Deutschland - Temperaturen im Jahr - Klimaperiode 1991-2020

Deutschland - Klima
978-3-14-100453-3 | Seite 39 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 7000000

Überblick

In beiden Karten werden die Durchschnittstemperaturen für Deutschland in einer siebenstufigen Skala dargestellt – links für die Klimaperiode 1901-1930 und rechts 90 Jahre später für die aktuelle Klimaperiode 1991-2020. Die Spanne der über alle Messzeitpunkte dieser dreißigjährigen Messzeiträume gemittelten Temperaturwerte reicht dabei von unter 4 °C bis über 10 °C, wobei das Maximum für Deutschland 1991-2020 bei 11,6 °C liegt (erreicht z. B. in Köln, Heidelberg und in Oberrotweil am Kaiserstuhl) und das Minimum bei -4,1 °C (gemessen an der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berggipfel), wie an den Signaturen zu den Temperaturrekorden zu erkennen ist.

Höhenabhängigkeit der Durchschnittstemperaturen

Das regionale Verteilungsmuster der Durchschnittstemperaturen hat sich zwischen den beiden Klimaperioden 1901-1930 und 1991-2020 kaum verändert; es zeigt überwiegend eine Abhängigkeit von der Höhe über dem Meeresspiegel. Dies ist darin begründet, dass in den tieferen Lagen der Umsatz von Sonnenenergie in fühlbare Wärme aufgrund der größeren beschienenen Oberflächen größer ist, was zu einem Temperaturrückgang mit zunehmender Höhe führt. Außerdem führen in den höheren Lagen größere Windgeschwindigkeiten kühlere Luftmassen aus höheren Atmosphärenschichten heran und tragen somit zu einem niedrigeren Temperaturniveau bei. Aufgrund der beschriebenen Höhenabhängigkeit zeigt sich im Kartenbild eine starke reliefbedingte Differenzierung der Durchschnittstemperatur – sowohl für die Klimamessperiode 1901-1930 als auch für die Klimamessperiode 1991-2020.

Regionale Verteilung der Durchschnittstemperaturen

Die tiefsten Durchschnittstemperaturen verzeichnen in beiden Karten jeweils die höheren Lagen vieler Mittelgebirge bzw. die Alpen. Hier treten Temperaturen von weniger als 6 °C, zum Teil sogar von unter 4 °C auf. Aus diesem Grund heben sich in der Karte Eifel, Rothaargebirge, Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge, Böhmerwald, Vogesen, Schwarzwald und vor allem die Alpen als Kälteinseln ab. Weite Teile des Norddeutschen Tieflandes weisen hingegen verbreitet Temperaturmittel von 9–10 °C auf, im atlantisch beeinflussten Nordwesten sogar über 10 °C. Die höchsten Werte von über 10 °C werden außerdem in den großen Tallagen und geschützten Tiefebenen verzeichnet – vor allem die Kölner Bucht, das Mittelrhein- und Moseltal, das Oberrheinische Tiefland und der Neckarraum heben sich als thermisch besonders begünstigte Regionen ab. Im Osten Deutschlands trifft dies nur auf Berlin und die Leipziger Tieflandsbucht bis nördlich nach Magdeburg zu. Am Alpennordrand zeigen einige Täler ein lokal erhöhtes Temperaturniveau, das auf den zeitweiligen Einfluss des Föhns zurückzuführen ist. Ein West-Ost- bzw. Süd-Nord-Gegensatz ist in beiden Karten nur schwach zu belegen. Dies wird beim Vergleich des Münsterlandes mit Brandenburg bzw. Norddeutschlands mit dem Alpenvorland deutlich, die jeweils um eine Temperaturstufe voneinander abweichen. Temperaturgegensätze, die sich zum Beispiel in der ostwärts zunehmenden Kontinentalität äußern (abnehmende Wintertemperaturen, zunehmende Sommertemperaturen), treten durch die Mittelwertbildung über die gesamte Klimaperiode zurück. Geringere Sommertemperaturen an der Nordseeküste im Vergleich zum Alpenvorland werden durch mildere Wintertemperaturen (maritimer Einfluss; siehe auch Land-Seewind-Zirkulation) fast, aber nicht vollständig, ausgeglichen. Deshalb ist der ganzjährig milde und ausgleichende maritim-atlantische Einfluss im äußersten Westen und Nordwesten, sowie der im Jahresverlauf markantere kontinental-eurasische Einfluss in der Mitte und im Osten Deutschlands im Ansatz bereits erkennbar (vgl. auch 74.1 „Europa – Temperaturen im Januar“ und 74.2 „Europa – Temperaturen im Juli“).

Vergleich der Durchschnittstemperaturen 1901-1930 und 1991-2020

Der Kartenvergleich der beiden nahezu 100 Jahre auseinanderliegenden Klimaperioden zeigt jedoch folgenden Unterschied, der unmittelbar ins Auge fällt: Die Isothermen der Klimaperiode 1901-1930 liegen generell eine, oftmals auch zwei Temperaturstufen unter denen der Klimaperiode 1991-2020. Somit ist der Gesamteindruck der Karte links (1901-1930) heller und pastellfarbener als derjenige der Karte rechts (1991-2020), die dunkler und farbkräftiger erscheint. Der allgemeine Anstieg der Durchschnittstemperatur zwischen 1901-1930 und 1991-2020 betrifft in erster Linie die tieferen und mittleren Lagen, weniger die höheren Lagen der Mittelgebirge und der Alpen. Hier ziehen sich die Kälteinseln der Klimaperiode 1901-1030 im Vergleich zu 1991-2020 flächenmäßig zurück – in den Alpen weniger deutlich als in den Mittelgebirgen –, bleiben aber grundsätzlich erhalten. Die Ursachen des Anstiegs der Durchschnittstemperatur gehen laut den Berichten des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) des UN Umweltprogramms UNEP wesentlich auf den weiter steigenden Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) durch die Menschheit im industriellen und post-industriellen Zeitalter seit Beginn des 19. Jahrhunderts zurück (vgl. 170.2 „Treibhausgas Kohlenstoffdioxid“ und 171.3 „Klimawandel-Szenario“).

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