Deutschland - Landwirtschaft

Deutschland - Landwirtschaft
978-3-14-100453-3 | Seite 40 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 3500000

Bedeutung der Landwirtschaft

In den vergangenen Jahrzehnten hat die volkswirtschaftliche Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland stark abgenommen. Während 1970 noch etwa 9 Prozent aller Erwerbstätigen in Land- und Forstwirtschaft oder Fischerei beschäftigt waren, waren es 2025 nur noch 1,2 Prozent. Der Beitrag zur Bruttowertschöpfung fiel im selben Zeitraum von fast 3 auf rund 1 Prozent. Da jedoch rund 50 Prozent der gut 357 000 km² umfassenden Landesfläche agrarisch genutzt wird, ist das Erscheinungsbild Deutschlands stark durch landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen geprägt. Dies sind im Wesentlichen Ackerflächen (ca. 70 %), Dauergrünland (28 %) und Sonderkulturen (2 %) wie Rebland, Obstpflanzungen und Baumschulen (siehe Nebengrafik „Flächennutzung in Deutschland“).

Auch global ist die deutsche Landwirtschaft ein bedeutender Akteur: Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO belegte Deutschland 2024 im Ranking der größten Agrarexporteure nach China und den USA den dritten Platz, vor den Niederlanden. Die wichtigste Exportgüter sind Getreide, Ölsaaten, Milch und Milcherzeugnisse sowie Fleisch und Fleischerzeugnisse. Darüber hinaus stieg in den letzten Jahren die Bedeutung der Landwirtschaft als Lieferant von Rohstoffen, die zur Energiegewinnung genutzt werden.

Industrialisierung der Landwirtschaft

Die Struktur der landwirtschaftlichen Produktion ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Dies beruht hauptsächlich auf den natürlichen Gegebenheiten (v. a. Bodenqualität, Geländerelief, Temperaturen und Niederschläge), teilweise aber auch auf der Steuerung der Produktionsmengen durch den Staat. Große Ackerflächen sind vor allem außerhalb der Mittelgebirgsregionen Deutschlands zu finden. In den östlichen Bundesländern wurde in den vergangenen Jahrzehnten aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend Grünland in Ackerland umgewandelt, sodass der Ackerflächenanteil stieg.

Die Flächennutzung der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch Technikeinsatz (Maschinen, Saatforschung) und Anbaumethoden sowie durch betriebliche Spezialisierung stark verändert. Die Fruchtfolgen früherer Zeiten sind im Allgemeinen organisierenden Fruchtwechseln mit zwei- bis dreigliedrigen Fruchtfolgen gewichen. Die Schlaggrößen wurden durch Flächentausch und Flächenzusammenlegung deutlich ausgeweitet. Diese Entwicklung wurde begleitet von einer Tendenz zu Monokulturen und zur „Ausräumung“ der Agrarlandschaft durch Beseitigung von Landschaftsstrukturelementen. Gleichzeitig ist es durch den Einsatz von Handelsdüngern, Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch veränderten Samen zu einer Intensitäts- und Ertragssteigerung im Anbau gekommen, bei gleichzeitig zunehmender Ertragssicherheit. Damit einher geht unweigerlich eine Belastung der Böden, Oberflächengewässer und des Grundwassers, sowie eine Verarmung der Artenvielfalt, die das ökologische Gleichgewicht gefährdet und die Lebensgrundlagen der Menschen bedrohen kann. Deshalb nehmen ökologische Bewirtschaftungsformen und darauf basierende Betriebe weiter zu. Außerdem kann durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union mittels vielfältiger Agrarsubventionen, also staatlicher Zuzahlungen, großer Einfluss auf die Landwirtschaft genommen werden. Ohne diese Zahlungen wäre es den meisten Betrieben nicht möglich, wirtschaftlich zu arbeiten, da Lebensmittel immer billiger werden und die Kosten für die Produktion weiter steigen. Gleichzeitig hat der Staat in Form von Agrarsubventionen einen wirksamen Hebel, um veränderte, umwelt- und tierschonende Produktionsweisen zu fördern.

Anbauverhältnis einzelner Fruchtarten

Das Ackerland wird vor allem geprägt durch Getreideanbau. Bezogen auf die Ackerfläche dominieren hier Weizen, Gerste und Roggen, gefolgt von Futterpflanzen, Ölsaaten, Hopfen und Tabak, Hackfrüchten, Hülsenfrüchten sowie Gemüse- und Gartengewächsen. In den vergangenen Jahren wurde der Ölsaatenanbau, insbesondere der von Winterraps, stark ausgedehnt. Diese Entwicklung wurde durch die Züchtung neuer Sorten und die Europäische Agrarpolitik vorangetrieben, die auch auf Stilllegungsflächen den Anbau von Non-Food-Raps für die Produktion von Biodiesel erlaubt. Der Anbau von Zuckerrüben und Kartoffeln weist deutliche regionale Schwerpunkte auf, weil beide sehr unterschiedliche Ansprüche an den Boden stellen. Für den Weinbau sind dagegen von der Sonne beschienene Hanglagen wichtig für eine gute Ernte.

Viehhaltung in Deutschland

Deutschland gilt als einer der größten Fleischerzeuger in der EU, die Fleischerzeugung war in den letzten Jahren jedoch leicht rückläufig. 2024 wurden 6,9 Mio. Tonnen Fleisch in Deutschland produziert. Die Anzahl der Rinder- und Schweinehalter hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, gleichzeitig sind die durchschnittlichen Viehbestände erheblich gestiegen. Die zunehmende Konzentration und die damit einhergehende Rationalisierung der Haltungsverfahren haben die Praxis der tierischen Erzeugung gravierend verändert.

Die Viehwirtschaft in Deutschland ist durch eine starke regionale Konzentration gekennzeichnet. Eines der Zentren der tierischen Erzeugung liegt in Nordwestdeutschland (westliches Niedersachsen und Westfalen), wo sich eine Zone intensiver Schweinehaltung herausgebildet hat. Auch die Geflügelhaltung ist in dieser Region sehr verbreitet. Diese Entwicklung wurde durch den günstigen Zugang zu preiswerten Futterzusätzen wie zum Beispiel Soja begünstigt, welches über die nahegelegenen Seehäfen (Rotterdam, Bremen, Hamburg) angeliefert und von den Tierfutterherstellern weiterverarbeitet wird.

Obwohl Deutschland nach Spanien der zweitgrößte Schweinefleischerzeuger und nach Frankreich der zweitgrößte Produzent von Rind- und Kalbfleisch in der Europäischen Union ist, gilt die Milchviehhaltung als das wichtigste Standbein der deutschen Landwirtschaft. Insgesamt ist die Rinderhaltung im Vergleich zur Schweine- und Geflügelhaltung jedoch weniger konzentriert. Schwerpunkte sind in den alten Bundesländern vor allem Regionen mit Grünlandstandorten. Hierzu gehören das voralpine Hügelland sowie Mittelgebirgsstandorte, das Weser-Ems-Gebiet und die ertragsschwachen Grünlandstandorte in Schleswig-Holstein. In den neuen Bundesländern ist die regionale Konzentration insgesamt weniger ausgeprägt, dafür ist dort eine stärkere Tendenz zu größeren Betrieben zu beobachten. Viele Tiere, wie zum Beispiel Milchkühe mit einer Milchleistung von bis zu 10 000 kg pro Jahr, sind darauf angewiesen, hochwertiges Futter mit Zusätzen wie Soja zu bekommen. Nur so können sie ihren Energie- und Eiweißbedarf decken.

Ökologischer Landbau

Die Bedeutung der ökologischen Landwirtschaft (bzw. des Ökolandbaus) hat in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen. Im Gegensatz zur konventionellen (herkömmlichen) Landwirtschaft setzt der ökologische Landbau auf eine abwechslungsreiche Abfolge der angebauten Früchte. Zwischenfrüchte fördern die Bodenfruchtbarkeit und schützen die Nutzpflanzen vor Verunkrautung, Krankheits- und Schädlingsbefall. Durch diese Methode und den Anbau wenig empfindlicher Sorten, die mechanische Unkrautbekämpfung und den gezielten Einsatz von nützlichen Insekten kann der Einsatz umweltbelastender Pflanzenschutzmittel deutlich reduziert werden. Außerdem wird auf Kunstdünger verzichtet und weitgehend natürlich gedüngt. Bei der ökologischen Viehhaltung geht es vor allem um eine artgerechte Haltung und ökologisch und nachhaltig produziertes Futter, was beispielsweise gen- und pflanzenschutztechnisch behandelte Sojaimporte aus Südamerika ausschließt.

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