Perlflussdelta (Südost-China) - Landschaftswandel durch Verstädterung - 1980

Asien - Verstädterung
978-3-14-100453-3 | Seite 107 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 1000000

Überblick

Im Perlflussdelta mündet der Xi Jiang, der drittlängste Fluss Chinas, in das Südchinesische Meer. Der Vergleich der Karten zeigt, wie sich die Region infolge eines Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums in nur 44 Jahren verändert hat.

1980

1980 gab es mit Hongkong und Guangzhou zwei Millionenstädte, Foshan zählte 700 000 und Dongguan 400 000 Einwohner, hinzu kamen einige kleinere Städte. Prägend waren aber nicht die Städte, sondern Dörfer und ausgedehnte Flächen für Reis- und Gemüseanbau oder Aquakulturen. Zu dieser Zeit lebten noch etwa 70 Prozent aller Chinesen auf dem Land.

2024

Heute dagegen leben im Perlflussdelta fast 74 Millionen Menschen auf einer Fläche, die mit rund 17 000 Quadratkilometer kaum größer ist als Thüringen. Allein in Guangzhou, Dongguan, Shenzhen und Hongkong sind es über 40 Millionen Menschen, darüber hinaus gibt es sechs weitere Millionenstädte (eingerechnet Zhaoqing, westlich von Foshan). Dies führt zu extrem hohen Besiedlungsdichten. Schon heute sind die Städte praktisch zu einem zusammenhängenden Stadtraum zusammengewachsen. Als Megametropole ist das Perlflussdelta damit um ein Drittel bevölkerungsreicher als der Ballungsraum Tokio, die nach der Bevölkerungszahl größte städtische Agglomeration der Erde. Aufgrund seiner immensen Wirtschaftsleistung und einer hochmodernen Verkehrsinfrastruktur ist das Perlflussdelta von globaler Bedeutung. In Shenzhen (2024 33 Mio. TEU, Platz 4), Guangzhou (26 Mio. TEU, Platz 6) und Hongkong (14 Mio. TEU, Platz 12) befinden sich drei der zwölf größten Containerhäfen der Welt, hinzu kommen drei Großflughäfen in Guangzhou (2025: 84 Mio. Passagiere, Platz 9), Shenzhen (66 Mio., Platz 19) und Hongkong (61 Mio. Passagiere, Platz 24). Das 700 Kilometer lange U-Bahn-Netz von Guangzhou ist mit Foshan und Dongguan verbunden, bis 2030 soll das 2011 begonnene City-Train-Netz über ein 1900 km langes Streckennetz alle elf Großstädte mit Schnellzügen verknüpfen. Überdies ist die Region an das nationale Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen, die knapp 2300 Kilometer lange Fahrt Guangzhou – Peking dauert weniger als acht Stunden. Zu den bedeutendsten Infrastrukturprojekten zählt die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke, die seit 2018 als längste Brücke der Welt (55 km) die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau auf beiden Seiten des Perlflussdeltas verbindet. Die wirtschaftliche Bedeutung der Region beruht auf dem Clusterprinzip, die elf Städte haben sich allerdings auch spezialisiert. Entwicklungszentrum der Region ist Guangzhou, die Hauptstadt der Provinz Guangdong. Rund 30 Prozent aller chinesischen Exporte stammen aus dieser Provinz, der „Werkbank der Welt“. Shenzhen ist – wie Zhuhai – Zentrum der Industrie und zudem Sitz großer Elektronikkonzerne wie Huawei und TCL. Hongkong ist Asiens Finanzmetropole und fast ausschließlich vom Dienstleistungssektor geprägt. In Huizhou werden Elektronikteile gefertigt, während Volkswagen in Foshan jährlich etwa 80 000 Autos produziert, das darüber hinaus aber als traditioneller Standort der Keramik- und Porzellanindustrie bekannt ist. Weitere Branchenschwerpunkte der Region sind Informationstechnologie, Maschinenbau, Textilindustrie, chemische Industrie, Biotechnologie, Optik und Photonik.

Probleme

Das immense Wachstum ist mit gewaltigen infrastrukturellen Herausforderungen im Hinblick auf Wohnungsbedarf, Verkehrssteuerung, Energieerzeugung, Wasserversorgung und Abfallbeseitigung verbunden. Ein großes, noch ungelöstes Problem ist die Umweltbelastung. Die Region leidet unter starker Luftverschmutzung, dennoch ist fast ein Dutzend weiterer Kohlekraftwerke geplant. Fast noch gravierender ist die Belastung des Flussdeltas, in das jahrelang ungefilterte Abwässer eingeleitet wurden. Nach Prognosen von Umweltschützern wird die Region schon bald unter Wasserknappheit leiden, weil das vorhandene Grundwasser zu belastet sein wird, um es zu nutzen.

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