Rhein-Neckar-Region - Kulturlandschaft um 1850

Rhein-Neckar-Region - Landschaftswandel
978-3-14-100394-9 | Seite 28 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 200000

Überblick

Beginnend mit der Industrialisierung seit Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Rhein-Neckar-Raum einen starken Wandel. Bis dahin war das Gebiet mit wenigen Ausnahmen relativ dünn besiedelt. Haupteinnahmequelle war die Landwirtschaft mit dem Ackerbau und dem Anbau von Sonderkulturen wie Tabak und Wein. Der Weinbau entlang der Westseite des Odenwaldes hatte damals schon eine lange Tradition und geht auf die Römer zurück, die Rebsorten aus Italien nach Deutschland einführten. Ein weiteres Weinanbaugebiet lag bei Mutterstadt westlich des Rheins. Die größten Gemeinden im Rhein-Neckar-Gebiet waren zu dieser Zeit die ehemalige Residenzstadt Mannheim, die Universitätsstadt Heidelberg, die Stadt Speyer sowie die Städte Frankenthal, Oggersheim, Schwetzingen, Ladenburg und Weinheim. Sie gehörten zum Königreich Bayern und zu den Großherzogtümern Hessen und Baden.

Wirtschaftlicher Aufschwung – Gründung von Industriebtrieben

Der Grundstein für den Wandel der landwirtschaftlich geprägten Region wurde mit der zunehmenden Gründung von Industriebetrieben gelegt. Mit den Unternehmen entstanden Arbeitsplätze in den Städten. Dies führte zu einer Zunahme der städtischen Bevölkerung innerhalb weniger Jahre. Mannheim beispielsweise vergrößerte sich bis 1840 innerhalb von kurzer Zeit auf 25 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt machte sich einen Namen als Finanzzentrum der Region. Mehrere Banken und eine Börse für den Handel mit Holz, Tabak und landwirtschaftlichen Produkte wurden hier gegründet. Es entstanden außerdem verschiedene Industrieunternehmen wie die 1871 von dem Motoren- und Autoerfinder Carl Benz gegründete Mechanische Werkstätte. In Frankenthal waren es eine im Jahr 1755 gegründete Porzellanfabrik sowie eine 1843 erbaute Zuckerfabrik, die der Stadt zu wirtschaftlichem Aufstieg verhalfen. Im gleichen Zeitraum entwickelte sich Speyer zur Stadt der Presse und Zeitungen mit überregionaler Bedeutung. Hier verdoppelte sich die Bevölkerung zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt. In Heidelberg, der Stadt mit der ältesten Universität Deutschlands, entstand ein Unternehmen des Druckgewerbes. Die Stadt war darüber hinaus schon damals ein beliebtes Reiseziel.

BASF – Meilenstein für die Entwicklung der Region

Ein bedeutender Meilenstein für die Entstehung eines schnell wachsenden Ballungszentrums an der Mündung von Rhein und Neckar war die Gründung der BASF (Badische Anilin- & Soda-Fabrik) 1865 im pfälzischen Ludwigshafen. Ursprünglich sollte die Fabrik im badischen Mannheim auf der gegenüberliegenden Rheinseite errichtet werden. Nachdem Verhandlungen über den Grundstückserwerb gescheitert waren, entschlossen sich die Firmengründer ins benachbarte Ludwigshafen auszuweichen, das damals zum Königreich Bayern gehörte.

Schiffe und Eisenbahn – Transportmittel der Industrieprodukte

Ermöglicht wurde der wirtschaftliche Aufstieg der Region durch die Entwicklung des Verkehrsnetzes. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Rhein für die Großschifffahrt erschlossen. Waren konnten auf diese Weise kostengünstig per Schiff transportiert werden. Erste Häfen für das Be- und Entladen der Schiffe entstanden in Mannheim und Speyer. Ein wichtiges Transportmittel für Rohstoffe und Industrieprodukte wurde außerdem die Eisenbahn. Die erste Eisenbahnlinie der Region verlief ab 1840 von Mannheim nach Heidelberg. Westlich des Rheins wurde 1847 eine Eisenbahnverbindung erbaut. Sie verlief von Ludwigshafen nach Speyer und Worms und brachte ebenfalls der Landgemeinde Schifferstadt, die sich am Knotenpunkt der Strecke befand, einen wirtschaftlichen Aufstieg.

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