Mitteleuropa - Physische Karte
Überblick
Die Grenzen Mitteleuropas sind nicht eindeutig festgelegt. Einigkeit besteht nur darin, dass ein zentraler Teil des Kontinents Europa gemeint ist. Naturräumliche und klimatische Abgrenzungen sowie Abgrenzungen hinsichtlich der Vegetation fallen anders aus als historische oder politische Grenzen. Im Allgemeinen werden folgende Länder zu Mitteleuropa gerechnet: Deutschland, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich sowie Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Manchmal gelten auch Slowenien und Kroatien als mitteleuropäische Staaten. So vielfältig sich die Länder von den Küsten der Nord- und Ostsee bis zum Hochgebirge der Alpen zeigen, so abwechslungsreich sind die unterschiedlichen Landschaftstypen, die sich in den Ländern Mitteleuropas finden.
Naturräumliche Abgrenzung Mitteleuropas
Verfolgt man eine Abgrenzung nach naturräumlichen Großeinheiten, kommt man vor allem im Osten nur zu einer unscharfen Grenze. Zwar ist nach Westen der Rhein eine deutliche Grenze zu Westeuropa und nach Norden sind es die Küsten von Nord- und Ostsee. Doch die östliche Grenze ist schwieriger zu bestimmen. Häufig werden die Flüsse Bug und Theiß als Grenzlinie herangezogen. Der Raum Mitteleuropa insgesamt wird durch diese Grenzen allerdings nur grob umrissen.
Klimatische Abgrenzung Mitteleuropas
Ebenso unscharf ist die Festlegung Mitteleuropas durch das Klima (vgl. 75.5 „Europa – Klimazonen“): In Nordeuropa ist es kühlgemäßigt bis kalt. In Westeuropa bestimmt der Einfluss des Meeres das Klima: Das Klima ist maritim und warmgemäßigt. Südeuropa hat mildes, mediterranes Klima und in Osteuropa überwiegen die Extreme des kontinentalen Klimas mit kalten Wintern und heißen Sommern. Genau zwischen diesen Gegensätzen findet sich das mitteleuropäische Klima wieder. Der maritime Einfluss, der ein mildes Klima entstehen lässt, nimmt von West nach Ost ab. Die Temperaturen steigen von Nord nach Süd. Die Kontinentalität nimmt von Westen nach Osten zu. Nach Osten hin gibt es demnach wärmere Sommer, aber auch längere und kältere Winter. Klimatisch ist der mitteleuropäische Raum ein Übergangsbereich.
Landschaften Mitteleuropas
Mitteleuropa ist topographisch und naturräumlich sehr vielfältig mit Küsten, weiten Tiefländern (in der Karte in grünen Farbtönen dargestellt), Mittelgebirgen (in gelben bis beigen Farbtönen dargestellt) und Hochgebirgsräumen (in orangenen bis braunen Farbtönen dargestellt). Die Mittelgebirge zählen zum Teil zum variszischen Grundgebirge (ca. 300 Mio. Jahre alt), zum Teil zum mesozoischen Deckgebirge, sofern jüngere Sedimentauflagen erhalten geblieben sind (vgl. 72.1 „Europa – Alter der Gebirge“). Lokal finden sich auch junge Vulkangebiete. Die Hochgebirgsräume Mitteleuropas gehen auf die alpidische Gebirgsbildung zurück, die an der Wende von der Unter- zur Oberkreide vor rund 90 Mio. Jahren begann und gegen Ende des Tertiärs im späten Miozän die höchste Aktivität der Hebung erreichte. Zur topographischen Heterogenität kommt hinzu, dass es sich klimatisch wie bereits erwähnt, um einen Übergangsraum handelt, der zwischen dem kalten Nordeuropa und dem warmen Süden sowie dem maritimen Westeuropa und dem kontinentalen Osteuropa vermittelt. Daraus ergeben sich unterschiedliche Landschaftseinheiten und Landschaftstypen, die Mitteleuropa charakterisieren.
Den Norden Mitteleuropas prägen die Küstenlandschaften mit ihren vorgelagerten Inseln sowie die südlich anschließenden Tiefländer. Diese Regionen sind von den Eiszeiten und der Nacheiszeit geprägt. Mächtige Gletscher des skandinavischen Eisschildes schufen während der pleistozänen Eiszeiten in Mecklenburg-Vorpommern und in Masuren (Polen) weite Seenlandschaften. Im Westen reichte die maximale Ausdehnung der Vereisung bis südlich von Berlin, im Osten etwa bis Lemberg. Südlich der vergletscherten Bereiche entstand ein breiter Lössgürtel, der heute die Grundlage einer ausgedehnten landwirtschaftlichen Nutzung ist. Nach Süden hin schließen sich an die glazial geprägten Tiefländer die großräumigen Mittelgebirgslandschaften, die in Deutschland unter anderem mit Harz, Eifel, Hunsrück, Taunus, Thüringer Wald, Schwarzwald und Bayerischem Wald besonders vielfältig und abwechslungsreich sind. Auch Tschechien und die Slowakei sind stark von Mittelgebirgen geprägt. An der Grenze zwischen der Slowakei und Polen findet sich die gemeinhin als kleinstes Hochgebirge des Kontinents bezeichnete Hohe Tatra (bis 2654 m), obwohl auch die Schneekoppe (1603 m) im Riesengebirge und lokal die Waldkarpaten Hochgebirgszüge tragen. Die sehr viel größeren Alpen grenzen Mitteleuropa im Südwesten (s. Karte 68.1) zum Mittelmeerraum mit seinem bereits subtropischen Klima ab, im Südosten (s Karte 70.1) liegen die weitgespannten Tiefländer der ungarischen Puszta.