren Energieträgern gegliedert. Außerdem verdeutlicht die Karte regionale Schwerpunkte und Unterschiede innerhalb des Landes.

Stromerzeugung aus nicht erneuerbaren Energieträgern

Ein Teil der Stromerzeugung in Baden‑Württemberg erfolgt in Wärmekraftwerken, die fossile Brennstoffe wie Steinkohle, Erdöl, Erdgas oder Müll nutzen. Besonders leistungsstarke Anlagen konzentrieren sich in wirtschaftlich dicht besiedelten Räumen mit hohem Energiebedarf. Ein klarer Schwerpunkt liegt im Großraum Stuttgart, wo sich entlang des Neckars bis in den Raum Heilbronn mehrere bedeutende Kraftwerksstandorte befinden. Ein weiterer wichtiger Standortbereich ist der Rhein‑Neckar‑Raum, der durch Industrie, Verkehrsanbindung und Bevölkerungsdichte geprägt ist.

Die Kernenergie hatte über Jahrzehnte eine zentrale Bedeutung für die Stromversorgung des Landes. Die letzten Kernkraftwerke in Baden‑Württemberg – Neckarwestheim 2 (am Neckar nördlich von Stuttgart) und Philippsburg 2 (im Rhein‑Neckar‑Raum) – wurden im April 2023 endgültig abgeschaltet. Damit findet im Landesgebiet keine Stromerzeugung aus Kernenergie mehr statt.

In der unmittelbaren ausländischen Nachbarschaft, insbesondere in Frankreich, befinden sich jedoch weiterhin aktive Kernkraftwerke. Diese versorgen auch angrenzende Regionen mit Strom und machen deutlich, dass Baden‑Württemberg weiterhin in grenzüberschreitende energie­wirtschaftliche Verflechtungen eingebunden ist.

Erneuerbare Energien – Gesamtanteil und Entwicklung

Baden‑Württemberg zählt mit rund 11 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern zu den bevölkerungsreichsten Bundesländern Deutschlands und hat entsprechend einen hohen Strombedarf. Im Jahr 2024 wurden im Land nach vorläufigen Berechnungen rund 34 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt. Davon stammten 58,9 % aus erneuerbaren Energien, sodass diese inzwischen den größten Anteil an der Stromerzeugung ausmachen.

Gleichzeitig ging die gesamte Bruttostromerzeugung gegenüber dem Vorjahr um etwa 8 % zurück. Wesentliche Gründe dafür sind der Wegfall der Kernenergie nach der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke im Jahr 2023, der geringere Einsatz von Steinkohle sowie eine rückläufige Stromerzeugung aus Erdgas. Dieser Trend macht deutlich, dass sich die Stromversorgung Baden‑Württembergs trotz hoher Bevölkerungszahl zunehmend auf erneuerbare Energieträger stützt, während nicht erneuerbare Energien an Bedeutung verlieren.

Wasserkraft

Die Wasserkraft ist ein bedeutender Bestandteil der erneuerbaren Stromerzeugung in Baden‑Württemberg und trägt mit rund 15 % wesentlich zu diesem Bereich bei. Dargestellt sind dabei ausschließlich die größten Laufwasserkraftwerke am Rhein, die sich vor allem am Oberrhein konzentrieren. Die dortige, gleichmäßige Wasserführung sowie die nur geringen Höhenunterschiede schaffen günstige Voraussetzungen für eine kontinuierliche Stromerzeugung. Laufwasserkraftwerke erzeugen zwar keine sehr hohen Strommengen auf kurzen Zeitraum, leisten jedoch einen zuverlässigen Beitrag zur Grundlastversorgung.

Ergänzt wird die Wasserkraft durch Pumpspeicherkraftwerke, die als besondere Form der Wasserkraft ausgewiesen sind. Diese Anlagen eignen sich vor allem für reliefreiche Räume, da sie große Höhenunterschiede zwischen Ober‑ und Unterbecken benötigen. Ein typischer Standort ist der Hotzenwald im südlichen Schwarzwald, wo die topographischen Bedingungen die Nutzung der vorhandenen Reliefenergie ermöglichen.

Pumpspeicherkraftwerke dienen in erster Linie der Stromspeicherung: Überschüssiger Strom wird genutzt, um Wasser in ein höher gelegenes Becken zu pumpen und bei hoher Nachfrage wieder abzugeben. Dadurch spielen sie weniger für die dauerhafte Stromerzeugung eine Rolle, sondern sind besonders wichtig für die Stabilisierung des Stromnetzes und den Ausgleich von Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Solarenergie und Biomasse

Den größten Anteil unter den erneuerbaren Energieträgern nimmt die Solarenergie (Photovoltaik) ein. Sie trägt mit über 20 % wesentlich zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bei. Der überwiegende Teil der Solarparks befindet sich in Regionen mit besonders hohen jährlichen Globalstrahlungswerten. Dazu zählen der Oberrheingraben, die Bodenseeregion, Oberschwaben sowie das Allgäu. Vereinzelt bestehen auch am Oberlauf des Neckars größere Solarparks, beispielsweise in der Umgebung von Rottweil und Horb.

Ein ähnliches räumliches Muster zeigt sich bei der Betrachtung der Kommunen mit besonders hoher Solardachleistung pro Einwohner. Der größte Teil dieser Gemeinden erreicht eine durchschnittliche installierte Photovoltaik‑Leistung von mindestens 4000 Watt pro Einwohner und liegt vor allem im Übergangsbereich zwischen der Schwäbischen Alb und dem nördlichen Oberschwaben sowie im Nordosten Baden‑Württembergs (insbesondere in der Hohenloher Ebene und der Frankenhöhe). Insgesamt leisten die dort installierten Solaranlagen einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung und erzeugen rechnerisch deutlich mehr Strom, als die ortsansässige Bevölkerung im Durchschnitt pro Kopf verbraucht.

Einen weiteren wichtigen Beitrag zur erneuerbaren Stromerzeugung leistet die Biomasse, insbesondere in ländlich geprägten Räumen. Biomassekraftwerke nutzen organische Materialien zur Strom‑ und Wärmeerzeugung und sind häufig eng mit landwirtschaftlichen Betrieben verknüpft. Größere Biogasanlagen befinden sich unter anderem südlich von Heidenheim auf der Ostalb sowie weiter südlich im Raum Ulm.

Windenergie

Die Windenergie nimmt in Baden‑Württemberg im Jahr 2024 mit einem Anteil von 9,7 % an den erneuerbaren Energien eine vergleichsweise untergeordnete Rolle ein. Gegenüber benachbarten Bundesländern wie Rheinland‑Pfalz sowie den nördlichen Bundesländern fällt die Stromerzeugung aus Wind deutlich geringer aus. Entsprechend beschränkt sich der Ausbau auf wenige besonders geeignete Standorte innerhalb des Landes.

Räumliche Schwerpunkte der Windenergienutzung finden sich vor allem auf der Hohenloher Ebene sowie auf der Ostalb. Lediglich im nördlichen und mittleren Schwarzwald existieren weitere Windparks, deren Leistung die 20 Megawatt-Marke überschreitet. Insgesamt macht die räumliche Verteilung deutlich, dass Windenergie in Baden‑Württemberg zwar genutzt wird, jedoch stark konzentriert und regional begrenzt bleibt und bislang nur einen relativ geringen Beitrag zur Stromerzeugung leistet.

Wasserversorgung

Die Trinkwasserversorgung in Baden‑Württemberg ist großräumig organisiert und basiert auf vier klar voneinander abgegrenzten Hauptwasserversorgungen. Diese Systeme beliefern unterschiedliche Landesteile mit Trinkwasser, da geeignete Wasserressourcen nicht überall in ausreichender Menge oder Qualität vorhanden sind und deshalb häufig über weite Entfernungen transportiert werden müssen.

Die wichtigste Versorgung stellt die Bodensee‑Wasserversorgung dar. Sie nutzt Wasser aus dem Bodensee und versorgt große Teile Süd‑, Mittel‑ und Nordwürttembergs. Das Versorgungsgebiet erstreckt sich vom Bodenseeraum über die Landesmitte mit dem Raum Stuttgart bis nach Norden in den Odenwald. Damit handelt es sich um das am weitesten reichende Fernwassersystem Baden‑Württembergs. Eine zweite zentrale Säule bildet die Landeswasserversorgung (LW). Sie gewinnt ihr Wasser aus dem Donausystem und versorgt vor allem den östlichen Teil Baden‑Württembergs sowie Gebiete bis in den Raum östlich von Stuttgart. Ein Schwerpunkt der Versorgung liegt im Ostteil der Schwäbischen Alb. Der Nordosten Baden‑Württembergs wird durch ein eigenes Versorgungssystem abgedeckt, den Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg. Dieses System versorgt insbesondere die Hohenloher Ebene sowie angrenzende Räume. Im nördlichen und mittleren Schwarzwald übernimmt die Wasserversorgung Kleine Kinzig eine wichtige regionale Aufgabe. Sie nutzt ein Trinkwasserreservoir im mittleren Schwarzwald und versorgt vor allem die dortigen Regionen.

Zusammen bilden diese vier Versorgungssysteme ein vernetztes landesweites Wasserversorgungssystem, das eine zuverlässige Trinkwasserversorgung auch für bevölkerungsreiche und wasserarme Gebiete Baden‑Württembergs sicherstellt.

Energietransport: Strom‑, Gas‑ und Erdölleitungen

Da Strom häufig nicht dort erzeugt wird, wo er verbraucht wird, sind leistungsfähige Fernstrom­transport­leitungen notwendig. Die Karte zeigt mehrere Hochspannungs‑Trassen, die Baden‑Württemberg mit anderen Regionen Deutschlands und Europas verbinden.

Ergänzt wird die Energieversorgung durch Gas‑ und Erdölleitungen, die vor allem für Industrie, Kraftwerke und Haushalte von Bedeutung sind. Sie binden das Land an überregionale Versorgungsnetze an und unterstreichen die Rolle Baden‑Württembergs als Teil eines europaweiten Energieverbunds.

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