Deutschland - Verkehr

Deutschland - Verkehr
978-3-14-100453-3 | Seite 46 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 3500000

Überblick

Die Verkehrsinfrastruktur (also Straßen, Schienen, Flughäfen, Häfen, schiffbare Flüsse und Kanäle) ist in Deutschland sehr gut ausgebaut. Im Süden Deutschlands verbinden die Passstraßen und Tunnel Deutschland, die Schweiz, Österreich und Italien über die Alpen hinweg (sog. Alpentransit). Allerdings wurde die Verkehrsinfrastruktur nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und dem Wirtschaftswunder im Westen Deutschlands in den 1950er- bis weit in die 1980er-Jahre repariert und ausgebaut, so dass nach 50 und mehr Jahren bei gleichzeitig enormer Zunahme des Verkehrsaufkommens der Sanierungsbedarf seit Beginn der 2020er-Jahre unübersehbar groß geworden ist, besonders was Straßen und Schienen betrifft. Nach der Wiedervereinigung wurden zudem viele Mittel für die stark sanierungsbedürftige Verkehrsinfrastruktur in den neuen Bundesländern eingesetzt, so dass dort zumindest im überregionalen Straßen- und Schienenfernverkehr derzeit wenig Sanierungsbedarf besteht. Im Westen hingegen durchläuft Deutschland mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur eine langanhaltende Sanierungsphase, die zu vielen Engpässen und Zeitverzögerungen führt.

Straßennetz

Das deutsche Straßennetz umfasst mehr als 830 000 Kilometer, von denen allerdings nur gut 230 000 Kilometer auf das überörtliche Verkehrsnetz entfallen, das heißt, auf Straßen, die nicht innerhalb von Siedlungen verlaufen (Städte und Dörfer). Landes- und Kreisstraßen haben mit jeweils rund 87 000 bzw. 92 000 Kilometern Gesamtlänge daran den größten Anteil, gefolgt von Bundesstraßen (rund 38 000 Kilometer) und Bundesautobahnen (rund 13 000 Kilometer). Dort fährt auch der Großteil des immer weiter zunehmenden Pkw- und Lkw-Verkehrs: 2025 waren gut 61 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, 1990 waren es erst knapp 36 Millionen und 1960 nur 8 Millionen. Im europäischen Vergleich ist die Anzahl und Länge an befahrbaren Autobahnstrecken in Deutschland jedoch sehr groß, die Dichte liegt bei rund 36 Autobahnkilometern pro 1000 Quadratkilometer Landesfläche. Nur die Niederlande (77 km / 1000 km2), Belgien und Luxemburg (58 bzw. 57 km / 1000 km2) weisen in der Europäischen Union höhere Dichten auf.

Schienennetz

Bezogen auf das Schienennetz zeigt das Kartenbild die Hauptstrecken und einige wichtige Nebenstrecken im Personen- und Güterverkehr. Das Schienennetz deckt sich zum Teil mit den wichtigsten Autobahnverbindungen. In den alten Bundesländern hatte die Deutsche Bundesbahn (DB) in den 1960er- und 1970er-Jahren damit begonnen, einen Teil ihrer Nebenstrecken einzustellen und ihr Hauptstreckennetz zu elektrifizieren. Im Jahr 1990 verfügte die Deutsche Bundesbahn über ein Streckennetz von 26 900 Kilometern, etwa 11 700 Kilometer davon waren elektrifiziert. Die Deutsche Reichsbahn (DR) in der DDR hingegen behielt ihre überwiegend aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stammenden Nebenstrecken weitgehend bei. Sie elektrifizierte vornehmlich die wichtigen Güterverkehrsstrecken, verzichtete aber aus Kostengründen auf den Ausbau ihrer wichtigsten Strecken für höhere Geschwindigkeiten. Zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung hatte das Netz in Ostdeutschland eine Gesamtlänge von 14 000 Kilometern, davon waren 4 000 Kilometer elektrifiziert. Heute (2024) umfasst das gesamte deutsche Schienennetz 40 000 Kilometer, wovon gut 21 000 Kilometer elektrifiziert sind.

Der gezielte Ausbau von Bahnverbindungen zwischen West- und Ostdeutschland im Rahmen der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Die Hauptstrecken auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wurden im Laufe dieser Zeit fast durchgängig modernisiert und durch Neubaustrecken ergänzt, um den wachsenden Transportaufgaben gerecht zu werden. Zu den wichtigsten Ausbaumaßnahmen zählen die Hochgeschwindigkeitsstrecken von Berlin nach Leipzig sowie von Leipzig nach Dresden. Durch Neubaustrecken wie die Verbindung von Leipzig über Erfurt nach Bamberg und von Berlin nach Wolfsburg wurde Ostdeutschland in das ICE-Hochgeschwindigkeitsnetz integriert.

Auch in West- und Süddeutschland ist das Netz der Hochgeschwindigkeitsstrecken nach 1990 gewachsen. Einer der Neubauschwerpunkte in den kommenden Jahren ist die Verbindung von Karlsruhe nach Basel sowie der Abschluss des großen Eisenbahninfrastrukturprojektes Stuttgart–Ulm, gegen dessen zentrales Verkehrs- und Städtebauprojekt „Stuttgart 21“ sich 2010 massive Bürgerproteste formierten. Dieses Bahnprojekt wird voraussichtlich erst Ende der 2020er-Jahre (mindestens 10 Jahre verzögert) und unter erheblichen Kostensteigerungen (um rund das Fünffache) vollständig abgeschlossen. Die Verbindungen nach Österreich, in die Schweiz, nach Frankreich, Belgien, in die Niederlande und nach Dänemark (siehe der im Bau befindliche Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Puttgarden und Rødby) dienen der stärkeren Einbindung des deutschen Bahnnetzes in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz.

Anteile der Verkehrsträger am Personen- und Güterverkehr

Laut Bundesministerium für Digitales und Verkehr wurden 2023 rund 10 Prozent der Verkehrsleistung vom Schienenverkehr erbracht (das entspricht rund 110 Milliarden Personenkilometern), während der Großteil (knapp 80 Prozent) durch den motorisierten Individualverkehr abgewickelt wurde. Die verbleibenden 10 Prozent entfielen zu etwa gleichen Teilen auf Busse, Straßen- und U-Bahnen sowie auf den Luftverkehr. In Bezug auf das Verkehrsaufkommen (also die Zahl an beförderten Personen), entfielen 2023 4,5 Prozent auf den Schienenverkehr (2,7 Mio.) und knapp 81 Prozent auf den motorisierten Individualverkehr (Busse, Straßen- und U-Bahnen gut 14, Luftverkehr nur knapp 0,3 Prozent).

Auch im deutschen Güterverkehr ist die Eisenbahn das zweitwichtigste Transportmittel, allerdings liegt sie mit 363 Mio. Tonnen (9 Prozent) Gütermenge und 135 Mrd. Tonnenkilometern (20 Prozent) Beförderungsleistung deutlich hinter dem Straßengüter(Lkw)-Verkehr mit rund 3 421 Mio. t (85 Prozent) Gütermenge bzw. 481 Mrd. tkm (71 Prozent) Beförderungsleistung. Die Binnenschifffahrt kommt auf gut 4 Prozent der Gütermenge und gut 6 Prozent der Beförderungsleistung, Rohrleitungen (Pipelines) auf knapp 2 bzw. 2,5 Prozent, der Luftverkehr hingegen nur auf gut 0,1 (Gütermenge) bzw. gut 0,2 Prozent (Beförderungsleistung). Bei diesen Zahlen ist allerdings zu beachten, dass knapp 62 Prozent der Gütermenge und 4,5 Prozent der Beförderungsleistung auf den Nahverkehr bis 50 km Entfernung entfallen, der nicht von Güterzügen, Binnenschiffen oder gar Flugzeugen, sondern nur von Lkw durchgeführt werden kann.

Seit 2015 stagnieren die Zahlen sowohl im schienengebundenen Personen- als auch im Güterverkehr, in den Jahren vor der Pandemie (2016-2019) lagen sie sogar etwas höher. Dies deutet auf eine Überlastung der Schieneninfrastruktur hin, die nach Jahrzehnten der Zurückstellung notwendiger Erhaltungsmaßnahmen seit einigen Jahren umfänglich saniert wird, was zu teilweise erheblichen Einschränkungen im Schienenverkehr führt, die öffentlich breit diskutiert werden. Dieser Prozess wird voraussichtlich bis weit in die 2030er-Jahre und ggf. darüber hinaus andauern.

Flughäfen

In Deutschland gibt es derzeit 16 internationale Flughäfen. Ergänzt werden diese durch einige kleinere Flughäfen, auf denen bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Dortmund, Niederrhein, Hahn) meist nur regionale Flüge starten und landen. 2025 starteten und landeten insgesamt 207,2 Millionen Passagiere von deutschen Flughäfen, immer noch weniger als 2019 (226,7 Mio.). Davon entfielen alleine 63,2 Mio. Fluggäste auf die wichtigste Drehschreibe des Luftverkehrs in Deutschland, dem Flughafen Frankfurt am Main. Dort wurden im selben Jahr auch 2,1 Millionen Tonnen Luftfracht umgeschlagen.

Wasserstraßen

In Deutschland sind 7237 Kilometer Fluss- und Kanalstrecken mit Schiffen befahrbar (2024). Der wichtigste Fluss Deutschlands für den Güterverkehr ist der Rhein, der längste Kanal ist der Mittellandkanal zwischen Osnabrück und Berlin (325 km). Der mit Abstand wichtigste deutsche – und weltweit größte – Binnenhafen ist Duisburg (Umschlag 2024: 41,7 Millionen Tonnen und 3,9 Millionen TEU). Im Vergleich zu den anderen Verkehrsträgern ist in der Binnenschifffahrt von 1997 bis 2024 die Gütermenge allerdings um rund 42 Prozent und die Beförderungsleistung um 58 Prozent zurückgegangen. Der größte Seehafen ist Hamburg. Im Jahr 2024 wurden im Hamburger Hafen 111,8 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen (2017 noch 136,5 Mio. t), wovon rund 70 Prozent auf Container entfielen (7,8 Millionen TEU).

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