Deutschland - Stromerzeugung - 1995

Deutschland - Energie
978-3-14-100453-3 | Seite 45 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 7000000

Überblick

Um dem Ziel der Reduzierung der Treibhausgasemissionen näher zu kommen, hat sich der Anteil der einzelnen Energieträger an der Stromerzeugung Deutschlands in den letzten drei Jahrzehnten entscheidend verändert.

Veränderungen im Strommix

Möglich wird der klimaneutrale Umbau der Energiewirtschaft nur, wenn Kohlekraftwerke, bislang Hauptträger der Stromerzeugung, langfristig abgeschaltet und regenerative Energieträger weiter ausgebaut werden. Auf diesem Weg befindet sich Deutschland, wenn man die beiden Karten vergleichend betrachtet. Deckten Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Mineralöl 1990 noch rund 65 Prozent der Bruttostromerzeugung und Wasserkraft als einzige erneuerbare Energiequelle nur 3,5 Prozent ab, so waren es 2024 35 bzw. 57 Prozent. Damit haben die Erneuerbaren den Anteil der Fossilen um nahezu die Hälfte reduziert und gleichzeitig den Atomstrom komplett ersetzt. Deutliche Zugewinne verzeichnete dabei besonders in den vergangenen 10 Jahren die Photovoltaik: Lag sie 2017 noch bei 5,8 Prozent, so wuchs sie bis 2024 auf 17,4 Prozent, während die Windkraft im gleichen Zeitraum „nur“ von 15,8 (2017) auf 26,8 Prozent (2024), die Biomasse von 6,5 auf 8,4 Prozent und die Wasserkraft von 3,1 auf 3,5 Prozent zunahm. Allerdings ist die Stromerzeugung je nach Bundesland sehr unterschiedlich gewichtet.

Ein zweiter wichtiger Grund für Veränderungen im Strommix ist der Ausstieg aus der Atomenergie, der 2000 mit dem Atomkonsens eingeleitet und 2011 unter dem Eindruck des Reaktorunfalls im japanischen Fukushima infolge der Tsunami-Naturkatastrophe wesentlich beschleunigt wurde. Er sollte bis Ende 2022 vollzogen sein, wurde aber wegen der durch den Ukrainekrieg ausgelösten Energiekrise bis April 2023 verlängert.

Unterschiede in den Bundesländern

In fünf Bundesländern (Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Bremen, Saarland) lag der Anteil von Stein- und Braunkohle auch 2023 noch über 40 Prozent oder nur knapp darunter. Noch stärkere Anteile hat jedoch die Kernenergie verloren: Wurden 1995 noch 28,7 Prozent des Bruttostroms bundesweit aus Kernenergie gewonnen, sank der Anteil bis 2020 auf 11,8 und bis 2023 auf 1,4 Prozent. Seit 2024 ist die Kernenergie nicht mehr in der Bruttostromerzeugung Deutschlands enthalten. Den größten Anteil am Energiemix hatte die Kernenergie in Bayern, gefolgt von Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Während die Küstenländer den Wegfall des Atomstroms durch Off- und Onshore-Windparks (über-)kompensieren konnten, wurden die beiden südlichen Bundesländer zu Stromimporteuren, insbesondere für Wasserkraftstrom aus der Schweiz und Österreich.

Einen rasanten Zuwachs haben die erneuerbaren Energien erlebt, deren Anteil beständig steigt. Während 1995 erst knapp 5 Prozent des gesamten Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde, waren es 2024 bereits 57 Prozent. Den höchsten prozentualen Anteil am Energiemix hatten die erneuerbaren Energien 2024 in den nord- und ostdeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein (88 %), Mecklenburg-Vorpommern (87 %), Thüringen (86 %) und Niedersachsen (74 %), gefolgt von Bayern (70 %), Rheinland-Pfalz (67 %), Sachsen-Anhalt (57 %), Baden-Württemberg (55 %), Hessen (52 %) und Brandenburg (48 %). Die geringsten Anteile hatten sie in Hamburg (27 %), Nordrhein-Westfalen (25 %), Sachsen (21 %), Bremen (20 %), Saarland (9 %) und in Berlin (6 %).

In diesen Anteilen spiegeln sich ganz unterschiedliche Strukturen: Während in Nord- und Ostdeutschland vor allem die Stromerzeugung aus Windkraft überdurchschnittlich hoch ist, weisen in Süddeutschland Photovoltaik und Wasserkraft hohe Anteile auf. Ursache sind hier vor allem die unterschiedlichen natürlichen Potenziale (s. 44.1 „Deutschland und seine Nachbarländer – Energiewirtschaft“). Intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiete in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben jeweils hohe Anteile der Biomasse an der Stromerzeugung. Die Windkraft trug 1995 erst 0,3 Prozent zur Stromversorgung bei, doch seitdem verzeichnet sie enorme Wachstumsraten. 2024 hatte sie mit einer Erzeugung von rund 140 Mrd. kWh einen Anteil von 26,8 Prozent am deutschen Energiemix. An zweiter Stelle unter den erneuerbaren Energien rangiert die Stromerzeugung durch Photovoltaik, die erst Anfang der 2000er-Jahre aufkam und 2006 gerade einmal 0,3 Prozent zum deutschen Energiemix beisteuerte, ihren Anteil aber bis 2024 auf 17,4 Prozent steigerte. Eine ähnlich rasante Entwicklung gab es bei der Stromerzeugung aus Biomasse, die 1995 mit 0,1 Prozent noch eine vernachlässigbare Größe war. Erst Mitte der 2000er-Jahre setzte ihr sprunghaftes Wachstum ein, 2024 lag ihr Anteil bei 8,4 Prozent.

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