Erde - Ernährung

Erde - Lebensbedingungen
978-3-14-100453-3 | Seite 180 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 140000000

Überblick

Der Bekämpfung von Hunger ist eines der wichtigsten Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Dennoch hat sich die Lage in den letzten Jahren eher noch verschlechtert als verbessert. Als die Entwicklungsziele 2000 formuliert wurden, gab es etwa 775 Millionen unterernährte Menschen, bis 2015 sollte ihre Zahl auf 420 Millionen sinken. Tatsächlich waren 2015 rund 795 Millionen Menschen – vor allem Frauen und Kinder – von Hunger betroffen, 2024 waren es immer noch 673 Millionen, das Entwicklungsziel wurde damit deutlich verfehlt.

Regionale Unterschiede

Zwischen den verschiedenen Weltregionen gibt es bezüglich der Nahrungsmittelversorgung große Unterschiede. Afrika südlich der Sahara ist am stärksten von Unterernährung betroffen. Die Versorgungslage hat sich dort in den letzten Jahren in manchen Ländern sogar noch verschlechtert. Hinzu kommt, dass kaum irgendwo sauberes und sicheres Wasser flächendeckend zur Verfügung steht. Eine relativ sichere Ernährungssituation gibt es im Süden des Kontinents nur in Südafrika, im Norden ist die Lage nördlich der Sahara allgemein besser. In Asien und Lateinamerika gibt es nur wenige Länder mit vergleichbaren Problemen wie im südlichen Afrika. Ein Teil dieser Länder war zum Zeitpunkt der Datenerhebung (2022) von anhaltenden Bürgerkriegen betroffen, wie Syrien, Jemen und Afghanistan. In diesen Staaten wirken sich die mit Krieg, Vertreibung und Flucht einhergehende Verringerung der Agrarproduktion und der beeinträchtigte Handel negativ auf die Versorgungslage aus. Kriegerische Konflikte erschweren auch den Import und die Verteilung von Lebensmitteln ebenso wie eine effektive Nothilfe durch NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und ausländische Helfer. Eine Befriedung der Konflikte wäre hier die Voraussetzung für eine Verbesserung der Ernährungssituation. In anderen Ländern wie Indien und Pakistan ist der Bevölkerungsanteil armer Menschen sehr hoch. Die Betroffenen verfügen nicht über ein ausreichendes Einkommen oder einen Zugang zu Landressourcen, um Nahrungsmittel kaufen oder anbauen zu können. Der Schlüssel zur Verbesserung der Ernährungssituation wäre hier die Armutsbekämpfung. In vielen Teilen der Erde, insbesondere in Entwicklungsländern, wird die Ernährungssituation seit einigen Jahren durch weltweit steigende Preise für Nahrungsmittel und durch die Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen zusätzlich verschlechtert. Dabei spielt der kommerzielle Landerwerb durch in- und ausländische Großinvestoren (Land Grabbing) ebenso eine wichtige Rolle wie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, durch den diese als global wichtiger Getreideexporteur zeitweilig ausfiel. Ein Sonderfall stellt Nordkorea dar, dass seit Jahrzehnten eine notorisch schlechte Ernährungslage in einem ansonsten relativ weit entwickelten und befriedeten Land aufweist. Hier gibt ein kommunistisch-diktatorisches Regime erntebedingte Nahrungsmittelausfälle, die durch schlechtes Wetter oder durch planwirtschaftlich bedingte Ausfällen von Produktionsmitteln bedingt sind, unmittelbar an die eigene Bevölkerung weiter und stärkt durch diese Form des „Staatsterrors“ seine Position.

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