Entstehung der Gezeiten

Die Erde im Weltall
978-3-14-100941-5 | Seite 200 | Abb. 7

Überblick

Gezeitenkräfte treten auf, wenn ein Körper im Weltraum in verschiedenen Bereichen unterschiedlichen Kräften ausgesetzt ist.

Die Entstehung der Gezeiten

Beteiligt an der Entstehung der Gezeiten sind die Gravitation (Schwerkraft) von Erde, Sonne und Mond, sowie die Zentrifugalkraft („Schleuderkraft“). Letztere entsteht, da sich streng genommen der Mond nicht um den Erdmittelpunkt dreht, sondern Erde und Mond wie eine asymmetrische Hantel um ihren gemeinsamen Schwerpunkt, der etwa 1800 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche liegt. Die Zentrifugalkraft ist an allen Punkten der Erdoberfläche gleich groß. Im Erdmittelpunkt sind die Gravitationskräfte und die Zentrifugalkraft (entgegengesetzt) gleich groß. An der dem Mond zugewandten Seite der Erde überwiegt hingegen etwas die Gravitation des Mondes (Flutberg), an der dem Mond abgewandten Seite ist sie etwas schwächer als die Zentrifugalkraft (zweiter Flutberg).

Auch die Sonne spielt hier eine Rolle. Wegen der großen Entfernung zwischen Erde und Sonne ist ihr Schwerkraft-Einfluss auf die Gezeiten aber nur etwa halb so groß wie der des Mondes. Da sich Kräfte stets aufaddieren, hängt die resultierende Gezeitenwirkung von der relativen Stellung von Sonne, Erde und Mond ab: Stehen sie in einer Linie, ist die Gezeitenwirkung am größten (Springtide), stehen sie zueinander im rechten Winkel, so ist sie am kleinsten (Nipptide).

Die Erde mit ihrer Eigendrehung, die ja viel schneller als der Mondumlauf erfolgt, dreht sich quasi unter den Flutbergen hinweg, was sich in der zweimaligen Flut bzw. Ebbe pro Tag bemerkbar macht. Die Gestalt von Küstenlinien und Meeresböden sowie die Meeresströmungen modifizieren das Geschehen lokal.

Übrigens erfahren auch die Atmosphäre und die feste Erdoberfläche Gezeitenunterschiede, letztere von bis zu 40 Zentimetern.

Schlagworte