Ostharz - Forstwirtschaft

Deutschland - Landwirtschaft und Forstwirtschaft
978-3-14-100900-2 | Seite 59 | Abb. 5| Maßstab 1 : 125000

Überblick

Der Kartenausschnitt zeigt einen etwa 150 Quadratkilometer großen Teil des nördlichen Ostharzes in Sachsen-Anhalt, etwa 15 Kilometer östlich vom Brocken, aber nicht mehr im Nationalpark Harz. Hier erreichen die höchsten Berge nur noch Höhen von etwa 500 Metern. Die Täler sind dort aber tief eingeschnitten. Während der Harz nicht vollständig, aber weit überwiegend bewaldet ist, ist das weniger als 200 Meter hohe Harzvorland jenseits der Harzrandorte Blankenburg und Thale im Nordosten der Karte weitgehend waldfrei. Der Kerninhalt der Karte ist der beschleunigte Wandel des Landschaftsbilds in den letzten Jahren durch massive Waldschäden. Diese haben zumindest temporär zu großen Freiflächen in Nadelwäldern geführt.

Bisherige Forstwirtschaft

Die potenzielle natürliche Vegetation im Mittelgebirge Harz ist bis zu einer Höhe von etwa 800 Metern ein Buchenmischwald. Nur darüber würden natürliche Bergfichtenwälder wachsen. Am Brocken (1141 m) wird sogar die Waldgrenze erreicht. Der ursprüngliche Urwald im Harz wurde besonders durch den jahrhundertelangen Bergbau und das Hüttenwesen forstlich übernutzt und damit zerstört. Die Aufforstung erfolgte mit Laubwäldern, aber auch mit zu vielen Fichtenmonokulturen. Teilflächen des Kartenausschnitts werden aber auch schon lange landwirtschaftlich genutzt, etwa in der großen Rodungsinsel rund um Hasselfelde.

Aktueller Landschaftswandel

Die Anfälligkeit der Fichten gegenüber Stressfaktoren wurde spätestens seit 2018 verstärkt deutlich. Der Klimawandel hat Stürme, Hitze und Trockenheit zunehmen lassen. Eine massive Vermehrung des Achtzähnigen Fichtenborkenkäfers war die Folge. Diese Art ist gerade wegen der Dürreperioden in der Lage, Fichten so zu schädigen, dass sie absterben. Da sich die auch Buchdrucker genannten Käfer zudem schnell und massenhaft vermehren können, gab es in den reinen Fichtenbeständen des Harzes ein großflächiges Waldsterben. Der Einfluss auf das Landschaftsbild war und ist für die Einheimischen und besonders für die Touristinnen und Touristen schockierend. In relativ kurzer Zeit haben sich viele Fichtenforste, gerade im Kartenausschnitt, über die landschaftsästhetisch ungewohnte Zwischenstufe eines Bestands von toten, nadelfreien Bäumen zu Freiflächen entwickelt. Derzeit ergeben sich dadurch an vielen Orten im Ostharz ungewohnte Aussichtsmöglichkeiten.

Zukunft der Wälder

Das forstliche Leitbild für den Harz ist der gesteuerte Waldumbau. Auf teilgeschädigten oder komplett geschädigten Flächen sollen wieder Wälder entstehen, jedoch mit einer anderen, zukunftsfähigeren Artenzusammensetzung. Die Empfehlungen zielen auf den Ersatz der Nadelbaumart Fichte durch die Nadelbaumart Kiefer oder durch die Laubbaumarten Eiche, Buche und Esche ab. Es gibt aber auch bedrohte Buchen- und Eichenbestände, etwa im Bodetal, wo in den nächsten Jahrzehnten ein deutlich vermindertes Wasserangebot erwartet wird. Diese sollen durch widerstandfähigere Robinien, die ursprünglich aus Nordamerika stammen, und Birken substituiert werden. Viele Wälder im Harz werden infolgedessen ihr Aussehen deutlich ändern. Dies gilt auch für den Nationalpark Harz. Dort wird aber teilweise eine Entwicklung ohne jegliche menschliche Eingriffe verfolgt.

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