Deutschland - Geburtenzahlen
Überblick
Die Zahl der Geburten ist ein wichtiger Faktor in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung. In den 1960er-Jahren kam es zu einem Rückgang der Geburtenzahlen, der lange andauern sollte. Während im außergewöhnlich geburtenstarken Jahrgang 1964 noch rund 1,4 Millionen Kinder geboren wurden, machte sich schon wenig später ein starker Geburtenrückgang bemerkbar, vor allem in Westdeutschland. 1972 sank die Anzahl der Neugeborenen unter eine Million, womit die Anzahl der Geborenen niedriger war als die der Sterbefälle (Gestorbenen-Überschuss). Ausgeprägt war diese Tendenz vor allem in der alten Bundesrepublik, während es in der DDR in den 1980er-Jahren noch vereinzelt Jahrgänge mit einem geringen Geburtenüberschuss gab. Mit der Wiedervereinigung traten auch in den neuen Bundesländern flächendeckend – zum Teil erhebliche – Sterbefallüberschüsse ein. Hatte sich die Zahl der jährlichen Geburten in den 1980er-Jahren auf einem Niveau zwischen 800 000 und 900 000 eingependelt, gingen die Geburtenzahlen ab 1991 – unterbrochen lediglich von einzelnen Ausnahmejahren – relativ konstant zurück. Seit 2011 stiegen sie jedoch wieder leicht an (2015 wurden in Deutschland wieder 737 600 Kinder geboren, 2018 waren es sogar 787 500), um dann wieder leicht abzufallen (2023 waren es 693 000 Kinder).
Regionale Unterschiede
Das räumliche Muster der Geburten belegt, dass die demographische Entwicklung wesentlich von sozialökonomischen Faktoren beeinflusst wird. Überdurchschnittliche Geburtenraten gibt es in Großstädten und in ihrem unmittelbaren Umland, die sich als wirtschaftliche Zentren durch gute Infrastruktur und ein breites Angebot an Arbeitsplätzen auszeichnen, allerdings auch durch einen chronischen Wohnungsmangel. Dies zieht trotzdem vor allem junge Menschen an, die eine Familie gegründet haben bzw. gründen wollen. Häufig handelt es sich zudem um Regionen, in denen ein relativ hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund lebt (siehe auch Karte 49.5 „Deutschland – Ausländische Bevölkerung“), einer Bevölkerungsgruppe mit meist überdurchschnittlich hoher Geburtenrate. Unter den ländlichen Gebieten mit hohen Geburtenraten sticht die Region Cloppenburg/Vechta in Niedersachsen hervor, die sich durch eine hohe wirtschaftliche Leistungskraft aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Veredelungswirtschaft auszeichnet. Besonders niedrige Geburtenraten gibt es dagegen in weiten Teilen Ostdeutschlands, in den strukturschwachen Regionen Norddeutschlands, in altindustrialisierten Gebieten wie dem Saarland und in peripheren Räumen wie dem Grenzgebiet zu Tschechien. In keiner Deutschland-Karte paust sich die ehemalige Zonengrenze zwischen BRD und DDR bis 1990 so gut durch wie bei den Geburten.