Washington, D.C. - Politisches Machtzentrum der USA
Überblick
Das politische Zentrum der USA ist die Bundeshauptstadt Washington D. C., der Sitz des US-Präsidenten, der Bundesregierung, des Kongresses und bedeutender internationaler Organisationen (Weltbank, Internationaler Währungsfonds IMF, Organisation amerikanischer Staaten OAS). Die Stadt Washington ist dabei identisch mit dem Bundesdistrikt „District of Columbia“, der kein US-Bundesstaat ist, aber faktisch als solcher angesehen und behandelt wird. Das Stadtbild von Washington ist durch zahlreiche repräsentative, zumeist im historisierenden Stil errichtete Bauwerke geprägt. Mit rund 700 000 Einwohnern ist Washington Teil des hoch verdichteten Siedlungsbandes im Nordosten der USA, das von Boston im Norden über New York, Philadelphia und Baltimore bis nach Washington im Süden reicht und deshalb auch als „Boswash“ (als Abkürzung für „from Boston to Washington“) bezeichnet wird. Die Stadt liegt am Potomac River, ungefähr an der Stelle, wo dieser zum Gezeitenfluss wird und sich als Ausläufer der weit verzweigten Chesapeake Bay stark verbreitert. Anders als seine Nachbarstädte ist Washington kein industrielles Zentrum, sondern wird fast ausschließlich durch seine Funktion als Hauptstadt und politisches Dienstleistungszentrum geprägt.
Stadtplanung und Stadtentwicklung
Das Zentrum von Washington wurde nach dem 1790 von George Washington veranlassten Entwurf des Franzosen Pierre Charles L’Enfant auf der Nordseite des Potomac planmäßig angelegt. Ähnlich auffällig wie in Manhattan (siehe Karte 148.2 „New York – Manhattan“) ist das strenge Schachbrettmuster, das aber stärker als dort von Diagonalen durchbrochen wird. Die Namensgebung der Straßen ist – soweit nicht durchnummeriert – durch die amerikanische Geschichte bestimmt worden. Neben Bundesstaaten wie New York, Massachusetts, Virginia und Pennsylvania finden sich Schlüsselwörter wie Independence und Constitution. Die Diagonalen sind jeweils auf Plätze in ihren Kreuzungspunkten ausgerichtet. An zwei dieser Kreuzungspunkte stehen mit dem Capitol und dem Weißen Haus die zentralen Gebäude der Hauptstadt, beide mit einem hohen symbolischen Wert. Das Weiße Haus wurde ab 1792 im klassizistischen Stil errichtet und ist der Wohn- und Amtssitz des amerikanischen Präsidenten. Das Capitol mit seinem markanten Kuppelaufbau ist der Parlamentssitz, in dem der Senat und das Repräsentantenhaus tagen; es wurde 1793 begonnen, aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts vollendet. Der Name wurde von einem der sieben Hügel, auf denen Rom erbaut wurde, übernommen. In der unmittelbaren Umgebung des Capitols befinden sich weitere wichtige Parlamentseinrichtungen: House Office Building, Senate Office, Supreme Court und die Library of Congress. Im Kreuzungspunkt der beiden von diesen Gebäuden ausgehenden Achsen steht das Washington Monument, das an den Stadtgründer, Namensgeber und ersten Präsidenten der USA erinnert. Auch das Lincoln-Memorial in der Nähe des Potomac und das Roosevelt-Memorial auf der gleichnamigen Insel im Potomac erinnern an herausragende amerikanische Präsidenten. Zwischen dem Washington Monument und dem Capitol liegen die Parkanlagen „The Mall“, die von zahlreichen Bundesbehörden – darunter die Departments für Justiz, Landwirtschaft und Handel, das FBI und die NASA – und Kultureinrichtungen gesäumt werden. Die Departments entsprechen den Bundesministerien in Deutschland. Bereits außerhalb der Bundesdistriktgrenze, auf der gegenüberliegenden Seite des Potomac liegt in Arlington (Virginia) das Pentagon, der 1941/42 errichtete Fünfeckbau des Verteidigungsministeriums, inmitten zahlreicher weiterer militärischer Einrichtungen und Denkmäler (z. B. National Cemetery). Militärische Einrichtungen, beispielsweise der Navy, liegen auch im Süden Washingtons. Neben den Regierungsbehörden sind in Washington zahlreiche Bildungseinrichtungen angesiedelt, im wohlhabenden und touristischen Stadtteil Georgetown beispielsweise die renommierte Georgetown University.
Bevölkerung
Ein großer Teil der Bevölkerung lebt von Einkommen unterhalb der Armutsgrenze, zum Teil in unmittelbarer Nachbarschaft zu weltpolitisch bedeutsamen Einrichtungen wie dem Weißen Haus oder dem US-Kongress. Hingegen gilt der Norden und Westen des District of Columbia (D. C.), insbesondere Georgetown, als wohlhabend und von europäisch-stämmiger Bevölkerung geprägt. Die Bevölkerung afroamerikanischer Herkunft stellt trotz kontinuierlichen Rückgangs mit rund 41 Prozent immer noch die größte Bevölkerungsgruppe (1990 noch 66 Prozent), dicht gefolgt von der Bevölkerung europäischer Herkunft mit rund 40 Prozent (1990 noch 30 Prozent).