Mannheim - Residenzstadt um 1850
Planung und Entstehung von Mannheim
Mannheim ist keine gewachsene Stadt, sondern wurde auf dem Reißbrett als eine Doppelanlage – bestehend aus der Festung Friedrichsburg und der Stadtanlage – zu Beginn des 17. Jahrhunderts geplant. Die Straßen innerhalb der Festung, die nach dem Stadtgründer Friedrich IV. benannt war, verliefen in der Form eines Sternes. Die Stadtanlage wurde mit einer rechtwinkligen Straßenstruktur ähnlich einem Schachbrett geplant. Diese klaren Grundrisse einer Stadt (sternförmig oder rechtwinklig) waren modern in der Zeit der Renaissance (15.–17. Jahrhundert). Innerhalb dieser Kunstepoche wurde der Stil der Antike wieder aufgegriffen. Eine klare Stadtstruktur, wie sie bereits im Römischen Reich vorherrschte, galt in der Renaissance erneut als Ideal der Stadtplanung.
Als Standort der Stadt Mannheim und der Festung Friedrichsburg eignete sich aus strategischen Gründen die Lage innerhalb der Mündung von Rhein und Neckar. In diesem Bereich befand sich das Dorf Mannheim, das zum Namensgeber der Stadt wurde. 1606 begann der Bau der Anlage. Ein Jahr später bekam Mannheim bereits die Stadtrechte verliehen, obwohl die Stadt erst ab 1610 so weit erbaut war, dass sie städtische Funktionen übernehmen konnte. In dieser Zeit hatte Mannheim 1 200 Einwohnerinnen und Einwohner
Entwicklung bis zum 19. Jahrhundert
Im Laufe der Stadtgeschichte wurde Mannheim mehrfach durch Kriege zerstört. Die erste Zerstörung ereignete sich bereits im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), die zweite durch den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697). Die Stadt musste im Zuge dessen wiederaufgebaut und umgebaut werden. Ab 1720 wurde Mannheim zur Hauptstadt der Kurpfalz und zur Residenzstadt. Im Stadtbild zeigte sich dies, indem an der Stelle der Friedrichsburg das Residenzschloss mit einem ausgedehnten Schlosspark am Rhein entstand. In der Folgezeit wurden auch die Festungsanlagen, die sowohl die Burg als auch die Stadt umschlossen, zu Grünanlagen umgewandelt. Erhalten vom einstigen Stadtgrundriss blieb über die Jahrhunderte hinweg nur die Struktur der Quadrate im Bereich der Stadtanlage. Diese Struktur prägt noch heute das Stadtbild (siehe Karte 29.3 „Mannheim Innenstadt 2025“).
Mannheim entwickelt sich zum Wirtschaftszentrum
Erhebliche Veränderungen ergaben sich für Mannheim mit der Erschließung des Rheins für die Schifffahrt. Als Endpunkt der Großrheinschifffahrt auf dem Oberrhein wurde Mannheim zu einem Wirtschaftszentrum und eröffnete 1828 einen Freihafen am Rhein. Von 1834 bis 1876 wurden die Hafenanlagen weiterausgebaut. 1840 wurde Mannheim ebenfalls an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Der Bahnhof, von dem aus Züge in Richtung Heidelberg fuhren, befand sich am östlichen Stadtrand. Mannheim hatte zu dieser Zeit etwa 25 000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Weiterentwicklung der Stadt nach 1850
Begünstigt durch die Lage am Rhein und Neckar erhielt die Stadt Mannheim im Verlauf des 19. Jahrhunderts eine immer größere Bedeutung als Handels- und Industriestadt. Neue Bereiche im Umkreis Mannheims wurden für Industrieanlagen, für den Hafenausbau sowie für den Bau neuer Wohnviertel erschlossen. Die Stadt wuchs zum Ende des 19. Jahrhunderts über den Ring der ursprünglichen Festungsanlage hinaus und verzeichnete immer höhere Bevölkerungszahlen.