Der Nil - Strombaum und Abfluss

Afrika - Klima
978-3-14-100371-0 | Seite 127 | Abb. 7 | Maßstab 1 : 20000000

Überblick

Der Nil hat eine Länge von 6671 Kilometern und ist damit der längste Fluss der Erde. Er entspringt als Weißer Nil bzw. Albert- und Victoria-Nil in den Hochebenen Zentralafrikas, in Uganda und der D. R. Kongo – sowie als Blauer Nil im Äthiopischen Hochland. Auf seinem langen Weg zu seiner Mündung in das Mittelmeer durchquert der Nil fünf verschiedene Klimazonen.

Der Nil und der feuchte Süden

Den Anfang machen die Tropen mit ganzjährig hohen Temperaturen und hohen Niederschlägen. In der Stadt Kampala (1134 m ü. M.), in der Nähe des Victoria-Nils, fallen allein 1264 Millimeter Niederschlag im Jahresmittel bei einer durchschnittlichen Temperatur von 22,7 °C. Im Anschluss an die Tropen durchfließt der Weiße Nil, in den Albert- und Victoria-Nil münden, die Savannen des Südsudan und Sudan.

Der Blaue Nil hingegen entspringt im nördlichen Hochland von Äthiopien. In der Nähe liegt die Stadt Bahir Dar (1840 m ü. M.). In Bahir Dar werden durchschnittlich 1428 mm Niederschlag pro Jahr gemessen. Auch die durchschnittlichen Temperaturen sind mit 20,0 °C zwar etwas geringer als in der tropischen Klimazone, jedoch noch verhältnismäßig hoch.

Der Nil und der trockene Norden

Weiter nördlich erreichen der Weiße Nil und der Blaue Nil die Stadt Khartum im Sudan (380 m ü. M.), wo sie ineinander münden. Ab hier und im gesamten Ägypten ist der Nil ein Fremdlingsfluss, das heißt, er durchfließt dieses Gebiet der Wüsten und Halbwüsten ohne nennenswerte Zuflüsse. Dabei verliert er durch permanente Verdunstung und Versickerung sehr große Mengen an Wasser. In Khartum fallen pro Jahr durchschnittlich nur 127 mm Niederschlag bei einer hohen Jahresmitteltemperatur von 30,3 °C. Weiter nördlich in Assuan, im zentralen Wüstengebiet von Ägypten, sind es sogar nur 2 mm bei durchschnittlichen 27,0 °C pro Jahr. Im Bereich des Nildeltas liegt die ägyptische Hauptstadt Kairo. Das Nildelta markiert das Mündungsgebiet des Nil. Gleichzeitig ist dieser nördliche Abschnitt des Nil durch zahlreiche Bewässerungsprojekte geprägt. Die jährliche Niederschlagssumme beträgt in Kairo nur 25 mm bei einer Jahresmitteltemperatur von 22,5 °C.

Folgen des Assuanstaudamms

Der Bau des Assuan-Staudamms im Jahr 1960 führte südlich der Staumauer zur Bildung des Nassersees. Mit einer Länge von 550 Kilometer und einer Breite von bis zu 10 Kilometer ist er etwa doppelt so groß wie das Saarland. Der Nassersee sollte – in der Niloase zwischen Assuan und dem Delta Dauerbewässerung ermöglichen, um die Anbauperiode auf das gesamte Jahr auszudehnen (mehrere Ernten) und das Bewässerungsland insgesamt auszuweiten – mit seinem Kraftwerk ganzjährig Strom erzeugen – die Schifffahrt auf dem Nil verbessern – die Anlage von Wasserreserven für die Überbrückung von regelmäßig auftretenden Trockenjahren ermöglichen – den Hochwasserschutz für die Siedlungsgebiete flussabwärts verbessern (das Abflussdiagramm von Kairo zeigt das ausgeglichene Abflussverhalten des Nil im Jahresverlauf). Um diese Ziele zu erreichen, wurden nicht nur hohe Investitionen getätigt, sondern auch Risiken und Nachteile in Kauf genommen. Dazu zählt zum Beispiel, dass für die Bauern flussabwärts des Staudamms seit Beginn der 1970er-Jahre kein fruchtbarer Nilschlamm mehr zu Verfügung steht, der bis dahin im Zuge der jährlichen Überschwemmungen ihr Land auf natürliche Weise gedüngt hatte. Sie sind daher gezwungen, stattdessen Kunstdünger einzusetzen.

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