Deutschland - Erneuerbare Energie aus Wind
Überblick
Die Karte zeigt die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten, die in Deutschland 50 Meter über der Erdoberfläche gemessen werden, in Metern pro Sekunde (m/s). Erkennbar ist, im Unterschied zur Globalstrahlung (Karte 45.2 „Deutschland – Erneuerbare Energie aus Sonne und Erdwärme“), ein deutliches Nord-Süd- bzw. Nordwest-Südost-Gefälle. Überdies wird der starke Einfluss der Höhenlage deutlich. Die höchsten Windgeschwindigkeiten treten vor allem an der Nord- und Ostseeküste auf. Dort können Luftmassen vom Meer fast ungehindert auf das Festland wehen. Im äußersten Norden von Deutschland werden daher mittlere Windgeschwindigkeiten von mehr als 7 m/s verzeichnet. Mit zunehmender Entfernung vom Meer wird der Wind durch das Relief und die Rauigkeit der Erdoberfläche (zum Beispiel Wälder, Bebauung) allmählich abgeschwächt. Die geringsten Mittelwerte von unter 4 m/s werden im Süden und im Südosten verzeichnet. Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Höhenlage. Die Hochlagen der Mittelgebirge und die Alpen heben sich durch deutlich höhere Windgeschwindigkeiten inselartig ab. Ähnliche Werte wie an der Küste treten im Schwarzwald ab 1500 Metern (Feldberg) und in den Alpen ab 2000 Metern Höhe auf. Tief eingeschnittene Tallagen wie am Oberrhein sind dagegen windschwach. Zum rentablen Betrieb von Windkraftanlagen sind mittlere Windgeschwindigkeiten von mindestens 4 m/s erforderlich. Die Zahl der Windenergieanlagen an Land (onshore) und auf See (offshore) hat in den letzten zwei Jahrzehnten rasant zugenommen. 1995 war die installierte Leistung noch verschwindend gering, bis 2005 stieg sie bereits auf knapp 20 000 MW und bis 2017 auf rund 56 000 MW an (davon 5390 MW offshore). 2024 betrug die Leistung 72 700 MW, davon 9200 MW offshore. Damit ist die Windkraft zum mit Abstand bedeutendsten erneuerbaren Energieträger sowie zum wichtigsten aller Stromlieferanten geworden (Anteil von 26,8 % am deutschen Energiemix 2024). Eine jüngere Entwicklung bei der Nutzung der Windkraft zeigt sich in den zahlreichen deutschen Offshore-Windparks in der Nordsee. Hier werden zum einen zwar sehr große Potenziale gesehen, andererseits ist aber die Erschließung von Windparks im Meeresbereich, insbesondere die Netzanbindung, deutlich aufwendiger als an Land. In der Ostsee hat diese Form der Stromerzeugung nur eine vergleichsweise geringe Bedeutung im Vergleich zur Nordsee. Die Verteilung der Windparks 2021 in zwei Leistungsstufen (50-250 MW und über 250 MW pro Jahr) zeigt folgendes Muster: Windparks finden sich analog zu den Isolinien der Windgeschwindigkeit besonders in der Norddeutschen Tiefebene und einigen (nicht allen) exponierten Höhenlagen der Mittelgebirge. Südlich einer gedachten Linie zwischen Fichtelgebirge im Nordosten und Karlsruhe im Südwesten finden sich so gut wie keine Windparks, obwohl es auch hier begünstigte Zonen gibt, z. B. den Oberpfälzer und den Bayerischen Wald, den Schwarzwald und das südwestliche Alpenvorland. Die großen Windparks mit einer Leistung von über 250 MW/Jahr konzentrieren sich im unmittelbaren Hinterland der Nordseeküste und – weiter gestreut – im norddeutschen Flachland. Während die äußerst im Westen gelegenen Mittelgebirgshöhen von Eifel, Hunsrück und Westerwald dicht mit kleineren und einigen großen Windparks bestückt sind, fehlen diese weiter östlich, z. B. im Rothaargebirge, Harz, Thüringer Wald und der Rhön. Dies ist ebenso wie die dünne Windparkdichte in Süddeutschland oftmals auf lokale und bundeslandspezifische politische Entscheidungen zurückzuführen.