Nördliches Europa - Wirtschaft

Nördliches Europa - Wirtschaft
978-3-14-100371-0 | Seite 80 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 10000000

Überblick

Die Karte gibt einen Überblick über die wichtigsten Landschaftstypen, Bodenschätze, Industrie- und Dienstleistungsstandorte sowie über die Erdöl- und Erdgasleitungen im nördlichen Europa. Das Standortgefüge von Industrie und Dienstleistungen ist gekennzeichnet durch:

– ein Zentrum-Peripherie-Gefälle,

– eine Hauptachse mit besonders hoher Konzentration von Wirtschaftsstandorten, die von Manchester/Leeds über Birmingham, London, die Beneluxmetropolen Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Brüssel, das Rhein-Ruhrgebiet, Frankfurt, Stuttgart, Straßburg bis in die Region Basel/Zürich verläuft,

– großstädtische Agglomerationsräume von internationalem Rang (z. B. London, Paris, München, Mailand, Wien, Berlin),

– Ballungsgebiete mit traditionell starker Industrieorientierung (z. B. Kattowitz/Oberschlesien),

– oftmals peripher gelegene Bergbauregionen (z. B. Nordschweden, Ukraine),

– eine Konzentration von Tourismus in den Alpen und an den Küsten Westeuropas.

Rohstoffe und Bergbau

Europa verfügt über vielseitige Bodenschätze. Im nördlichen Europa sind besonders Eisenerze und verschiedene Buntmetallvorkommen häufig vorhanden. Erdölfelder von größerer Bedeutung gibt es in Russland und in der Nordsee. Neben dem Einsatz als Energieträger wird Erdöl als wichtiger Rohstoff für die chemische Industrie genutzt. Ein Pipelinenetz verbindet die Fördergebiete mit den Standorten der Raffinerien und der chemischen Industrie, die bevorzugt an Küstenstandorten bzw. verkehrsgünstig im Binnenland liegen. Seit dem vollständigen Ausbruch des Ukrainekrieges 2022 hat Russland seine europäischen Energieabnehmer bis auf wenige Staaten in Mittelosteuropa verloren, die auf Europa ausgerichteten Energieleitungen wurden weitgehend unterbrochen.

Von den in der Karte verzeichneten Standorten des Steinkohlenbergbaus sind im internationalen Vergleich nur noch wenige konkurrenzfähig, auch wenn sie ehemals die Grundlage für die Entstehung ganzer Industriereviere bildeten und zum Teil heute noch Kohle gefördert wird. Vielerorts stehen diese Standorte für ein Rückzugsstadium, Steinkohle als Exportgut spielt nur noch für Polen eine gewisse Rolle. Die Braunkohlenförderung in Deutschland, Polen und Tschechien dient überwiegend der Verstromung vor Ort. Norwegen, Schweden und Finnland haben wegen ihres Waldreichtums zahlreiche Standorte der holzverarbeitenden Industrie sowie der Papier- und Zelluloseindustrie.

Altindustrieräume

Ausgangspunkt und Grundlage der Industrialisierung in West- und Mitteleuropa war die Eisen- und Stahlerzeugung (Montanindustrie). Ihre ökonomische und regionalpolitische Bedeutung hat in den meisten Altindustrieräumen gravierend abgenommen. Der Strukturwandel vollzog sich mit harten Einschnitten oder abgepuffert durch Subventionen und Regionalförderungen. Die Eisen- und Stahlindustrie zeigt heute zwei räumliche Schwerpunkte. Im Binnenland sind es Standorte der alten Reviere, die durch Rationalisierung, Prozess- und Produktinnovationen sowie internationale Vernetzung eine Neuausrichtung erfolgreich bewältigt haben (z. B. im Ruhrgebiet, Saarland, Luxemburg, Lothringen, Nordspanien). An den Küsten liegen hingegen die jüngeren Standorte: Sie profitieren dort von der Verkehrsgunst, denn importierte Rohstoffe können direkt auf dem Seeweg bezogen werden.

Dienstleistungen

Innerhalb Europas hat sich ein differenziertes Netz spezialisierter Dienstleistungsstandorte herausgebildet. Dabei zeigen sich Unterschiede in der Branchenstruktur zwischen den großen Agglomerationen einerseits und den peripheren Räumen andererseits. London, Frankfurt/Main, Brüssel und Rotterdam sind Beispiele für bedeutende Dienstleistungsstandorte in den Agglomerationen. Während in Brüssel Medien und Verwaltung dominieren, sind Frankfurt/Main und London Verkehrs- und Finanzstandorte. Rotterdam als Hafenstandort ist auf Logistik spezialisiert. In einigen peripheren Regionen dominiert der Tourismus, zum Beispiel an den dänischen Küsten und in den Alpen.

Wachstumsindustrien

Wachstumsindustrien bevorzugen zentral gelegene Regionen mit Agglomerationsvorteilen, z. B. Bildungs- und Forschungslandschaft, Innovationspotenzial, breit gefächertes Dienstleistungsangebot, qualifizierte Arbeitskräfte, optimale Verkehrsanbindung. Hightech-Branchen wie Luft- und Raumfahrzeugbau und die Elektroindustrie haben ihre wichtigsten Standorte in Verdichtungsräumen wie München und in diversifizierten Industriegebieten mit hochqualifizierter Unternehmer- und Facharbeiterschaft und mit langer Tradition (z. B. Baden-Württemberg). Standorte multinationaler Konzerne prägen ganze Regionen (z. B. Wolfsburg). Eine Besonderheit stellt der Flugzeugbau dar. Die Standorte des Airbuskonzerns wurden auf die teilnehmenden Staaten verteilt: Frankreich, Deutschland, Spanien sowie auch Großbritannien.

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