Deutschland - Physische Übersicht

Deutschland - Orientierung
978-3-14-100453-3 | Seite 32 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 3500000

Überblick über die Großlandschaften Deutschlands – nördlicher Teil

Zur Nordseeküste zählen die Inseln, Halligen (kleine Marschinseln mit menschengemachten Siedlungshügeln, den Warften), das Watt, die Marschen (flache, eingedeichte Landschaft auf Meeresspiegelniveau) und die großen Flussmündungen. Diese Landschaft wurde ebenso wie ihr Hinterland, das Norddeutsche Tiefland, geprägt durch die Absenkung des Nordseebeckens seit dem Tertiär (Beginn vor etwa 65 Millionen Jahren, siehe Abbildung  72.2 „Erdzeitalter“). Im darauffolgenden Quartär wurde Norddeutschland mehrfach mit Eis bedeckt. Nach den Eiszeiten stieg der Meeresspiegel an, sodass heute weite Tundrengebiete der Weichselkaltzeit beispielsweise unterhalb des Meeresspiegels der südlichen Nordsee liegen (siehe Karte 73.4 „Europa – Würm-/Weichselkaltzeit“).

Die Ostseeküste umfasst mit Förden (schmale Meeresbuchten), Buchten, Ausgleichsküste, Bodden (Landzungen) und Haff (vom offenen Meer abgetrennter Teil des Meeres) sehr unterschiedliche Küstenformen (vgl. Abbildung 37.2 „Aufbau von Steilküste und Flachküste“), die ihre Grundgestalt während der Eiszeiten und durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg erhalten haben. Die Landschaften des Norddeutschen Tieflandes, die sich 150 bis 250 km tief zwischen der Küste und den Mittelgebirgen erstrecken, wurden ebenfalls während der Eiszeiten geformt. Mächtige Gletscherzungen schoben während der letzten Eiszeit (Weichselkaltzeit, siehe Karte 73.4) große Massen aus Schutt und Gestein auf, die Endmoränen. Hinter den Moränen bildeten sich große Abflussrinnen, die sogenannten Urstromtäler, in denen das Schmelzwasser der Gletscher abfloss (siehe Karte 36.1 „Deutschland – Landschaften“ und Abbildung 37.3 „Eiszeitliche Prägung“). Sie sind, wie die zahlreichen Seen der Mecklenburgischen Seenplatte zeigen, sehr gewässerreich.

Überblick über die Großlandschaften Deutschlands – mittlerer Teil

Die deutschen Mittelgebirge bestehen aus mehreren größeren Gebirgseinheiten, die sich in eine Vielzahl kleinerer Gebirgszüge aufteilen. Das Rheinische Schiefergebirge im Westen umfasst zum Beispiel Eifel, Hunsrück, Taunus, Westerwald, Bergisches Land und Sauerland. Weitere markante Mittelgebirge sind Harz, Rhön, Thüringer Wald und Erzgebirge. Im Süden begrenzen Schwäbische Alb, Fränkische Alb und Bayerischer Wald die deutschen Mittelgebirge. Die höchsten Erhebungen sind der 1493 Meter hohe Feldberg im Schwarzwald und der 1456 Meter hohe Große Arber im Bayerischen Wald. Zwischen den Mittelgebirgen spannen sich weite Beckenlandschaften wie das Thüringer Becken zwischen Harz und Thüringer Wald. In einigen Regionen, wie zum Beispiel der Eifel, ist der Formenschatz der Gebirge auf vulkanische Aktivitäten zurückzuführen. Der Rhein durchfließt zwischen Basel und Mainz die Oberrheinische Tiefebene, ein tektonisch bedingter Grabenbruch (vgl. Abbildung 37.4 „Entstehung eines Grabenbruchs“).

Überblick über die Großlandschaften Deutschlands – südlicher Teil

Im Süddeutschen Schichtstufenland, im Übergangsbereich zwischen Schwäbischer Alb und Fränkischer Alb, liegt das Nördlinger Ries. Die im Durchmesser etwa 25 Kilometer große Vertiefung entstand vor rund 15 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Meteoriten. Als Alpenvorland wird in Deutschland der Raum zwischen dem nördlichen Alpenrand und der Schwäbischen und Fränkischen Alb bzw. dem Bayerischen Wald bezeichnet. Der tiefste See im Alpenvorland ist mit 252 Metern der Bodensee. Die Lage der großen Seen im Alpenvorland markiert den Nordrand des Jungmoränengebietes während der Würmkaltzeit (siehe Karte 73.4). Die Alpen treten im Kartenbild durch die dunkelbraune Höhenfärbung hervor. Die Alpen sind das Ergebnis starker tektonischer Anhebungen (siehe Abbildung 37.5 „Entstehung eines Faltengebirges“). Intensive Abtragung (in Abhängigkeit vom Gestein) und glaziale Überformung gaben den Alpen ihr heutiges Aussehen.

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