Überblick
Bayern hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem Agrar- zu einem Technologiestandort entwickelt und trug 2024 mit einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 800 Mrd. Euro 18,4 Prozent zur deutschen Wirtschaftsleistung bei. Damit ist die Wirtschaft Bayerns etwas kleiner als die des dreifach so bevölkerungsreichen Polens und doppelt so groß wie die Rumäniens. Familienunternehmen spielen nach wie vor eine große Rolle, Bayern belegt den zweiten Platz bei den 1000 größten Unternehmen dieses Typs in Deutschland. Die Arbeitslosenquote lag 2024 bei unter 4 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.
Wirtschaft und Verkehr in Bayern
Schwerpunkte der bayerischen Wirtschaft sind der Fahrzeug- und Maschinenbau, die elektrotechnische und elektronische Industrie sowie die chemische Industrie. Große Zuwachsraten verzeichnet der Dienstleistungssektor, zu dem auch die gut ausgebaute Tourismusbranche zählt. Bayerns wichtigste Industriestandorte sind neben München der mittelfränkische Ballungsraum Nürnberg–Fürth–Erlangen, sowie Augsburg, Ingolstadt und Regensburg. In München und Nürnberg finden internationale Messen statt. Die leistungsstarke Landwirtschaft mit Schwerpunkt auf der Viehwirtschaft, vor allem im Alpenvorland, spielt volkswirtschaftlich gesehen eine zunehmend geringere Rolle. Auch der Bergbau – Salzgewinnung bei Bad Reichenhall, Graphitabbau im Bayerischen Wald, Erdöl- und Erdgasförderung im Alpenvorland – trägt kaum zur Wirtschaftsleistung bei. Bayern verfügt über ein gut ausgebautes Straßen- und Schienennetz und mit dem Flughafen München im Erdinger Moos über den nach Frankfurt am Main größten Flughafen Deutschlands (2024: 41,5 Mio. Passagiere). Würzburg, Nürnberg, Ingolstadt, Augsburg und München sind an das ICE-Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen, das somit von Kassel bzw. Stuttgart aus über Bayern bis nach Wien und Norditalien reicht. Wichtige Binnenschifffahrtsstraßen sind Main, Donau und der seit 1992 von Bamberg am Main bis Kelheim an der Donau durchgängig befahrbare Main-Donau-Kanal, der Nordsee und Schwarzes Meer verbindet.
Wachstumsindustrien in der Metropolregion München
Der Hightech-Standort München führt seit Jahren die Liste der wachstumsstärksten und zugleich attraktivsten deutschen Großstädte an. Die gesamte Metropolregion München, mit Ingolstadt und Augsburg, weist eine Palette von Wachstumsbranchen wie Luft- und Raumfahrtunternehmen sowie Unternehmen aus den Bereichen Informationstechnologie, Software- und Datenverarbeitung, Robotik und Automatisierung, Biotechnologie sowie Medizin- und Umwelttechnik auf. München und das Erdölraffineriezentrum Ingolstadt sind zudem bedeutende Standorte des Kraftfahrzeug- und des Maschinenbaus und München ist außerdem ein wichtiger Standort der sich absehbar dynamisch entwickelnden Rüstungsindustrie. Hinzu kommen hoch qualifizierte Arbeitskräfte und eine Vielfalt von Forschungs- und Innovationsstandorten. München verfügt über eine vielfältige Medien- und Verlagslandschaft und ist ein Standort der deutschen und internationalen Filmindustrie. Die räumliche Nähe von produzierenden Unternehmen, Dienstleistungsunternehmen und Forschungseinrichtungen ermöglicht branchenübergreifende Synergieeffekte, die der Metropolregion schon seit Jahrzehnten überdurchschnittliche wirtschaftliche Wachstumsraten bescheren. Zur Attraktivität Münchens tragen das vielfältige kulturelle Angebot und die reizvolle landschaftliche Umgebung bei. Bedeutend ist weiterhin der Tourismus (s. 11.3) und das Oktoberfest, das mit rund 7 Mio. Besucherinnen und Besucher als weltgrößtes Volksfest gilt.
Strukturwandel in der Metropolregion Mittelfranken
Als zweites großes Ballungszentrum fällt die mittelfränkische Metropolregion Nürnberg–Fürth–Erlangen in Nordbayern mit rund 150 000 Unternehmen auf. Elektrotechnik, Maschinen- und Fahrzeugbau, Medizintechnik sowie chemische und Druckindustrie spielen mittlerweile eine größere Rolle als die traditionelle Spielwaren-, Schreibwaren-, Sportartikel- und Nahrungsmittelindustrie (Lebkuchen). In den 1980er und 1990er-Jahren durchlief die Region einen Strukturwandel, der mit der Schließung namhafter Traditionsunternehmen aus den Bereichen Versandhandel, Schreib- und Küchenmaschinen und Unterhaltungselektronik verbunden war. Dadurch gingen viel Arbeitsplätze verloren, die jedoch durch die genannten Wachstumsbranchen ersetzt werden konnten. Ein Beispiel ist Erlangen, das als Universitätsstadt Sitz bedeutender Forschungsinstitute auf dem Gebiet der Mikroelektronik ist, aus denen heraus sich viele Hightech-Unternehmen gegründet haben (spin-offs). Die Region verfügt über mehrere Güterhäfen am Main-Donau-Kanal und ist ein wichtiger Logistikhub innerhalb Deutschlands. Mit dem Christkindlesmarkt findet auch in Nürnberg ein bedeutendes Volksfest statt, das mit rund zweieinhalb Millionen Besucherinnen und Besuchern zu den größten und bekanntesten Weihnachtsmärkten weltweit zählt.
Weitere Wirtschaftszentren
Wirtschaftszentrum der Oberpfalz ist Regensburg mit Schwerpunkten im Kraftfahrzeugbau (Zulieferbetriebe), im Maschinenbau sowie in der Elektrotechnik und Elektronik.
Daneben kann in Nordbayern der Raum zwischen Aschaffenburg und Würzburg/Schweinfurt sehr gute Wirtschaftsdaten aufweisen, etwa eine Arbeitslosigkeit von durchschnittlich unter sechs Prozent und eine florierende Wirtschaft. Wachstumsstarke Betriebe sind hier der Maschinen- und Fahrzeugbau (Aschaffenburg), Forschung und Dienstleistungen (Würzburg) und Wälzlager (Schweinfurt). Ein weiterer Wirtschaftsraum ist Hochfranken (Hof).
Im Südosten liegt das Bayerische Chemiedreieck zwischen Chiemsee, Inn und Salzach. Hier sind ebenso wie in Ingolstadt besonders petrochemische Anlagen angesiedelt. Das Bayerische Chemiedreieck hat einen immensen Strombedarf von derzeit rund fünf Terawattstunden Strom pro Jahr. Dies entspricht etwa ein Prozent des Gesamtverbrauchs in Deutschland.
Einige Grenzregionen sind aufgrund von Wettbewerbsvorteilen in Nachbarstaaten und mangelnder Infrastruktur auf Subventionen angewiesen. Der Bayerische Wald hatte aufgrund seiner Randlage während des Kalten Krieges wenig Standortattraktivität und auch nach Öffnung des Eisernen Vorhangs 1990 bot das angrenzende Tschechien oft bessere Investitionsanreize.