Ostseeküste - Aufbau von Steilküste und Flachküste

Deutschland - Naturraum
978-3-14-100453-3 | Seite 37 | Abb. 2

Überblick

Küsten bezeichnen den schmalen Übergang zwischen Land und Meer. Die Form einer Küste entsteht durch äußere Einflüsse wie Brandung oder Meeresspiegelveränderungen.

Die Steilküste: vom Meer geformt

Steilküsten zeichnen sich durch einen abrupten Übergang zwischen Land und Meer aus. Sie fallen also zum Meer hin steil ab. Eine solche Steilküste wird auch Kliff genannt. Dazu zählen zum Beispiel die berühmten Kreidefelsen im Norden der Insel Rügen. Der am Fuß des Kliffs gelegene Blockstrand ist nicht so breit wie der Strand einer Flachküste. Daher kann die Brandung regelmäßig den unteren Teil der Steilküste erreichen. Sie nimmt an dieser Stelle Geröllmaterial mit sich. So entsteht an dem knapp über dem Meeresspiegel gelegenen Abschnitt im Lauf der Zeit eine Brandungshohlkehle. Je mehr Material abgetragen wird, umso tiefer wird die Brandungshohlkehle, bis es schließlich zum Einsturz des unterspülten Teils der Steilküste kommt. Das abgebrochene und abgetragene Gestein eines Kliffs bildet mit der Zeit eine Kliffhalde. Die Brandungs-oder Abrasionsplattform ist eine durch Abtragung und Zurückweichen des Kliffs entstandene ebene Fläche, die ständig wächst bzw. verbreitert wird. Das auf der Plattform liegende Material wird im Lauf der Zeit durch die Brandung weiter ins Meer getragen und als Seehalde abgelagert. Die Seehalde markiert somit den Übergang zwischen dem Uferbereich und dem offenen Meer und ist gleichzeitig die Randzone der Brandungsplattform.

Die Flachküste: vom Meer geschaffen

Wie der Name sagt, ist an einer Flachküste der Übergang vom Meer zum Land sehr flach und daher ständig im Fluss. Eine Flachküste besteht aus lockerem Material wie Sand oder Kies. Ihre Form wird durch den Wind und das Meer stetig verändert. Der Wind transportiert feinstes Material über die Dünen ins Land. Das Meer und die Wellen spülen Material an Land, tragen es jedoch auch wieder ab. Auf diese Weise ist die Flachküste ständigen Ablagerungen, Abtragungen und Veränderungen ausgesetzt.

Der Aufbau einer Flachküste beginnt meist mit zunehmenden Sand- oder Kiesablagerungen (Sand- oder Kiesriff) im dauerhaft überfluteten Flachwasserbereich. Dieser Teil der Küste wird auch Barre genannt. Es können sich auch mehrere Sandriffe hintereinander parallel zur Küste bilden. Auf eine Barre folgt eine Art Vertiefung, der Küstenpriel. Diese Aufeinanderfolge deutet an, dass das Meer an diesen Stellen stetig Material transportiert und umlagert. An einer Barre brechen die Wellen und rollen bis zum Spülsaum aus. Dabei nehmen sie Sand und Kies mit sich. Der Spülsaum bezeichnet den Abschnitt, der den ständigen Bewegungen des Wassers ausgesetzt ist und regelmäßig überspült wird. Dabei bilden sich Ablagerungen. Als Strandwall wird hingegen der wenige Dezimeter höher liegende Strandbereich bezeichnet. Er entsteht durch die Ablagerungen von grobkörnigem Material, das von den Wellen nicht mehr abtransportiert wird. Je nach Stärke der Brandung ist der Strandwall zur Meerseite hin durch ein Sandkliff geprägt. Die Ausprägung hängt unter anderem von den Jahreszeiten ab. So ist beispielsweise der Winterstrandwall infolge einer stärkeren Brandung durch eine zum Meer hin steiler abfallende Form geprägt.

Schlagworte