Weltmeere - Fischfang und Fischzucht

Erde - Weltmeere
978-3-14-100453-3 | Seite 166 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 90000000

Überblick

Die Weltmeere sind eine wichtige Nahrungsquelle. Auf den begrenzten Fischbeständen lastet ein Nutzungsdruck wie nie zuvor. Im Laufe weniger Jahrzehnte hat sich der industrielle Fischfang von den traditionellen Fischereigebieten auf der Nordhalbkugel über alle Ozeane ausgebreitet. Die Folgen dieser Entwicklung für die Ökologie der Meere werden von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beobachtet und alle zwei Jahre in einem SOFIA-Report (The State of World Fisheries and Aquaculture) veröffentlicht. Weltweit werden etwa 1500 Fischbestände kommerziell befischt, doch nur für etwas mehr als 500 von ihnen gibt es umfassende Daten. Nach dem SOFIA-Report 2024 ist der Anteil der Bestände, die als „überfischt“ oder „zusammengebrochen“ gelten, von 10 Prozent im Jahr 1974 auf 38 Prozent im Jahr 2022 gestiegen. Der Anteil der „voll genutzten“ Bestände blieb im selben Zeitraum mit ungefähr 50 Prozent konstant, der Anteil der „gemäßigt genutzten“ Bestände ging dagegen von knapp 40 auf nur noch 12 Prozent zurück. Trotz aller Bemühungen um Nachhaltigkeit nimmt die Überfischung der Meere auch gegenwärtig noch zu.

Ausweitung der Fanggründe

Dennoch liegt die jährliche Gesamtfangmenge an Fisch und Meerestieren seit den späten 1980er-Jahren relativ konstant zwischen gut 86 und 94 Millionen Tonnen pro Jahr. Für diese quantitative Stabilität trotz Überfischung gibt es vor allem zwei Gründe. Weil die Bestände in den Küstenregionen immer mehr schrumpften, wurde die Fischerei von den klassischen Fangrevieren im Nordatlantik und Nordpazifik immer weiter nach Süden ausgedehnt. Zum anderen werden immer größere Tiefen befischt. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es technisch kaum möglich, die Netze bis in 500 Meter Tiefe auszubringen, heute liegt die Grenze bei 2000 Meter. Die erschöpften Bestände der klassischen Zielarten konnten infolgedessen durch andere Arten ausgeglichen werden. Die Erträge sind dadurch statistisch stabil, ihre Zusammensetzung ist es nicht.

Fanggebiete

Die FAO teilt die Weltmeere traditionell in 19 große Fanggebiete ein. Das bedeutendste unter ihnen ist der Nordwestpazifik. 2022 wurden in dieser Region 18,6 Millionen Tonnen Fisch gefangen (2016 noch 22,4 Millionen Tonnen), ein Fünftel der globalen Gesamtfangmenge. An zweiter Stelle folgte der westliche Pazifische Ozean (2022: 13,8 Mio. t; 2016: 12,7 Mio. t), in dem die Fangmengen seit 1970 kontinuierlich zugenommen haben, der Südostpazifik (2022: 9,0 Mio. t; 2016: 8,3 Mio. t), der Nordostatlantik (2022: 8,2 Mio. t; 2016: 8,3 Mio. t) und der östliche Indische Ozean (2022: 6,1 Mio. t; 2016: 6,4 Mio. t). Allein in diesen fünf Gebieten wurden somit rund 60 Prozent der weltweiten Fänge erzielt. Der östliche Pazifische Ozean ist ebenso wie der Südostpazifik sehr ergiebig, weil dort vor der Küste Südamerikas nährstoffreiche Auftriebsgebiete liegen, in denen Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche steigt. Diese Gebiete zeichnen sich allerdings auch durch besonders heftige Bestandsschwankungen aus. Schwächt sich der Wasserauftrieb ab, zum Beispiel infolge von Klimaanomalien wie El Niño, sorgt der Planktonmangel für einen Einbruch der Bestände, zum Beispiel 2014 in Peru und Chile.

Im Südostpazifik, Mittelmeer/Schwarzen Meer sowie im Nordwestpazifik ist die Situation besonders angespannt, hier gelten 67, 63 bzw. 56 Prozent der Bestände als überfischt, gefolgt vom Mittleren Ostatlantik mit rund 51 Prozent Überfischung. Alle anderen 15 weltweiten Fanggebiete weisen mehr nachhaltig bewirtschaftete als überfischte Bestände auf. Besonders positiv ist die Situation im östlichen Pazifik (nur 16 Prozent überfischt), gefolgt vom Nordostatlantik (21 Prozent) sowie im Nordostpazifik (dort werden vor allem Alaska-Pollack, Kabeljau und Seehecht gefangen) und im Südwestpazifik (beide zu 24 Prozent überfischt). Zu den Gebieten, in denen die Fangmengen im Laufe der Jahre immer mehr abgenommen haben, zählen unter anderem das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer (von 1,84 Mio. t in den 1980er-Jahren auf 1,09 Mio.  t2022).

Fangquoten

Wenn die Anlandungen in einem Fanggebiet schrumpfen, heißt dies nicht zwingend, dass Bestände zusammengebrochen sind. Zum Teil gehen sie zurück, weil der Fang durch Fischereimanagement beschränkt wird. Nachdem in den 1970er- und 1980er-Jahren immer mehr Bestände kollabiert waren, wurde offensichtlich, dass Überfischung nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Problem ist. Die Europäische Union und Länder wie Australien, Kanada, Neuseeland und die USA haben daraufhin Managementpläne entwickelt, die den Fang so regulieren, dass sich die Bestände reproduzieren können. Allerdings werden diese positiven Ansätze durch eine fortdauernde Überfischung in manchen Gebieten konterkariert. Im Mittelmeer sind viele Bestände massiv überfischt, auch im Golf von Biskaya werden einige Arten wie der Europäische Seehecht in viel zu hohen Mengen entnommen.

Aquakulturen

Eine Möglichkeit zur Entlastung bietet die Fischerzeugung in Aquakulturen, die in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen hat. In der Boomphase der Hochseefischerei in den 1970er-Jahren war der Anteil von Aquakulturen an der Fischerzeugung noch marginal. In den 1980er-Jahren wuchs dieser Wirtschaftszweig zunächst langsam, doch ab den 1990er-Jahren verzeichnete er ein ebenso rasantes wie kontinuierliches Wachstum. Wurden 2016 weltweit 80 Millionen Tonnen Meeresfrüchte erzeugt, mehr als dreimal so viel wie 1995 (24 Mio. t), so sind es 2022 bereits über 94 Mio. t. Produziert wird vor allem Fisch (62 Mio. t), gefolgt von Muscheln (19 Mio. t) und Krustentieren (13 Mio. t). Mit großem Abstand führend bei Aquakulturen ist Asien mit einem Anteil von 88 Prozent an der Weltproduktion, davon hat allein China 56 Prozent und alle anderen asiatischen Produktionsländer 22 Prozent. Nach China sind Indien (11 Prozent), Indonesien (6 Prozent) und Vietnam (5 Prozent Weltmarktanteil) weitere bedeutende Produzenten. Europa trug 2022 hingegen nur knapp 4 Prozent zur Weltproduktion bei. Neben Fisch, Muscheln und Krustentieren wurden 2022 außerdem knapp 37 Mio. t Algen in Aquakulturen geerntet.

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