Deutschland - Physische Karte

Deutschland - Physische Karte
978-3-14-100371-0 | Seite 34 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 2250000

Nord- und Ostseeküste

Das nördliche Deutschland hat Anteil an den Küstenlandschaften, dem während der letzten Eiszeiten glazial geprägten Tiefland und an den nördlichen Ausläufern der Mittelgebirgslandschaften.

Zur Nordseeküste zählen die vorgelagerten Inseln, Halligen und Platen, das Watt, die Marschen und die großen Flussmündungen. Die Landschaft wurde geprägt durch die Senkung des Nordseebeckens seit dem Tertiär, die mehrfache Eisbedeckung im Quartär und den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg. Im Kartenbild fallen zum einen Gebiete unterhalb des Meeresspiegels auf – etwa bei Emden (−2,3 m), Itzehoe (−3,5 m) und Brake (−0,3 m) –, zum anderen Landflächen mit veränderlicher Küstenlinie; zu diesen „Sanden“ an der Nordseeküste zählen unter anderem Scharhörn, Trischen oder St. Peter-Ording.

Die Ostseeküste umfasst sehr unterschiedliche Küstenformen mit Förden, Buchten, Ausgleichsküste, Bodden und Haff, die aber alle ihre Grundprägung während der Eiszeiten, vor allem der Weichseleiszeit, und durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg erhalten haben. Dabei hat die nacheiszeitliche Küstendynamik (z. B. die Exposition zu Meeresströmungen) wesentlich zur heutigen Gestalt der Küsten beigetragen.

Norddeutsches Tiefland

Die Landschaften des Norddeutschen Tieflandes zwischen der Küstenregion und der Mittelgebirgsschwelle wurden während der Eiszeiten geformt. Sie gehören entweder zum Jung- bzw. Altmoränengebiet oder zu den eisfreien, aber von Frost beeinflussten Landschaften des Tieflandes (periglazial). Die Jungmoränengebiete wurden während der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, glazial umgeformt. Sie lassen sich grob in Grund- und Endmoränen, Sander sowie Urstromtäler bzw. Schmelzwasserabflussrinnen gliedern (vgl. Abbildung 37.2 „Aufbau von Steilküste und Flachküste“). Sie sind, wie die zahlreichen Seen beispielsweise entlang der Mecklenburgischen Seenplatte zeigen, sehr gewässerreich. Wichtige Teillandschaften sind die Insel Rügen, die flachen vorpommerschen Niederungen, der Norddeutsche Landrücken mit der Mecklenburgischen Seenplatte und die vorgelagerten Niederungen der Elbe und ihrer Nebenflüsse.

Die Altmoränengebiete wurden vor allem während der älteren Saaleeiszeit glazial geformt und während der jüngeren Weichselkaltzeit periglazial überformt. Die ehemals frischen glazialen Formen wurden später abgetragen und eingeebnet. Die Altmoränengebiete sind mit Ausnahme der großen Flüsse gewässerarm und enthalten mancherorts Lössablagerungen. Zu den im Kartenbild gut erkennbaren Teillandschaften zählen der Südliche Landrücken (Lausitz, Fläming, Altmark, Lüneburger Heide), die Geestlandschaften an der Nordsee, die großen Flusstäler und die heute stark vermoorten westniedersächsischen Niederungen (Emsland).

Mittelgebirgsschwelle

Periglazial geprägt ist das Vorland der Mittelgebirgsschwelle. Eventuelle Spuren des glazialen Formenschatzes älterer Eiszeiten sind hier kaum noch erkennbar. Teillandschaften sind das Münsterland und der Niederrhein sowie Teile der Leipziger Tieflandsbucht. Der sich südlich daran anschließende, mittlere Teil Deutschlands weist geologisch gesehen vier wesentliche Bestandteile auf: das variszische Grundgebirge, das Deckgebirge aus den Sedimenten des Zechsteins und des Erdmittelalters, die jungen vulkanischen Gesteine sowie die jungen Sedimente der Erdneuzeit (vgl. Abbildung 36.1 „Deutschland – Landschaften“).

In Abhängigkeit von der tektonischen Entwicklung, der Beschaffenheit des Gesteins und dem Wechsel des Klimas wurden charakteristische Landschaften geformt. Die Hochschollen wurden beispielsweise stark herausgehoben und ihr Deckgebirge abgetragen, wodurch das Grundgebirge hervortrat. Heute prägen weiträumige Einebnungsflächen einen Teil dieser Hochschollen wie der Harz. Andere Hochschollen haben eher schmalere Gebirgskämme, etwa der Hunsrück. Auch das Fichtelgebirge und der Böhmerwald sind Hochschollen, sie bilden den Ostrand der Stufenlandschaften Süddeutschlands.

Die Tiefschollen wurden nicht so stark gehoben, zum Teil sanken sie sogar ab. Auf ihnen blieben die Sedimente des Deckgebirges weitgehend erhalten. Thüringer Becken und Wetterau sind typische Becken und Senken. Sie sind im Vergleich zu den Hochschollen reliefarm, ihre Ränder werden zum Teil durch Schichtstufen markiert.

Elbsandsteingebirge und Teile des Hessischen Berglandes sind hingegen Beispiele für stärker herausgehobene Tiefschollen, die Mittelgebirgscharakter haben; an manchen Stellen weisen sie einen markanten, gesteinsbedingten Formenschatz mit Spuren jüngerer vulkanischer Aktivitäten auf. Vogelsberg und Rhön etwa verdanken ihre Gestalt unter anderem auch vulkanischen Prozessen.

Süddeutsche Stufenlandschaften

Die Stufenlandschaften Süddeutschlands sind durch den Gegensatz zwischen weit gespannten, verhältnismäßig reliefarmen Landschaften, und markanten Landschaftsstufen charakterisiert. Das vielfach kalkhaltige Deckgebirge mit teilweise versickernden Abflüssen blieb auch hier erhalten. Häufig wechselnde, unterschiedlich widerständige Gesteine, sowie anhaltende Abtragungsprozesse haben das heutige Relief geprägt; ein Beispiel hierfür liefert die Fränkische Alb. Sie geht im Südwesten in die Schwäbische Alb über, die ihrerseits im Westen an den höhergelegenen Schwarzwald grenzt. In Teilen des Schwarzwaldes tritt das kristalline Grundgebirge zutage, im Norden und im Westen ist hingegen das Deckgebirge erhalten.

Eine Sonderstellung nimmt der tektonisch entstandene Oberrheingraben (siehe Abbildung 37.4 „Entstehung eines Grabenbruchs“) zwischen Mainz und Basel ein, in dem sich zwischen Odenwald und Pfälzerwald im Norden bzw. zwischen Schwarzwald und Vogesen im Süden die Oberrheinische Tiefebene erstreckt.

Relief und Gewässer

Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die Wechselbeziehung zwischen Relief und Gewässernetz, die sich insbesondere am Verlauf des Rheins nachvollziehen lässt. Während der Fluss südlich von Mainz im breiten, weitgehend ebenen Oberrheingraben verläuft, schneidet er nordwestlich von Mainz ein enges Flusstal mit Steilhängen in die Mittelgebirgsschwelle von Hunsrück und Eifel im Westen bzw. Taunus und Westerwald im Osten. Viele Flüsse sind durch Regulierungen, Kanalisierungen oder Staustufen schiffbar gemacht worden. In den Mittelgebirgen liegen die meisten der deutschen Stauseen und Talsperren.

Alpenvorland

Als Alpenvorland wird in Deutschland der Raum zwischen dem nördlichen Alpenrand und einem Bogen aus Schwäbischer Alb, südlicher Fränkischer Alb und Bayerischem Wald bezeichnet. Diesem markanten, auch im Kartenbild leicht zu verfolgenden Bogen folgt im Wesentlichen auch der Lauf der Donau. Das Alpenvorland ist als Außenzone der Alpen ein Ablagerungsgebiet. Nur ein Teil des Alpenvorlandes war während der letzten Eiszeiten vergletschert. Gut erkennbar sind die großen Seen (wie beispielsweise der Bodensee), die Produkte der glazialen Formung sind. Die Lage der großen Seen markiert den Nordrand des Jungmoränengebietes, das sich auch in Österreich fortsetzt.

Im Kartenbild sind die Abdachung des Alpenvorlandes in Richtung Gäuboden und die Ausrichtung des Gewässernetzes auf die am Nordrand liegende Donau gut zu erkennen. Entlang der Flüsse fallen Spuren der Flussregulierung auf, etwa im Falle der rheinparallelen Kanäle zwischen Basel und Straßburg.

Alpen

Während Deutschland nur einen Anteil von 2,2 Prozent am Hochgebirge der Alpen hat, haben diese zugleich den geringsten Anteil an den Großlandschaften Deutschlands. Die Alpen treten im Kartenbild durch dunkelbraune Höhenschichten hervor. Sie sind das Ergebnis intensiver Hebungsprozesse (vgl. Abbildung 37.5 „Entstehung eines Faltengebirges“). Intensive Abtragung und glaziale Überformung gaben den Alpen ihr heutiges Aussehen. Die höchste Erhebung ist die 2962 Meter hohe Zugspitze, die gleichzeitig der höchste Berg Deutschlands ist.

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