Europa - Nicht-erneuerbare Energierohstoffe

Europa - Verkehr und Energie
978-3-14-100453-3 | Seite 89 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 40000000

Überblick

Zu den nicht-erneuerbaren Energierohstoffen zählen die fossilen Brennstoffe Erdöl, Erdgas, Steinkohle und Braunkohle sowie Uranerz. Europa verfügt über große Vorräte an nicht-erneuerbaren Energierohstoffen. Die Karte zeigt neben der Verbreitung fossiler Lagerstätten das Netz der Erdöl- und Erdgasleitungen und die Hafenstandorte, an denen Erdöl und Erdgas verschifft werden.

Erdöl- und Erdgasvorkommen

Trotz eigener Vorkommen sind viele Länder Europas von Erdöl- und Erdgasimporten abhängig. So wurden in Deutschland beispielsweise im Jahr 2024 4,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas produziert (die zu 99 Prozent aus Niedersachen stammen, vgl. Karte 44.1 „Deutschland und seine Nachbarländer – Energiewirtschaft“), sie decken aber nur gut 5 Prozent des heimischen Bedarfs; der größte Teil des benötigten Erdgases stammt aus Norwegen und den Niederlanden. Noch größer ist die Abhängigkeit Deutschlands von Erdölimporten (vgl. Karte 45.4 „Deutschland – Stromerzeugung“). Diese Importabhängigkeit wird tendenziell zunehmen. Bei gleichbleibenden Fördermengen werden die europäischen Förderreviere von Erdöl und Erdgas einschließlich der Vorkommen in der Nordsee bis 2030 erschöpft sein. Die Erdgasreviere in Nordafrika können etwas länger ausgebeutet werden. Über größere Reserven verfügen dagegen die arabischen und zentralasiatischen Reviere, das nördliche Südamerika sowie Russland.

Auswirkungen der Geopolitik auf den Erdöl- und Erdgashandel

Nach Beginn des Angriffskrieges Russlands auf die gesamte Ukraine im Februar 2022 haben die allermeisten europäischen Staaten ihre Erdgas- und Erdölimporte aus Russland reduziert, teilweise verbunden mit dem Ziel, sie komplett durch Importe aus anderen Ländern zu ersetzen bzw. sie durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen insgesamt zu reduzieren. Deshalb beispielsweise wurden Terminals für den Import und die Regasifizierung von Flüssiggastransporten aus entfernten Regionen (Nordamerika, Mittlerer Osten) stark ausgebaut. Diese Strategie verfolgen insbesondere die nord-, west- und südeuropäischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, während in den osteuropäischen Mitgliedsstaaten und den Beitrittskandidaten das Bild sehr unterschiedlich ist, was zum einen politische Ursachen hat, zum anderen auf die Möglichkeiten zur Substitution der z. T. sehr hohen Abhängigkeit von nicht-erneuerbaren Energierohstoffen aus Russland zurückzuführen ist. Mit Blick auf die Karte besteht die gezeigte Transportinfrastruktur für Erdgas und Erdöl aus dem russischen Westsibirien nach Europa weiterhin, ist aber entweder durch Kampfhandlungen in der Ukraine und in Russland zeitweilig unterbrochen, stillgelegt oder unternutzt. Russland versucht seit 2022 seine reichen Erdgas- und Erdölvorkommen über eine sogenannte „Schattenflotte“ in andere Regionen der Welt zu exportieren. Diese Exporte werden zum größten Teil über die Ost- und Nordsee und somit durch Anrainermeere der Europäischen Union abgewickelt, so dass die dabei zum Einsatz kommenden, überwiegend altersschwachen Tanker aus Drittstaaten sowie denkbare Sabotage-Szenarien ein Druckmittel für Russland im Konflikt mit der Ukraine und ihren europäischen Verbündeten sowie eine unmittelbare Gefährdung dieser Randmeere darstellen. Vor diesem Hintergrund und anderer weltpolitischer Ereignisse wie den zunehmenden gewaltsamen Konflikten in erdöl- und erdgasproduzierenden Weltregionen (z. B. Venezuela, Iran) ist die Versorgung mit nicht-erneuerbaren Energierohstoffen global unsicherer und sprunghafter geworden. Die schlägt sich stets auch im Weltmarktpreis nieder, der entsprechend volatil ist.

Braunkohle und Steinkohle

Die europäischen Kohlenreserven sind deutlich größer als die von Erdöl und Erdgas, bei der Braunkohle verfügt Europa sogar über einen Großteil der Weltreserven. Im Vergleich dazu sind die europäischen Steinkohlenreserven geringer. Sie liegen vor allem in Revieren mit langer Abbautradition wie Mittelengland, Oberschlesien und dem Donbas. Gegenwärtig ist die Steinkohlenförderung aus diesen Lagerstätten oft nicht wirtschaftlich möglich, sodass in Deutschland beispielsweise die Förderung Ende 2018 eingestellt wurde.

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