Überblick
Die Karte zeigt die Verteilung der langjährigen Durchschnittstemperaturen im Juli und daneben im Januar (s. 17.2) für Bayern und seine angrenzenden Nachbarn. Solche langjährigen Monatsmittel beruhen auf Messungen über einen langen Zeitraum, meistens 30 Jahre. Die aktuellen Klimamessperiode deckt den Zeitraum 1991-2020 ab (Normalmessperiode). In Bayern werden die Monatsmitteltemperaturen (oder auch Monatsdurchschnittstemperaturen) vor allem durch die unterschiedlichen Höhenlagen bestimmt.
Temperaturverteilung
Die tiefsten Durchschnittstemperaturen im Januar von weniger als –2 °C verzeichnen die höheren und höchsten Lagen der Allgäuer Alpen, Bayerischen Alpen und des Bayerischen Waldes. In den tieferen Lagen dieser Gebirge sowie in den anderen im Nordosten und Norden Bayerns gelegenen Mittelgebirgen (Oberpfälzer Wald, Fichtelgebirge, Frankenwald, Ausläufer des Thüringer Waldes, Rhön) erreichen die Januartemperaturen Durchschnittswerte von –1 bis –3 °C. Die zentralfränkischen Mittelgebirge der Fränkischen Alb, des Steigerwaldes, der Haßberge und insbesondere des Spessarts erreichen bereits Durchschnittstemperaturen von –1 bis +1 °C, also um den Gefrierpunkt. Damit liegen sie gleichauf mit den bayerischen Tief- und Flachländern wie dem Alpenvorland, dem mittelfränkischen Regnitz/Rednitz-Becken und dem mainfränkischen Becken, wobei letztes im und um das Maintal bereits Temperaturen von +1 bis +2 °C erreicht. Lediglich der kleine bayerische Anteil an dem Rhein-Main-Becken (bei Aschaffenburg) erreicht Temperaturmittel von über 2 °C im Januar. Insgesamt ist die Spannweite der Durchschnittstemperaturen im Januar mit 5 Stufen etwas weniger ausgeprägt als im Juli, wo 6 Temperaturstufen erreicht werden. Die räumliche Verteilung der durchschnittlichen Julitemperaturen verhält sich im Wesentlichen spiegelbildlich zu den Januartemperaturen. Die dort kalten Regionen bleiben auch im Juli eher mild, die dort etwas weniger kalten Regionen werden im Juli mit Monatsmittelwerten von über 20 °C warm bis heiß.
Dies trifft besonders für die geschützten Tallagen zu, die sich im Juli stark aufwärmen. An den sonnenbegünstigten Hängen des Mains herrscht ein fast schon mediterranes Weinbauklima, während im mittleren Donautal zwischen Donauwörth und Regensburg, im mittelfränkischen Becken sowie im Donau-Tiefland unterhalb von Regensburg eher ein kontinental geprägtes Sommerklima anzutreffen ist. Dort werden im Juli die höchsten Temperaturmittel auf bayerischem Gebiet erreicht, sie übersteigen hier auf großer Fläche 20 °C, während sich die Bereiche mit 15 °C und weniger auf die höheren und höchsten Lagen der Mittelgebirge und der Alpen zurückziehen. Die niedrigen Temperaturen diesen Hochlagen werden durch den geringen Umsatz von Sonnenenergie in fühlbare Wärme verursacht. Darüber hinaus tragen hohe Windgeschwindigkeiten durch die starke Zufuhr kühler Luftmassen zu niedrigen Temperaturen bei.
Klimawandel: Veränderung der Frost- und Hitzetage
Für sechs ausgewählte Stationen zeigen die Karten die Zahl der Hitzetage bzw. Frosttage (s. 17.2) für die Klimamessperiode 1991-2020 (Ziffern in blau) und darunter für die Messperiode 1961-1990 (Ziffern in grün). Als Frosttag gilt ein Tag, an dem eine Temperatur unter 0 °C erreicht wird; an einem Hitzetag klettert das Thermometer hingegen auf über 30 °C. Die generelle Abnahme der Frosttage und Zunahme der Hitzetage im Vergleich der 30-jährigen Messperioden 1961-1990 und 1991-2020 ist markant und zeigt das Voranschreiten des Klimawandels. Der Rückgang an Frosttagen fällt in München besonders deutlich aus (minus 22 Prozent), während er sich an den anderen Stationen im Bereich von 9 bis 16 Prozent bewegt. In Verbindung jedoch mit dem weitaus signifikanteren Rückgang der Schneetage (s. 17.4) wird auch hier deutlich, wie sehr Schnee und Frost sich als typische Wettermerkmale des Winters verabschieden.
Auf der anderen Seite haben sich Hitzetage an allen sechs Stationen verdoppelt, in Kempten sogar versechsfacht, was ebenfalls Anpassungen in vielen Bereichen erfordert, z. B. Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Stadtplanung.
H. Kiegel, S. Lemke