Westerland (Sylt) - Gewachsenes Seebad

Schleswig-Holstein und Hamburg - Tourismus
978-3-14-100453-3 | Seite 20 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 10000

Überblick

Westerland liegt im Westen der Nordseeinsel Sylt direkt an der Küste. Die ehemalige nördlichste Stadt Deutschlands wurde 2009 zu einem Ortsteil der Gemeinde Sylt. Durch die zentrale Lage in der Mitte der Ferieninsel ist Westerland der Verkehrsknotenpunkt der Insel. Hier befinden sich sowohl ein wichtiger Bahnhof als auch der einzige Flughafen Sylts.

Entwicklung als Tourismusort

Bereits im Jahr 1436 wurde Westerland gegründet und bekam 1905 das Stadtrecht. Die Grundlagen für die Entwicklung des Tourismus in dem Küstenort wurden im Jahr 1855 mit der Ernennung zu einem Seebad gelegt – einem Kurort, der das Seeklima für Kurmaßnahmen nutzt. Infolgedessen kamen die ersten Touristen in den Ort und drei Jahre später (1858) entstand das erste Hotel Westerlands. Seither wuchs die Bedeutung des Tourismus für Westerland und immer mehr Hotels und Appartementanlagen wurden in dem Hauptort Sylts errichtet. Zu Beginn der 1970er-Jahre erreichte der Bauboom seinen Höhepunkt, als mehrere große Appartementanlagen in unmittelbarer Nähe des Strandes entstanden. Auf diese Weise konnten die Anzahl an verfügbaren Betten für Feriengäste und damit auch die Übernachtungszahlen enorm gesteigert werden. Einige dieser Bauten verfügten allerdings über mehr als acht Etagen und haben dadurch das Aussehen Westerlands extrem verändert.

Tourismus – Zahlen und Angebote

Heute stellt der Tourismus weiterhin die wichtigste Einnahmequelle für Westerland und seine etwa 14 000 Einwohnerinnen und Einwohner dar. Im Jahr 2024 besuchten rund 486 000 Gäste die Gemeinde Sylt mit seinem Hauptort Westerland. Sie verbrachten im Durchschnitt 5,9 Tage in einer der vielen verschiedenen Unterkünfte mit insgesamt über 22 600 Betten. Die meisten Urlauberinnen und Urlauber übernachteten in Ferien-Appartements oder in Zimmern/Wohnungen, die von Privatleuten vermietet werden. Weitere Unterkünfte finden sich in den zahlreichen Hotels und Pensionen, in Erholungsheimen, Kurkliniken, in der Jugendherberge sowie auf dem Campingplatz. Ferienhäuser, wie sie in geplanten Ferienanlagen häufig zu finden sind, gibt es in Westerland jedoch nicht. Im Jahr 2024 wurden insgesamt über 3,2 Millionen Übernachtungen in dem Inselhauptort gezählt. Westerland erzielt damit die höchste Anzahl an Übernachtungen in Schleswig-Holstein und gilt als der wichtigste Tourismusort des nördlichsten Bundeslandes.

Um diesen Status zu halten, bietet der Westerland seinen Gästen ein umfangreiches touristisches Angebot. Neben dem sieben Kilometer langem Sandstrand und der über zwei Kilometer langen Strandpromenade gibt es in Westerland zahlreiche Indoor-Angebote. Dazu gehören das Syltness-Center (ein modernes Wellness-Center) und das Freizeitbad „Sylter Welle“.

Wachsender Tourismus und wachsende Herausforderungen

Im Gegensatz zu einem geplanten Tourismusort verfügt Westerland über eine gewachsene Innenstadt mit einer großen Fußgängerzone sowie vielen unterschiedlichen Geschäften und Gastronomiebetrieben. Da der Ort nicht nur auf Touristen ausgelegt ist, sondern eine normale städtische Infrastruktur mit Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und einem Theater besitzt, ist er vielseitiger als ein Ferienpark (vergleiche Karte 20.3 „Damp – geplanter Ferienort“).

Durch die hohe Anzahl an Touristen ergeben sich allerdings auch in Westerland erhebliche Belastungen für die Natur. Zu nennen sind hierbei unter anderem ein hoher Energie- und Wasserverbrauch sowie ein hohes Abfall- und Abwasseraufkommen.

Sylt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Um die Umwelt zu entlasten, arbeitet die Gemeinde Sylt an einem Klimaschutzkonzept und einer Wärmeplanung, damit Energie in Zukunft sparsamer und klimafreundlicher genutzt wird. Gleichzeitig wird die „Sylter Verkehrswende“ vorangetrieben: bessere Busangebote, mehr sichere Rad- und Fußwege sowie zusätzliche E‑Mobilitätsangebote sollen Autofahrten verringern.

Auch die Natur wird aktiv geschützt – etwa durch die Pflege von Dünen und Küsten sowie eine gezielte Besucherlenkung, damit sensible Bereiche geschont werden. Zudem setzen Aktionen wie „Sylt räumt auf“, Mehrwegsysteme und Strand‑Cleanups darauf, Müll zu vermeiden und Gäste zum Mithelfen zu motivieren. Umweltführungen und Aktionen helfen außerdem dabei, ein Bewusstsein für den sorgsamen Umgang mit Wasser und Natur zu entwickeln.