Israel/Palästina - Siedlungsgebiete
Überblick
Die Karte zeigt das Gebiet des Staates Israel, die von Israel besetzten Gebiete (Teile des Westjordanlandes sowie die syrischen Golanhöhen) sowie die palästinensischen Autonomiegebiete (Teile des Westjordanlandes und den gesamten Gazastreifen). Derzeit hat der Staat Israel einschließlich Jerusalem 10 Millionen Einwohner, davon sind 77 Prozent Juden, 21 Prozent Muslime und zwei Prozent Christen (Stand 2025). Im Staat Palästina, der mittlerweile von 157 Staaten der Welt offiziell anerkannt wurde, leben insgesamt 5,6 Millionen Menschen, davon 3,6 Millionen im Westjordanland und 2 Millionen im Gazastreifen. Mit fast 6000 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört der Gazastreifen zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde. Ein Großteil der Bevölkerung im Gazastreifen lebt in einem der vielen Flüchtlingslager. Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem leben neben den Palästinensern fast 700 000 jüdische Siedler.
Entwicklung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern
Der erste Nahostkrieg von 1948 endete mit der Waffenstillstandslinie von 1949, die fast 20 Jahre lang die Grenze des Staates Israel bildete und die Stadt Jerusalem teilte. Eine Mauer verwehrte den Israelis den Zugang zu ihren heiligen Stätten in Ost-Jerusalem, insbesondere zur „Klagemauer“.
Durch den Sieg im Sechstagekrieg 1967 verschaffte sich Israel Kontrolle über das Westjordanland, die syrischen Golanhöhen, den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel; aus Letzterer zog sich Israel später wieder zurück, aus den anderen besetzten Gebieten nicht. Durch die Eroberung Ost-Jerusalems wurde die geteilte Stadt aus israelischer Sicht „wiedervereinigt“. Die Siedlungspolitik zielte ab 1967 verstärkt darauf ab, durch die Errichtung jüdischer Siedlungen eroberte Gebiete zu sichern, vor allem im Großraum Jerusalem. Auf etwa einem Drittel der Fläche Ost-Jerusalems wurde palästinensisches Land enteignet, um darauf zehn Siedlungen zu errichten, denen viele weitere folgten. Obwohl der Siedlungsausbau international scharf kritisiert wurde, weil er gegen das Völkerrecht verstieß, trieb ihn der nationalkonservative Likud-Block nach seiner Regierungsübernahme 1977 gezielt voran, unter anderem durch finanzielle Anreize für Siedler. 1980 wurde der Ostteil Jerusalems durch das „Jerusalemgesetz“, das die Stadt zur ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels erklärte, förmlich annektiert. Auch nachfolgende Regierungen förderten den Siedlungsbau. Nach einem zeitweiligen Aussetzen während der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern wird er seit 2017 wieder verstärkt betrieben. Für die Palästinenser hat die Siedlungspolitik zu einer starken Zerstückelung ihres Territoriums geführt, die dessen urbane und infrastrukturelle Entwicklung bis heute erschwert. Die palästinensische Landwirtschaft leidet sowohl unter Landverlusten als auch unter der Absperrung von Wasserquellen. Durch das Gaza-Jericho-Abkommen 1994 zwischen Israels Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin und Jassir Arafat von der PLO wurden die Palästinensischen Autonomiegebiete geschaffen, die aus dem Gazastreifen und großen Teilen des Westjordanlandes bestehen. Doch durch den Mord an Rabin (1995) und zahlreiche terroristische Attentate verhärteten sich die Fronten wenig später erneut. Als Ministerpräsident Ehud Barak 1999 die israelischen Truppen aus dem Südlibanon zurückzog, kam wieder Bewegung in den Annäherungsprozess, doch die unter Vermittlung der USA in Camp David begonnenen Verhandlungen scheiterten. Baraks Nachfolger Ariel Sharon provozierte mit seinem Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg (2000) die Zweite Intifada. Auf die nun einsetzende Welle von Selbstmordattentaten auf israelische Zivilisten reagierte Israel mit Militärschlägen, zeitweiligen Grenzschließungen und dem Bau befestigter Grenzanlagen und einer Mauer, die beide zum Teil direkt durch palästinensische Wohngebiete verlaufen. Ein Zeichen für eine Deeskalation des Dauerkonflikts war im Sommer 2005 der Abzug von rund 7000 Siedlern aus dem Gazastreifen und aus vier Siedlungen im Westjordanland. Dennoch kam es auch in der Folgezeit immer wieder zu gewaltsamen Zwischenfällen, die zum Teil von palästinensischer Seite gezielt provoziert wurden, etwa durch den Abschuss von Kurzstreckenraketen aus dem Gazastreifen und durch Selbstmordattentate. Im Sommer 2014 wurden bei schweren Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Gruppen und der israelischen Armee im Gazastreifen rund 18 000 Wohneinheiten und große Teile der Infrastruktur stark zerstört. Der Wiederaufbau gestaltete sich sehr mühsam. Im Mai 2018 eröffneten die USA ihre von Tel Aviv nach Jerusalem verlegte Botschaft und erkannten damit Jerusalem als Hauptstadt Israels an, was zu neuen Aufständen der Palästinenser führte.
Am 7. Oktober 2023 kam es zu einem Terroranschlag der durch den Iran unterstützten palästinensischen Organisation Hamas auf ein israelisches Musikfestival unmittelbar jenseits der befestigten Grenze um den Gazastreifen, sowie auf nahegelegene israelische Siedlungen. Dabei wurden nahezu 1200 Jüdinnen und Juden auf teilweise grausame Weise ermordet, über 5000 Menschen wurden verletzt, vergewaltigt oder brutal misshandelt und 250 Personen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Es handelte sich um den größten Massenmord an Menschen jüdischen Glaubens seit dem von Deutschland verübten Holocaust im Zweiten Weltkrieg. Als Reaktion griff die israelische Armee die Hamas im Gazastreifen mit dem Ziel an, sie zu vernichten – zunächst massiv aus der Luft, ab dem 28. Oktober auch mit Bodentruppen und schwerem Kriegsgerät. Dieser Krieg vollzog sich in mehreren Wellen und Etappen – er führte jedoch bereits Ende 2023 dazu, dass sich fast die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens (2,2 Millionen Menschen) innerhalb der weniger als 400 hermetisch abgeriegelten Quadratkilometer auf der Flucht befand und Gebäude sowie jegliche Infrastruktur stark oder nahezu vollständig zerstört wurden. Diese Lage hielt an, bis zwischen Januar und März und erneut ab Oktober 2025 zwei vom amerikanischen Präsidenten vermittelte, zeitweilig sehr brüchige Waffenstillstände zwischen Israel und der weiterhin nicht ausgelöschten Hamas geschlossen wurden. Zuvor war es im Verlauf des Jahres 2024 zu einer schweren Versorgungskrise im Gazastreifen und zu mehreren Zehntausend palästinensischen Opfern gekommen. Erst mit den Waffenstillständen wurde der Gazastreifen Richtung Ägypten und Israel geöffnet, so dass mehr Hilfslieferungen in den Gazastreifen gelangten. Neben dem Konflikt dort griff Israel wiederholt die Verbündeten der Hamas – den Iran, die libanesische Hisbollah und die jemenitischen Huthi – mit gezielten, ausgedehnten Luftschlägen an. Im Sommer 2025 beteiligten sich auch die USA an diesen Kampfhandlungen gegen den Iran, der seinerseits wiederum Raketen und Drohnen Richtung Israel abfeuerte. Im Juni 2025 gipfelte die eskalierende Lage in einem offenen Kurzkrieg zwischen Israel und Iran, der nach 6 Monaten einer relativen Ruhe ab Ende Februar 2026 unter Beteiligung der USA auf israelischer Seite mit dem Ziel eines „Regime Change“ gegen Iran und seine Proxies fortgesetzt wurde. In diesen Großkonflikt wurden auch die arabischen Golfstaaten hineingezogen und der Weltmarktpreis für Erdöl stieg schnell an.