Lübeck - Befestigte Stadt 1775

Lübeck - Räume im Wandel
978-3-14-100453-3 | Seite 28 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 20000

Überblick

Die Ausdehnung von Lübeck hat sich seit dem ausgehenden Mittelalter kaum verändert – auch bedingt durch die topographische Lage zwischen den beiden Flüssen Trave und Wakenitz. Auffallend ist der Bedeutungsverlust des Hafens, verursacht durch den vermehrten Handel über Landverbindungen und insbesondere durch den verstärkten Handel mit Massengütern anstatt mit hochwertigen Waren. Dadurch verlagerten sich die Fernhandelsströme nach Westen und die Hanse verlor im 16. und 17. Jahrhundert ihre einstige Bedeutung (der letzte Hansetag fand 1669 statt). Im 18. Jahrhundert war es vor allem die Verteidigungsfunktion, die das Erscheinungsbild der Stadt bestimmte.

Befestigungsanalgen

Im 17. Jahrhundert wurde das Befestigungssystem der Stadt grundlegend erneuert. Der Hintergrund dafür war der Dreißigjährige Krieg, der im ganzen Reich zu verstärkten Schutzmaßnahmen führte. Die Planungen orientierten sich am sogenannten Bastionärsystem, einem modernen Verteidigungskonzept, das besonders in Frankreich durch den Festungsbaumeister Vauban weiterentwickelt worden war.

Vor allem an der Westseite der Stadt, entlang der Trave, entstand ab 1613 eine große Festungsanlage. Sie wurde vom Niederländer Johan van Valckenburgh entworfen und bestand aus spitzwinkligen Bastionen und einem vorgelagerten Stadtgraben. Auf der gegenüberliegenden Seite dieses Grabens errichtete man zusätzlich eine Mauer. Auch die vier Stadttore wurden in das Befestigungssystem einbezogen, darunter das Holstentor an der Straße nach Hamburg.

Auf der Ostseite, entlang der Wakenitz, fiel die Anlage deutlich weniger umfangreich aus. Aus Kostengründen entstanden hier nur einzelne Bastionen. Zudem bot die Landschaft selbst einen guten Schutz: Die aufgestaute Wakenitz war an dieser Stelle sehr breit, und das gegenüberliegende Ufer – die von der Wakenitz umflossene Falkenwiese – war zum Teil sumpfig und daher schwer zu überwinden.Insgesamt haben die Arbeiten (mit Unterbrechungen) einige Jahrzehnte gedauert. Erst 1670 wurde der letztendliche Zustand erreicht. Auch dank der Befestigung überstand die Hansestadt das 17. und 18. Jahrhundert weitgehend glimpflich (so im Dreißigjährigen Krieg 1618–1648 und im Siebenjährigen Krieg 1756–1763).

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwand die Notwendigkeit massiver Festungsanlagen, sodass diese geschleift und überwiegend in Parkanlagen umgestaltet wurden