Bayern - Energie

Bayern - Energie
978-3-14-100942-2 | Seite 19 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 1600000

Strommix

Die Stromerzeugung betrug im Jahr 2022 in Bayern brutto 68 524 Gigawattstunden (GWh), das sind knapp 12 Prozent der in Deutschland produzierten 577 900 GWh. 1995 lag der Anteil noch bei knapp 14 % bei einer Bruttostromproduktion in Bayern von 75 907 GWh in Bayern gegenüber 550 200 GWh im gerade wiedervereinigten Deutschland. Auch der Strommix hat sich komplett verändert. Mit 59 % lag der Gesamtanteil der Erneuerbaren Energien in Bayern im Spitzenfeld aller Bundesländer: Nur Schleswig-Holstein (87 %), Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen (je 82 %), sowie Niedersachen (knapp 62%) weisen höhere Anteile auf (s. 33.2). Während der Anteil der Wasserkraft dabei ungefähr konstant geblieben ist (1995 16 %, 2022 15 %), sind die Anteile von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse förmlich explodiert: Von zusammen weniger als 2 % 1995 auf 44% 2022 (davon 23 % Photovoltaik, 14 % Windkraft und 7 % Biomasse). Demgegenüber hat sich die Kernkraft gedrittelt (von 61 % 1995 auf 18 % 2022) und Steinkohle, Braunkohle sowie Heizöl ebenso (von knapp 14% 1995 auf 4,5% 2022). Erdgas hingegen hat einen deutlichen Zuwachs von 5% (1995) auf 17% (2022) erlebt, der sich auch 2023 nicht verringerte, so dass von einer Substitution russischer Erdgasimport infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ausgegangen werden kann.

Stromverbrauch

Während Bayern 1995 deutlich mehr Strom erzeugte, als es verbrauchte (+8645 GWh oder etwas mehr als 11 % der Bruttostromproduktion), wurde 2022 sehr viel weniger Strom erzeugt als benötigt (-9691 GWh oder gut 14 % der Stromproduktion). Diese Stromlücke wird durch Stromimporte geschlossen, besonders aus den windreichen Bundesländern im Norden Deutschlands.

Die Stromerzeugung in Bayern ist zwischen 1995 und 2013 insgesamt um gut ein Fünftel angestiegen, um danach bis 2022 um ein Drittel zu sinken, was einerseits im Zusammenhang steht mit dem 2011 beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft infolge der Kraftwerkskatastrophe von Fukushima, Japan, und andererseits mit dem seit ca. 2012 stagnierenden, sogar leicht zurückgehenden Stromverbrauch. Dieser stieg zwar von 1995 bis 2011 um gut ein Viertel in Bayern an, fiel aber zwischen 2011 und 2022 um gut 9%. Dies kann einer steigenden Energieproduktivität zugeschrieben werden, also einer verbesserten wirtschaftlichen Produktivität im Verhältnis zur eingesetzten Energie.

Mit Blick auf die Struktur des Stromverbrauchs sind die Verhältnisse in Bayern seit 1995 hingegen relativ konstant geblieben. So benötigte 2022 das Verarbeitende Gewerbe 42,3 %, Haushalte und übrige Verbraucher 54,2 % und der Verkehr 3,5 % des Stroms in Bayern – wobei der letztgenannte Wert nur den strombetriebenen Verkehr umfasst, also die allermeisten Fern- und Nahverkehrszüge, Straßen-, S- und U-Bahnen, E-Busse und E-Autos, nicht jedoch den brennstoffbetriebenen Verkehr, der aber fast 98 % des Gesamtverkehrs ausmacht. Diese Anteile entsprechen ungefähr denen des Jahres 1995 – hier gab es also wenig Veränderung.

Kernenergie

An drei Standorten in Bayern befanden sich Kernkraftwerke (KKW Isar, KKG Grafenrheinfeld und KKW Gundremmingen), die mittlerweile im Zuge des Atomausstieges abgeschaltet wurden. In Garching bei München wird ein Forschungsreaktor betrieben. Der in den 1980er-Jahren forcierte Bau der nuklearen Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf wurde 1989 nach heftigen Protesten und Auseinandersetzungen eingestellt.

Erneuerbare Energien

Regionale Schwerpunkte der Windparks ist fast ausschließlich Franken, dort besonders natürlich die windreichen Mittelgebirgslagen der Fränkischen Alb, des Steigerwaldes, des Grabfeldes und des Frankenwaldes. Bayerischer Wald und Oberpfälzer Wald weisen hingegen keine größeren Windparks auf. Durch restriktive Abstandregelungen wurde die Errichtung von Windparks in der Vergangenheit deutlich erschwert.

Die Wasserkraft ist besonders an den aus den Alpen austretenden Donauzuflüssen vertreten: Iller, Lech, Inn und in geringerem Umfang auch die Isar sowie die obere Donau zwischen Ulm und Ingolstadt.

Größere Solarparks finden sich über das ganze Bundesland verteilt, den Hauptbeitrag zur Photovoltaik-Erzeugung erbringen jedoch hunderttausende Haus- und andere Gebäudedächer.

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Diercke

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