Baden-Württemberg - Klimadiagramme

Baden-Württemberg - Klima und Landwirtschaft
978-3-14-100394-9 | Seite 21 | Abb. 4

Überblick

Die Klimadiagramme von Heidelberg, Stuttgart, Stötten, Freiburg, Feldberg und Weingarten zeigen den Jahresgang von Temperatur und Niederschlag für die aktuelle 30-jährige Klimamessperiode von 1991 bis 2020. Zum Vergleich und zur räumlichen Einordnung sind die sechs Stationen auf den nebenstehenden Karten zu den Januar- und Juli-Durchschnittstemperaturen (s. 21.2 und 21.3) sowie den jahresniederschlagssummen (s. 21.5) markiert. Zum Aufbau und Lesen von Klimadiagrammen vergleiche auch Abbildung 38.1.

Die Klimastationen im Vergleich

An fünf Stationen werden im Jahresverlauf die niedrigsten Temperaturen im Januar und die höchsten Temperaturen im Juli/August erzielt, nur auf dem Feldberg fällt die niedrigste Temperatur in den Februar. Die höchsten Januar- und Juliwerte zeigen Heidelberg und Freiburg (Januar: jeweils rund 3 °C; Juli: rund 21 °C), die niedrigsten Werte werden auf dem Feldberg gemessen (Februar: -2,8 °C; August: 12,3 °C – für die Klimamessperiode 1961-1990 lagen diese Werte noch bei -3,4 bzw. 10,8 °C). Auch auf das Jahr bezogen sind beiden erstgenannten Orte die wärmsten: 11,5 °C Jahresdurchschnittstemperatur 1991-2020 in Freiburg, dahinter Heidelberg gefolgt von Stuttgart mit 11,0 °C bzw. 10,8 °C. Der Feldberg ist hingegen mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 4,3 °C mit Abstand der der kälteste Ort in Baden-Württemberg.

Hinsichtlich der Niederschlagswerte verhält es sich umgekehrt: Hier werden die höchsten Jahressummen in den kalten Hochlagen erzielt – 1602 mm auf dem Feldberg und 1048 mm in Stötten – die geringsten hingegen in den deutlich wärmeren Becken- und Tieflandstationen Stuttgart (652 mm) und Heidelberg (697 mm). Die zeitliche Verteilung der Niederschläge zeigt an allen sechs Stationen ein sommerliches Maximum aufgrund der häufigen Hitzegewitter (Konvektivniederschläge) und auf dem Feldberg eine relative Gleichverteilung im Jahr mit Ausnahme der Wintermonate Januar bis März. Die vergleichsweise hohen Niederschläge in den Hochlagen des Schwarzwaldes, teilweise sogar höher als im Sommer, lassen sich durch die Stauwirkung des Mittelgebirges erklären. In den Wintermonaten werden mit den Westwinden vermehrt niederschlagsreiche Tiefdruckgebiete vom Atlantik herangeführt, die sich besonders im Stau des Schwarzwaldes abregnen oder als Schnee niedergehen.

Heidelberg

Heidelberg befindet sich in einer der wärmsten Regionen Deutschlands, der Oberrheinischen Tiefebene. Die Stadt liegt darin geschützt am Austritt des Neckar aus seinem Odenwald-Durchbruchstal. Begünstigt wird das milde Klima durch das sanfte Abfallen der Tiefebene nach Norden und eine dadurch geringere Höhenlage als etwa das sonnenreiche Oberrheintal im Südwesten Baden-Württembergs (siehe Freiburg). Im Sommer sind Temperaturen von zum Teil weit über 30 °C keine Seltenheit (s. Hitzetage in Karte 21.3) und im Winter bleiben oft selbst die tiefsten Temperaturen im einstelligen Minusbereich. Im Jahr 2011 galt Heidelberg mit einer Durchschnittstemperatur von 12,2 °C sogar als wärmster Ort Deutschlands.

Stuttgart

Stuttgart liegt in einem breiten Talkessel („Stuttgarter Kessel“), der vom Neckar sowie dem ihm nordostwärts zufließenden Nesenbach und seinen Nebenbächen gebildet wurde. Der Schwarzwald im Westen, die Schwäbische Alb im Süden und Schurwald und die Schwäbisch-Fränkischen Waldberge im Osten schatten die Region von starken Winden ebenso ab wie von hohen Niederschlägen. Aufgrund der geschützten Lage und der dichten Bebauung herrscht ein vergleichsweise warmes und teilweise schwüles Klima. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt in Stuttgart 10,8 °C – während der alten Klimamessperiode 1961-1990 waren es noch 9,5 °C. Durch die Lage im Talkessel (ca. 240 Meter) bleibt die Innenstadt im Winter häufig schnee- und eisfrei, während die höheren Stadtteile im Süden und Südwesten (zwischen 400 und 500 Meter) zeitgleich eine Schneedecke aufweisen können. Immer wieder treten Inversionswetterlagen auf. Die Leelage zum Nordschwarzwald bewirkt zudem, dass Stuttgart mit einem Jahresniederschlag von 652 mm zu den niederschlagsarmen Regionen Deutschlands zählt. Allerdings weisen die Monate Mai bis August ein konstantes und deutliches Niederschlagsmaximum auf, ähnlich wie in Weingarten (Oberschwaben).

Stötten

Stötten ist ein Stadtteil von Geislingen an der Steige, gelegen auf einer Randhöhe der Schwäbischen Alb (s. 12.1, Gradnetzfeld F 3). Die Klimastation befindet sich auf einer flachen Kuppe in 739 Metern Höhe und liefert wichtige Messdaten für die östliche Schwäbische Alb. Bedingt durch die Höhenlage fallen die Temperaturen vergleichsweise niedriger und die Niederschläge durchschnittlich höher aus als in den tieferen LagenTrotz seiner geringeren Höhenlage im Vergleich zu weiten Teilen des Schwarzwaldes ist Stötten aufgrund seiner östlicheren und damit kontinentaleren Lage kälter als der gleich hoch gelegene Ort Freudenstadt im Nordschwarzwald. Letzterer weist aufgrund seiner Lage hingegen deutlich höhere Niederschlagsmengen auf.

Freiburg

Die am südöstlichen Rand des Oberrheingrabens gelegene Stadt Freiburg ist – ebenso wie Heidelberg – eine der wärmsten deutschen Großstädte. Freiburg zählt offiziell zu den Orten mit der bis zum Jahr 2015 höchsten jemals in Deutschland gemessenen Temperatur. Mit 40,2 °C im August 2003 – ein Wert, der auch in Karlsruhe erreicht wurde – hält Freiburg bis heute den Temperaturrekord für Baden‑Württemberg. – gemeinsam mit Karlsruhe, wie aus der kleinen Baden-Württemberg-Karte zu den Klimarekorden hervorgeht.

Feldberg (Schwarzwald)

Aufgrund der Höhenlage werden auf dem Feldberg die mit Abstand tiefsten Temperaturen und höchsten Niederschlagssummen aller sechs Wetterstationen erreicht. Die hohen Niederschläge sind insbesondere auf die höheren Windgeschwindigkeiten und eine dadurch größere Feuchtezufuhr sowie auf Luv-Effekte an der Westflanke des Schwarzwaldes zurückzuführen. Ein großer Teil des Jahresniederschlags fällt als Schnee, selbst wenn sich die Zahl der Schneetage (s. 21.5) von 174, und damit annähernd der Hälfte des Jahres, während der Klimamessperiode 1961-1990 auf 145 Schneetage während der Klimamessperiode 1991-2020 reduzierte.

Weingarten

Weingarten liegt im Süden Oberschwabens und erstreckt sich im Talbecken der Schussen, das sich zum Bodensee hin weitet. Durch diese Lage hat der Bodensee eine ausgleichende Wirkung auf das Ortsklima. So sind die Temperaturen im Januar durchschnittlich höher als in weiten Teilen Oberschwabens. Mit der Annäherung an das Allgäu und die Allgäuer Alpen steigen die Niederschläge infolge orographischer Effekte (feuchte Luft wird an den Bergen zum Aufsteigen gezwungen) deutlich an und erreichen von Mai bis August ein klares sommerliches Maximum, ähnlich wie in Stuttgart.

Temperatur- und Niederschlagsrekorde in Baden-Württemberg

Die kleine Baden‑Württemberg‑Karte zeigt ausgewählte Extremwerte aus den offiziellen Messreihen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und macht die großen klimatischen Gegensätze innerhalb des Landes deutlich.

Bei den Temperaturrekorden reicht die Spannweite von der höchsten jemals gemessenen Temperatur von 40,2 °C (im August 2003 in Freiburg und Karlsruhe registriert) bis zur niedrigsten offiziellen Temperatur von –31,6 °C (gemessen 1985 in St. Blasien). In besonders geschützten Mulden‑ und Tallagen der Schwäbischen Alb wurden lokal jedoch noch tiefere Temperaturen beobachtet, etwa –36 °C im Jahr 2005 in Albstadt‑Degerfeld. Diese Messwerte stammen von privaten oder anderen nicht‑offiziellen Stationen und erfüllen häufig nicht die Messkriterien des DWD, weshalb sie nicht als offizielle Rekorde gelten.

Auch die Niederschlagsrekorde zeigen extreme Unterschiede: Mit 2572 mm Jahresniederschlag im Jahr 2001 hält Forbach im Nordschwarzwald den Landesrekord. Der Nordschwarzwald gehört damit zu den niederschlagsreichsten Regionen Deutschlands außerhalb der Alpen. Den Gegenpol bildet Ernsthof, wo im Jahr 1991 mit nur 403 mm die geringste Jahresniederschlagssumme gemessen wurde.

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