Nord- und Mittelamerika - Wirtschaft (Übersicht)

Nord- und Mittelamerika - Wirtschaft
978-3-14-100453-3 | Seite 152 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 36000000

Überblick

Die Karte gibt einen Überblick über die wichtigsten Bergbau-, Industrie- und Dienstleistungsstandorte sowie über die Transport- und Verkehrswege in Nord- und Mittelamerika.

Wirtschaftszentren

Innerhalb Nord- und Mittelamerikas lassen sich mehrere große Wirtschaftszentren unterscheiden (siehe auch Karte 155.2 „USA – Hauptwirtschaftsräume“):

– der Manufacturing Belt der USA von Boston bis Chicago,

– die Städtereihe Toronto/Montréal/Quebec im Südosten Kanadas,

– eine Reihe von Einzelstandorten von Phoenix über Dallas und Houston bis Atlanta, die zusammen den Sunbelt der USA bilden,

– im äußersten Nordwesten der USA bzw. im äußersten Südwesten Kanadas der Raum Portland/Seattle/Vancouver mit starken Hightech-Industrien,

– in Kalifornien die San Francisco Bay Area (mit dem Hightech-Standort Silicon Valley, siehe Karte 153.4 „Silicon Valley – Informationsgesellschaft“) und die Stadtlandschaft von Los Angeles bis San Diego (und Tijuana in Mexiko),

– die Agglomeration Mexiko-Stadt, von dort ausgreifend westlich bis León und Guadalajara bzw. östlich zur Golfküste,

– die Pazifikküste von Guatemala-Stadt über alle Hauptstädte der mittelamerikanischen Landbrückenstaaten bis Panamá-Stadt.

Primärer Sektor

Die größten Erdöl- und Erdgasfelder Amerikas befinden sich im US-Bundesstaat Texas und in Alaska, wo die Ölvorkommen rund 85 Prozent der Einnahmen dieses Bundesstaates ausmachen. Über die Trans-Alaska-Pipeline wird das Öl über 1000 Kilometer Richtung Süden in die „Continguous USA“ oder „Conterminous USA“ transportiert, also jene 48 Bundesstaaten zwischen Kanada und Mexiko, die ein zusammenhängendes Territorium bilden. Seit der Jahrtausendwende verbreiteten sich besonders in Nordamerika neue Methoden der Erdgas- und Erdölgewinnung, das sogenannte „Fracking“. Dabei werden mittels Zufuhr von aggressiven Substanzen kleinste Risse und Spalten in undurchlässigen Gesteinsformationen geweitet oder stabilisiert, um somit den allmählichen Abfluss und die nachfolgende Förderung von zuvor unerreichbaren Erdgas- und Erdölvorkommen zu ermöglichen. Fracking ist kostenintensiver und umweltschädlicher als die klassische Erdöl- und Erdgasförderung in durchlässigen Gesteinen und Sedimenten, hat die USA aber je nach der aktuellen Weltpreisentwicklung zeitweilig vom Importeur zum Exporteur dieser fossilen Energierohstoffe werden lassen.

Sekundärer Sektor

Auffällig bei der Verteilung der Industrie ist die Konzentration der meisten wichtigen Branchen (Elektro, Eisen) auf die USA. Hier haben sich mehrere Wirtschaftszentren herausgebildet (siehe oben), wobei die traditionellen US-Standorte der Eisen- und Metallerzeugung und -verarbeitung (Schwerindustrie) zwischen Chicago und der Ostküste (ehemals der „Manufacturing Belt“, heute der „Rust Belt“) in den vergangenen 50 Jahren erhebliche Strukturkrisen mit vielen Arbeitsplatzverlusten durchwandert haben. Eine gewichtige Ursache dafür ist die im Zuge der Globalisierung erfolgte Abwanderung der Schwerindustrie und des verarbeitenden Gewerbes nach Ostasien (China). Demgegenüber gelang es den zuvor wenig industrialisierten US-Bundesstaaten des Südens und Sunbelts neuere Leicht- und innovative Hightech-Industrien anzusiedeln, gerade auch durch die Verbindung mit führenden Universitätsstandorten und Forschungs- und Entwicklungszentren für US-amerikanische Rüstungs-, Raumfahrt- und Luftfahrtprogramme.

In Mexiko haben sich im Zuge der Freihandelszone zwischen Kanada, den USA und Mexiko (früher NAFTA, seit 2018 USMCA) an der US-mexikanischen Grenzen sowie in den Städten des mexikanischen Nordens Verarbeitungszentren verschiedener Branchen etabliert, die Zwischenprodukte für die Endfertigung in den USA erzeugen, sogenannte „Maquiladoras“. Dies gilt besonders für die Produktion von kleineren Elektronikteilen, aber auch größeren Komponenten, sowie für die Textilindustrie.

Tertiärer Sektor

Der tertiäre Sektor wird durch Dienstleistungszentren und Tourismusregionen abgebildet. In den USA gibt es allein acht Dienstleistungszentren internationaler Bedeutung – so viele wie in keinem anderen Staat der Erde. Kanada (Montréal) und Mexiko (Mexiko-Stadt) besitzen jeweils ein Dienstleistungszentrum internationaler Bedeutung. Aufgrund seiner geringen, dünnen Besiedlung gibt es in Kanada insgesamt nur sehr wenige Dienstleistungszentren. Die Wirtschaften der karibischen Staaten haben ihren Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt; in Panamá und besonders in einigen (von ehemaligen Kolonialmächten weiterhin) abhängigen Inseln des Karibikbogens zwischen Puerto Rico und Trinidad und Tobago sind es hingegen Finanzdienstleistungen mit steuerlich hohen Vergünstigungen und oftmals zur Wäsche von Schwarzgeld aus illegalen Geschäften wie z. B. dem Drogenhandel. Überhaupt spielt die Drogenproduktion (als landwirtschaftlicher Anbau oder synthetisch) ebenso wie der Drogenhandel in den Staaten Mittelamerikas sowie in Kolumbien eine bedeutende Rolle im Bereich der informellen Dienstleistungen und Landwirtschaft, wobei die Zielregionen in erster Linie die USA, aber auch Kanada und Europa, sind.

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