Europa - Politische Übersicht

Europa - Staaten und Sprachen
978-3-14-100394-9 | Seite 60 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 24000000

Überblick

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lässt die Landkarte von Europa weitreichende Veränderungen der politischen Grenzen erkennen. Ursachen hierfür sind insbesondere der Zusammenbruch des Ostblocks in den Ländern Mittel- und Südosteuropas und der Zerfall der Sowjetunion.

Zusammenbruch des Ostblocks

Europa war seit Mitte der 1940er-Jahre bis in die späten 1980er-Jahre durch den Ost-West-Konflikt in zwei verfeindete Blöcke geteilt. Auf der einen Seite gab es die Ostblockstaaten unter Führung der Sowjetunion und auf der anderen Seite die Westmächte unter Führung der USA. Zu den europäischen Staaten des Ostblocks zählten neben der DDR beispielsweise auch die Volksrepublik Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien. Als Michail Gorbatschow im Jahr 1985 Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) wurde, veränderte sich die Außenpolitik der Sowjetunion gegenüber ihren Satellitenstaaten (bzw. Ostblockstaaten) entscheidend. Das Reformprogramm „Perestroika“ (russisch: Umgestaltung, Umstrukturierung) und der hiermit im engen Zusammenhang stattfindende Demokratisierungsprozess „Glasnost“ (russisch: Offenheit) führten in diesen Ländern zum Übergang zur demokratischen Staatsform.

Veränderte politische Grenzen

Der Zusammenbruch des Ostblocks ermöglichte zum einen den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990, und damit die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Zum anderen aber auch die Teilung der Tschechoslowakei in die Tschechische Republik (seit 2016 offizielle Bezeichnung: Tschechien) und die Slowakei, die 1993 erfolgte. Auch der Vielvölkerstaat Jugoslawien zerfiel in den 1990er-Jahren infolge mehrerer Kriege in die sechs autonomen Staaten Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Mazedonien sowie Montenegro. Zudem verkündete im Februar 2008 das Parlament der autonomen serbischen Provinz Kosovo seine Unabhängigkeit. Auch wenn Serbien die Republik Kosovo weiterhin als autonome Provinz betrachtet, haben mittlerweile 114 UN-Mitgliedsstaaten den Kosovo als unabhängig anerkannt.

Zerfall der Sowjetunion

Auch in der Sowjetunion selbst machten sich bald nach dem oben genannten politischen Kurswechsel nationale Befreiungsbestrebungen bemerkbar. Insbesondere die Nationen an der Westgrenze, die Kaukasusvölker und die islamischen Volksgruppen in Zentralasien strebten ihre Unabhängigkeit an. Der erfolgreiche Abspaltungsprozess zahlreicher Länder führte zum völligen Zusammenbruch der Sowjetunion, die im Dezember 1991 formell aufgelöst wurde. Auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gründeten sich 15 unabhängige Staaten: Neben Estland, Lettland und Litauen im Baltikum handelt es sich hierbei um Weißrussland, die Ukraine, Moldawien, Georgien, Russland, Kasachstan, Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan (wobei die vier letztgenannten Staaten vollständig in Asien liegen). Mit der Besetzung der Halbinsel Krim im März 2014, der Unterstützung einer vorgeblich separatistischen Abspaltung der Industrie- und Bergbauregion Donbass sowie dem Angriff auf die restliche Ukraine im Februar 2022, versucht das seit den 2000er-Jahren zunehmend autokratisch-diktatorisch geführte Russland ein wichtiges Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu besetzen. Ähnliche mittel- oder unmittelbare Vorstöße gab es bereits in Georgien (1990/2008 Südossetien, 1994 Abchasien) und Moldau (1990/92 Transnistrien).

Zwergstaaten und Autonomiegebiete

Grönland und die Färöer-Inseln sind Teile des dänischen Staates mit Autonomiestatus.

Zu Norwegen zählt das Außengebiet Svalbard, das die Inselgruppe Spitzbergen und die Bäreninseln umfasst.

Gibraltar ist seit 1704 in britischem Besitz. 1967 votierte in einer Volksabstimmung eine überwältigende Mehrheit für den Verbleib bei Großbritannien, seit 1969 verfügt die Halbinsel über eine eigene Verfassung.

Liechtenstein bildet seit 1923 eine Rechts-, Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft mit der Schweiz.

Das parlamentarische Fürstentum Monaco ist mit Frankreich durch eine Zollunion verbunden.

Andorra ist seit 1993 ein souveränes parlamentarisches Fürstentum mit zwei Staatsoberhäuptern: dem französischen Staatspräsidenten und dem Bischof von Urgell (Spanien).

San Marino ist eine parlamentarische Republik in Zollunion mit Italien.

Die Kanalinseln und die Isle of Man gehören direkt zur britischen Krone, aber nicht zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland und auch nicht zur Europäischen Union; sie haben eigene Regierungen.

Die Vatikanstadt ist aufgrund der Lateranverträge mit Italien von 1929 selbstständig.

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