Rio de Janeiro - Wohnviertel - Condominio Jardim Ibiza / Wimbledon Park
Condominio Jardim Ibiza / Wimbledon Park
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Oberschicht in Rio de Janeiro verstärkt in bewachte Wohnkomplexe, sogenannte Condominios, zurückgezogen. Die in der Karte dargestellten Condominios Jardim Ibiza (siehe auch Karte 159.3 „Rio de Janeiro – Soziale Gliederung“) und Wimbledon Park befinden sich im Wohnviertel Barra de Tijuca, das im Süden der Stadt liegt. Es wird im Westen und Osten von bis zu 1000 m hohen Bergzügen begrenzt, im Norden von Lagunen und im Süden von den Stränden am Atlantischen Ozean. Damit weist das Viertel eine sehr attraktive Lage auf. Aus den Condominios ist man etwa in 15 Minuten zu Fuß am Strand. Seit Mitte der 1970er-Jahre wurde hier von Immobiliengesellschaften groß investiert. Neben verschiedenen Wohnformen (Apartment-Hochhäuser und Einfamilienhäuser) hat sich eine entsprechende Infrastruktur mit Shopping Malls, Bürogebäuden sowie Freizeit- und Sportanlagen (Golfclub, Tennisplätze, Bowlingcenter, Eislaufbahn) entwickelt, wobei die Freizeit- und Sportanlagen überwiegend nicht öffentlich sind, sondern nur von den Bewohnern der Condominios genutzt werden können. Die Condominios sind durch Mauern, Zäune und Tore gesichert. Zudem kontrollieren Sicherheitsdienste und Kameras. Die Sicherheit ist auch das wesentliche Argument für die Bewohner, in eine solche Anlage zu ziehen. Da die Kauf- bzw. Mietpreise sowie die monatlichen Abgaben hoch sind, können sich das nur Mitglieder der Oberschicht leisten. Die Condominios Wimbledon Park (westliche Hälfte des in der Karte zentral dargestellten Condominios) und Jardim Ibiza (östliche Hälfte) zeichnen sich durch freistehende Einfamilienhäuser mit großen Grundstücken und Swimmingpools aus. Es sind Luxus-Condominios. Zudem beherbergen sie eine Privatschule, Sportanlagen sowie drei Kirchen. In der Nachbarschaft reiht sich ein Condominio an das andere. Der öffentliche Raum ist dadurch stark eingeengt.
Favela Cidade de Deus („Stadt Gottes“)
Die Favela Cidade de Deus ist eine von über 100 Favelas in Rio de Janeiro. Sie liegt ca. 6 Kilometer nördlich der Condominios Jardim Ibiza und Wimbledon Park in flachem Gelände – ansonsten befinden sich die Favelas in Rio de Janeiro meist an Berghängen (vgl. Karte 159.3 „Rio de Janeiro – Soziale Gliederung“). Die Cidade de Deus wurde 1966 von der Regierung als Wohnbauprojekt angelegt, um die Favelas in der Nähe des Stadtzentrum von Rio de Janeiro zu entlasten und für die vom Land hinzuziehenden Menschen Wohnraum zu schaffen. Angesichts der starken Zuwanderung aus dem Nordosten Brasiliens geriet sie aber schon bald außer Kontrolle, Armut und Rechtslosigkeit breiteten sich aus. 2009 wurden die dort herrschenden Drogenbanden durch massiven Polizeieinsatz vertrieben. Seitdem ist die sogenannte Befriedungspolizei dort stationiert. Sie liefert sich immer wieder Kämpfe mit den Drogenhändlern. In der Favela Cidade de Deus leben auf 1,2 Quadratkilometer etwa 36 000 Menschen. Dadurch ist die Bevölkerungsdichte mit über 30 000 Einw./km2 extrem hoch. Wie die Condominios stellen auch die Favelas eigene kleine Städte dar, die sich teils selbst organisieren, Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen anbieten und – auch wenn die Favelas anders als die Condominios nicht durch Mauern abgeschottet sind – nicht zum öffentlichen Raum gehören. In der Favela Cidade de Deus befinden sich öffentliche Schulen, ein Arbeitsamt, eine Gesundheitsstation, eine Post, eine Polizeistation (s. o.), Supermärkte und Kioske sowie zahlreiche Kirchen, diese teils auch um die Favela herum.