Deutschland - Viehhaltung - Rinder

Deutschland - Landwirtschaft
978-3-14-100453-3 | Seite 41 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 12000000

Strukturwandel und Konzentration in der Viehhaltung

Die Viehwirtschaft ist in Deutschland durch eine starke regionale Konzentration gekennzeichnet. Das Zentrum der tierischen Veredelungswirtschaft liegt in Nordwestdeutschland (Südoldenburg) und in Westfalen, wo sich weitgehend unabhängig von natürlichen Produktionsfaktoren wie Boden und Klima eine Zone intensiver Schweine- und Geflügelhaltung herausgebildet hat. Ganzjährige Stallhaltung und Verfütterung von mastgeeignetem Importfutter haben hier die Intensivviehhaltung ermöglicht. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Nähe der Mischfutterhersteller zu Seehäfen (Rotterdam, Amsterdam, Bremen, Hamburg), in denen preiswerte Futterkomponenten wie Soja angelandet werden. Allerdings führt die regional in großem Umfang anfallende Gülle in diesen Regionen zu einer starken Nitrat- und Schadstoffbelastung der Böden, Oberflächengewässer und des Grundwassers und zieht Gülletransporten in andere Regionen nach sich.

Die zunehmende Konzentration und die damit einhergehende Rationalisierung der Haltungsverfahren haben die Praxis der tierischen Erzeugung gravierend verändert. Es ist heute beispielsweise immer weniger möglich, Rinder auf der Weide grasen zu lassen, da die verfügbaren Flächen nicht ausreichen würden, um die großen Herden zu versorgen. Überdies sind die heutigen Hochleistungskühe darauf angewiesen, hochwertiges Futter in Form von Silomais, Getreide und Soja aufzunehmen, um ihren Energie- und Eiweißbedarf zu decken. Auch arbeitswirtschaftliche Gründe begünstigen die Sommerstallfütterung. Eine Tendenz zur betrieblichen Konzentration kennzeichnet auch die Schweineproduktion: Wenngleich der Schweinebestand seit vielen Jahren kontinuierlich zurückgeht und 2025 rund 21 Millionen Tiere erreicht hat, ging die Anzahl der schweinehaltenden Betriebe noch dramatischer zurück, so dass der Schweinebestand pro Betrieb anstieg.

Regionale Verteilung der Viehhaltung in Deutschland

In Deutschland und Europa hat Schweinefleisch einen überdurchschnittlich hohen Anteil am konsumierten Fleisch. Ursache für die Zuwächse in der deutschen Schweinefleischproduktion sind vor allem die seit Jahren steigenden Exporte ins Ausland, die Deutschland inzwischen den Ruf eingetragen haben, das „Schlachthaus Europas“ zu sein. Auf Niedersachsen entfällt dabei ein knappes Drittel des deutschen Schweinebestands, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (ein Viertel) und Bayern (ein Achtel). Auch in anderen Regionen haben sich, wenn auch weniger ausgeprägt, Veredlungsschwerpunkte gebildet, etwa in der Hohenloher Ebene im nördlichen Württemberg. Teilweise hat sich eine Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Veredlungsregionen entwickelt, zum Beispiel die Erzeugung von Ferkeln in einer Region und die Aufzucht in anderen Regionen, die sich vor allem auf Schweinemast spezialisiert haben, wie etwa das Münsterland. So bilden sich clusterartige Strukturen in der Viehwirtschaft heraus. In den ostdeutschen Bundesländern ist die regionale Konzentration insgesamt weniger ausgeprägt, dafür ist eine stärkere Tendenz zu größeren Betrieben zu beobachten.

Regional deutlich weniger konzentriert ist die Rinderhaltung. Schwerpunkte sind vor allem Regionen mit Grünlandstandorten. Hierzu gehören das Voralpenland, einige Mittelgebirge und das Hinterland der Nordseeküste.

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