Afrika - Konflikte

Afrika - Staaten und Bevölkerung
978-3-14-100453-3 | Seite 123 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 72000000

Überblick

Mehr als die Hälfte aller kämpferischen Auseinandersetzungen weltweit findet in Afrika statt, obwohl nur gut 18 Prozent der Weltbevölkerung auf dem Kontinent leben. Die Konflikte konzentrieren sich vor allem auf einen Gürtel, der sich vom Norden Malis durch das südliche Algerien und Libyen nach Ägypten und bis auf die Sinai-Halbinsel erstreckt. Aktuell (Stand 2025) ist besonders der Sudan betroffen, wo wie so häufig zwei rivalisierende militärische Gruppierungen (meist Regierungstruppen und Rebellentruppen) um die Macht im Land kämpfen und dies vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, besonders rohstoffbasierter Eigeninteressen, die oftmals zur Unterstützung durch ausländische Mächte führen, sowie ethnischer Zugehörigkeiten. In der Folge kommt es häufig zu Vertreibungen und Massakern an bestimmten Bevölkerungsgruppen sowie zu Hungersnöten und Krankheitsausbrüchen, da Infrastrukturen zerstört werden und staatliche, internationale (z. B. Roter Halbmond, UN-Flüchtlingshilfswerk, UNICEF) oder zivilgesellschaftliche Organisationen (Nichtregierungsorganisationen wie z. B. Ärzte ohne Grenzen, Kinderhilfswerk) aufgrund der prekären Sicherheitslage kaum oder keine Hilfe leisten können.

Beispiel: Südsudan

2011 wurde der Südsudan unabhängig, verbunden mit der Hoffnung auf ein Ende des fast 40 Jahre andauernden Bürgerkriegs. Doch bereits 2013 brach im Südsudan ein neuer Konflikt aus. In dem Bürgerkrieg zwischen dem Präsidenten mit seinen Regierungstruppen und Rebellen unter Führung des ehemaligen Vizepräsidenten geht es um die politische Macht und die Kontrolle über die reichen Erdölvorkommen. Erdöl ist für mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Da die beiden Kontrahenten aus unterschiedlichen Volksgruppen stammen, nahm der Konflikt schnell auch eine ethnische Dimension an. Insgesamt starben rund 400 000 Menschen, 1,5 Millionen flohen außer Landes, gut 2 Millionen der rund 12 Millionen Einwohner wurden zu Binnenflüchtlingen. Die ohnehin nur rohstoffbasierte Wirtschaft brach massiv ein, weshalb es auch immer mehr wirtschaftlich motivierte, regionale Kämpfe um Land, Wasser und Weiderechte gab. Rund die Hälfte der Bevölkerung litt an Hungersnot, viele starben an Krankheiten wie der Cholera. Nach mehreren, immer wieder gebrochenen Waffenruhen wurde 2018 ein Friedensvertrag geschlossen, der 2020 in einer Einheitsregierung mündete. Zeitweilig waren 15 000 Blauhelme (Truppen und Polizei) im Südsudan im Einsatz.

UN-Blauhelmmissionen

Seit 1948 gibt es die UN-Blauhelmmissionen. Seitdem beauftragt der UN-Sicherheitsrat UN-Soldaten, bei lang andauernden Konflikten Frieden herzustellen, zu bewahren und zu verteidigen. Kennzeichen der weltweit rund 90 000 Personen umfassenden Truppe sind ihre blauen Helme. Zurzeit sind sie in 11 Friedensmissionen im Einsatz, fünf davon in Afrika.

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