Niedersachsen und Bremen - Wirtschaft und Verkehr

Niedersachsen und Bremen - Wirtschaft
978-3-14-100371-0 | Seite 20 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 1500000

Überblick

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte in Niedersachsen sind regional unterschiedlich verteilt. Eine große Bedeutung haben die Unternehmen der Automobilwirtschaft, die ihre Standorte überwiegend im Wirtschaftsraum Wolfsburg/Hannover/Braunschweig haben.

Auto und Wissenschaft

Der Wirtschaftsraum Wolfsburg/Hannover/Braunschweig bildet das größte Verbundnetz der Automobilwirtschaft in Europa. Dort sind Produzenten und Zulieferer der Automobilindustrie z. B. eng mit Forschungsinstituten und Dienstleistungsunternehmen verknüpft. Die Volkswagen AG mit Hauptsitz in Wolfsburg hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg zu einem global agierenden Konzern mit heute über 100 Produktionsstandorten weltweit entwickelt. In Deutschland betreibt Volkswagen weiterhin große Werke in Wolfsburg, Braunschweig, Emden, Salzgitter und Osnabrück. Während Wolfsburg das größte Automobilwerk Europas bleibt, ist Emden seit 2022 ein auf Elektromobilität umgestellter Standort, an dem Modelle wie der ID.4 (2022) und der ID.7 (2023) produziert werden. Unsicherheiten im Hinblick auf die Zukunft zeigen sich seit einigen Jahren am Standort Osnabrück. Hier wird sich die zukünftige Entwicklung der bisherigen Produktion und ihrer Strukturen bald zeigen.

Die Stadt Braunschweig entwickelt sich zunehmend zu einem Wissenschaftsstandort mit der Technischen Universität und wichtigen Forschungseinrichtungen wie der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Am Forschungsflughafen Braunschweig-Wolfsburg werden wichtige Instrumente für die Flugverkehrssicherheit entwickelt. Zudem wird in der PhysikalischTechnischen Bundesanstalt (PTB) mit hochpräzisen Atomuhren die offizielle deutsche Zeit bestimmt. Dadurch gilt Braunschweig als wichtiges Zentrum der nationalen Zeitbestimmung.

Mehrere international bedeutende Industrieunternehmen haben ihren Sitz in der Landeshauptstadt Hannover. Dazu zählt die Continental AG, ein weltweit tätiger Automobilzulieferer und Reifenhersteller mit Hauptsitz in Hannover. Ebenfalls in Hannover ansässig ist Clarios (ehemals Johnson Controls Power Solutions), der Weltmarktführer für Energiespeicherlösungen und Betreiber der Europa‑Zentrale sowie eines großen Batteriewerks im Stadtteil Stöcken.

Außerdem ist Hannover ein wichtiger Wissenschaftsstandort. Mit der Leibniz Universität, der Medizinischen Hochschule Hannover sowie der Hochschule Hannover und der Tierärztlichen Hochschule gibt es hier mehrere bedeutende Hochschulen. Außerdem sind in der Stadt zahlreiche Forschungsinstitute auf Bundes- und Landesebene angesiedelt, die in Bereichen wie Medizin, Technik und Naturwissenschaften arbeiten. Dadurch gehört Hannover zu den führenden Forschungszentren in Niedersachsen.

In Peine, Salzgitter und im Raum Osnabrück ist u. a. die Eisen- und Stahlindustrie ansässig. In Salzgitter werden zudem Motoren von VW sowie Busse und Lkw von MAN gebaut.

Als Küstenstandort an der Wesermündung verfügt Bremerhaven sowohl über den größten Fischerei- als auch den bedeutendsten Autoverladehafen Europas. Seit den 1970er-Jahren hat sich aus dem Überseehafen einer der umschlagkräftigsten Containerhäfen Deutschlands entwickelt.

Energie und Energiewende

Niedersachsen ist für Deutschlands Energiegewinnung besonders wichtig. Fast das gesamte heimische Erdgas kommt von hier: 2024 stammten rund 4,1 von insgesamt 4,2 Milliarden Kubikmetern aus niedersächsischen Feldern, vor allem in den Regionen zwischen Weser–Ems sowie Elbe–Weser, was einem Landesanteil von etwa 99 Prozent entspricht. Auch bei Erdöl bleibt Niedersachsen ein wichtiger Förderstandort.

Die vielen großen Windparks sind für den Bereich der erneuerbaren Energien entscheidend. Niedersachsen erbringt ein Viertel der deutschen Windenergieleistung. Im Offshore-Bereich soll diese Leistung weiter ausgebaut werden.

Gleichzeitig hat das Land den Atomausstieg vollzogen. Das Atomkraftwerk Grohnde wurde am 31. Dezember 2021 endgültig abgeschaltet und befindet sich mit erteilter Stilllegungs und Abbaugenehmigung im Rückbau. Das Atomkraftwerk Emsland in Lingen ging am 15. April 2023 im Rahmen des bundesweiten Ausstiegs endgültig vom Netz.

Auch bei den Bergbaustandorten hat sich viel verändert. Im Helmstedter Revier endete 2016 der Braunkohleabbau im Tagebau Schöningen, das Kraftwerk Buschhaus ist seit 2020 vollständig stillgelegt. In Wunstorf (Bokeloh) wurde der Kaliabbau 2018 beendet und der Altstandort wird geflutet, während in Grasleben weiterhin Steinsalz gewonnen und verarbeitet wird.

Dienstleistung

Hannover ist ein international bedeutender Messestandort mit der weltweit führenden Hannover Messe. Als größter Touristikkonzern Europas hat TUI seinen Konzernsitz in Hannover. Außerdem ist Hannover ein wichtiger Versicherungsstandort: Hier sitzen die TalanxGruppe und die Hannover Rück. Diese sind zwei sehr große Versicherungsunternehmen, die in vielen Ländern tätig sind und von Hannover aus gesteuert werden.

Transport und Verkehr

Autobahnen und Bundesstraßen knüpfen vor allem im südlichen, dichter besiedelten Niedersachsen ein gut ausgebautes Netz und dienen als Drehscheibe für den internationalen Verkehr. Die Autobahn A2 verbindet Niedersachsen mit europäischen Ländern in Ost und West, darunter die Niederlande, Frankreich und Polen. Die A7 ist eine wichtige Transportstrecke zwischen Nord und Süd.

Elbe, Weser und Ems sind wichtige Binnenwasserstraßen, die u. a. über den Mittellandkanal, den Küstenkanal und den Elbe-Seiten-Kanal in das deutsche Kanalnetz eingebunden sind. Die wichtigsten Flughäfen befinden sich mit dem Hannover Airport in der Landeshauptstadt sowie – außerhalb der Landesgrenzen – in Bremen und Hamburg

Wirtschaftsstandort Bremen

Nach Hamburg ist Bremen die größte deutsche Außenhandelsmetropole und ein bedeutender Standort für die Stahlindustrie, die Elektronik, die traditionelle Nahrungs- und Genussmittelindustrie (u. a. Kaffeeröstereien und Brauereien), den Schiff- und Kraftfahrzeugbau sowie die Raum- und Luftfahrttechnik. In den letzten Jahren hat eine Entwicklung zum Hightech-, Wissenschafts- und Dienstleistungszentrum stattgefunden.